Jamal Kashoggis Söhne verzeihen dessen Mördern

Jamal Khashoggi wurde im Oktober 2018 getötet

Rund anderthalb Jahre nach der Ermordung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben dessen Söhne erklärt, dass sie den Mördern "verzeihen" - und damit die Abwendung von deren Hinrichtung ermöglicht. Anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan schrieb Kashoggis Sohn Salah am Freitag auf Twitter: "In dieser heiligen Nacht dieses gesegneten Monats (...) verkünden wir, die Söhne des Märtyrers Jamal Kashoggi, dass wir denjenigen, die unseren Vater getötet haben, vergeben und verzeihen".

Die Stellungnahme der Söhne habe zur Folge, "dass die Mörder der Todesstrafe entgehen werden", erklärte der saudiarabische Autor und Analyst Ali Schihabi, der der Regierung in Riad nahesteht, auf Twitter. Schließlich sei es nach islamischem Recht das Vorrecht der Opferangehörigen, den Tätern zu verzeihen. "Die anderen juristischen Verfahren des Staates werden fortgesetzt", fügte Schihabi hinzu.

Auch der Analyst Nabil Nowairah erklärte, die Initiative der Söhne bedeute de facto, dass "die Mörder nicht hingerichtet werden". Die saudiarabischen Behörden äußerten sich zunächst nicht zu den Folgen der Erklärung von Kashoggis Söhnen.

Salah Kashoggi lebt in dem erzkonservativen Königreich und hatte erklärt, er habe "volles Vertrauen" in das Justizsystem Saudi-Arabiens. Er hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach er mit der Regierung eine finanzielle Vereinbarung getroffen habe. Die "Washington Post", für die Jamal Kashoggi gearbeitet hatte, hatte im April 2019 berichtet, Salah Kashoggi und seine Geschwister hätten Häuser im Wert von mehreren Millionen Dollar erhalten und bekämen von den saudiarabischen Behörden monatlich tausende Dollar.

Der 59-jährige Regierungskritiker Khashoggi war im Oktober 2018 im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul von einem entsandten Kommando aus 15 saudiarabischen Agenten ermordet worden. Seine Leiche wurde zerstückelt und bis heute nicht gefunden. Unter internationalem Druck gab Riad nach wochenlangen Dementis schließlich zu, dass der Regierungskritiker "bei einem missglückten Einsatz zu seiner Festnahme" getötet worden sei.

Der Fall hatte Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman international massiv unter Druck gebracht. Sowohl ein Sondergesandter der UNO als auch der US-Geheimdienst CIA kamen zu dem Schluss, dass der Kronprinz direkt in Kashoggis Ermordung verwickelt war. Aus Riad wird dies vehement zurückgewiesen.

In dem Fall wurden in Saudi-Arabien elf Verdächtige vor Gericht gestellt. Fünf von ihnen wurden im Dezember zum Tode verurteilt, drei weitere erhielten 24 Jahre Haft. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.