Jan Beckers: "Wir werden keinen nuklearen Tech-Winter erleben"

Jan Beckers ist seit knapp 20 Jahren Unternehmer, heute investiert er vor allem in Aktien und Krypto. - Copyright: BIT Capital
Jan Beckers ist seit knapp 20 Jahren Unternehmer, heute investiert er vor allem in Aktien und Krypto. - Copyright: BIT Capital

In der deutschen Startup-Szene ist Jan Beckers ein bekannter Name. Sein erstes Startup gründete der Unternehmer Anfang der 2000er noch während des Studiums, später baute er den Inkubator Team Europe mit auf, aus dem Größen wie Delivery Hero hervorgegangen sind. Mit der Fintech-Schmiede Finleap konzentrierte er sich zudem auf Finanzthemen. Seit fünf Jahren ist er nun Chef von BIT Capital, einem Vermögensverwalter, der sich auf Tech-Aktien spezialisiert.

Über eine Milliarde Euro Anlagevermögen stecken eigenen Angaben zufolge in den Fonds. Beckers setze aktuell auf Tech-Werte wie Duolingo und Opendoor, erzählt er im Interview mit Gründerszene. Aktien von E-Commerce-Unternehmen habe BIT Capital Anfang des Jahres vermieden – als die Bewertungen und Indizes abschmierten. Trotz des Börsencrashs befänden sich die Fonds des Berliner Unternehmens noch mehr als 30 Prozent im Plus.

Jan, lässt sich die aktuelle Wirtschaftskrise mit der Krise zu Beginn der Corona-Pandemie vergleichen?

Das ist ein dramatischer Unterschied. Die Corona-Krise hatte einen sehr spezifischen Auslöser, deswegen sind zu Beginn die Aktien massiv eingestürzt. Niemand wusste, wie die Situation ausgeht. Die Aktien sind in dem Moment nach oben geschnellt, als die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld aufgefangen haben. Heute zwingt die Inflation die Notenbanken dazu, den Prozess zurückzudrehen und die Zinsen anzuheben. Und genau das hat jetzt den Crash bei börsennotierten Growth- und Tech-Firmen ausgelöst. Man wird die Folgen aber auch in den nächsten Monaten am Privatmarkt sehen.  

Das bedeutet?

Geld wird nicht mehr so einfach verfügbar sein, Bewertungen werden zurückgehen. Ein schnellerer Kurs hin zur Profitabilität ist letzten Endes gefragt und wird in vielen Fällen erforderlich sein. Das heißt nicht, dass wir einen nuklearen Winter erleben werden. Technologie wird weiterhin für die Zukunft der Welt entscheidend sein. Es wird jetzt erstmal eine Phase geben, in der es wenig Tech-Börsengänge gibt, bis sich die Aktienmärkte gut erholt haben und dann beginnt der Zyklus von vorn.

Und was wird dann passieren?

Derzeit kommt eine Lücke bei den Bewertungen auf uns zu. An der Börse liegen die Firmenbewertungen aktuell weit unter den Niveaus, die ähnliche Geschäftsmodelle auf dem privaten Markt haben. Das heißt, dass die Bewertungsniveaus sich mehr und mehr angleichen werden: die börsennotierten hoch, die privat finanzierten tendenziell runter.

Was meinst du: wie lange wird die Krise noch dauern?

Eine genaue zeitliche Prognose kann man nie abgeben. Der Börsenmarkt hat es dem privaten Markt vorweggenommen und wird am Ende auch ein Indikator dafür sein, wann die Krise ihr Ende findet.

Auch die Werte der Kryptowährungen sind gerade im Keller. Das passiert immer wieder mal. Woran erkennt man, ob das Tief nur kurzfristig ist oder länger anhält?

Am Ende sind die Märkte eng miteinander verbunden, weil es teilweise auch dieselben Investoren sind. Auf dem Kryptomarkt gab es einen massiven Rückgang, selbst Ethereum und Bitcoin sind ungefähr 60 Prozent vom Höchststand entfernt. Seit November 2021 haben unter den Top 200-Cryptoassets 87% ihren Wert mehr als halbiert. 7 von 10 haben mehr als zwei Drittel eingebüsst und jeder Dritte einen Wertverlust von über 80% erlitten. An der Stelle wird sich auch die Spreu vom Weizen trennen.

Inwiefern?

Im Hype-Zyklus haben viele Kryptoprojekte Geld bekommen, die es im Nachhinein nicht hätten bekommen sollen – und diese Projekte werden jetzt ausgewaschen. Einige Währungen werden auf null gehen, andere sich verdoppeln, verdreifachen oder sogar verzehnfachen. Vor allem die reifen Unternehmen werden es durch die Krise schaffen.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.