Leitindex beendet das Jahr unter 13.000 Punkten


Zum Schluss eines starken Börsenjahres verlor der Dax auf der Jahres-Zielgeraden ein wenig an Schwung. Der deutsche Leitindex schloss am Freitag bereits um 14:00 Uhr mit 12.913 Punkten und damit ein halbes Prozent schwächer als am Vortag. Dem Leitindex fehlte im verkürzten Tagesverlauf sogar die Kraft für einen neuen Anlauf auf die 13.000-Punkte-Marke. Unter die war er am Donnerstag erstmals seit Anfang Dezember abgetaucht. „Die Schlappe zum Schluss ändert aber nichts daran, dass wir ein sehr gutes Börsenjahr hatten“, sagte ein Händler. Das Plus im Dax summiert sich auf rund 13 Prozent.

Auch dem EuroStoxx50 fehlte am Freitag jegliche Energie und der BlueChip-Index der Euro-Zone lag mit 3513 Punkten ebenfalls 0,3 Prozent niedriger. Im Jahr kommt er auf ein Plus von rund sieben Prozent.

Der Spielverderber war laut Händlern der Euro. Denn die Gemeinschaftswährung wertete auch am letzten Handelstag des Jahres auf und kletterte um einen viertel US-Cent auf 1,1994 Dollar. Damit nahm sie ihr Jahreshoch von 1,2092 Dollar vom Anfang September wieder ins Visier. Insgesamt hat der Euro 2017 um rund 13 Prozent zugelegt – so stark wie seit 2003 nicht mehr in einem Jahr. Dabei hatten viele Analysten mit einem Rutsch unter einen Dollar je Euro gerechnet.


Händler fürchten nun, dass dies ein Vorbote für 2018 sein könnte. Dann dürfte ohnehin der Druck auf die EZB zunehmen, die Gelddruckmaschine anzuhalten. Denn die Notenbank kaufte auch 2017 im großen Stil Anleihen. Derweil hat die US-Notenbank Fed bereits nicht nur das Gelddrucken eingestellt, sondern auch schon mehrmals an der Zinsschraube gedreht. Dem Dollar hat das aber nicht auf die Sprünge geholfen. Denn mit dem Wahlsieg von Emmanuel Macron bei der Präsidentenwahl in Frankreich preisten die Anleger das Risiko eines Auseinanderbrechens des Euro-Währungsraums aus. Selbst die Probleme in Katalonien und die schwierige Koalitionsbildung in Berlin konnte der Gemeinschaftswährung nichts anhaben.

Im Dax standen 2017 die Papiere der Lufthansa höher im Kurs als jede andere Aktie. Die Titel stiegen um über 150 Prozent – das war der größte Kursgewinn in der Firmengeschichte. Mit knapp über 31 Euro lag die Aktie zuletzt zudem nahe ihres Rekordhochs von 31,19 Euro. Anleger honorierten vor allem die besser laufenden Geschäfte und die Konsolidierung der Branche. Unter anderem ging im laufenden Jahr Air Berlin pleite. 2016 hatte die Lufthansa mit einem Minus von fast 16 Prozent im Dax zu den großen Verlierern gezählt.


Mit einem Plus von über 25 Prozent auf fast 167 Euro ließen zudem VW den Dieselskandal hinter sich. Schlusslicht im Dax waren ProSiebenSat.1 mit einem Jahresverlust von rund 22 Prozent. Die Anleger fürchten, der Fernsehkonzern verliert zu viele Zuschauer an die Streamingdienste von Netflix, Amazon & Co, was die Werbeeinnahmen auf Dauer drückt.

Im MDax für die mittelschweren Börsenwerte sorgte in den letzten Wochen vor allem Steinhoff für Stirnrunzeln: Die nach Ikea weltweit zweitgrößte Möbelhandelskette hatte seine Bilanz 2016 mit der Begründung zurückgezogen, die Zahlen seien nicht mehr zuverlässig. Laut der bisherigen Bilanz 2016 steht Steinhoff mit über 16 Milliarden Euro bei Banken in der Kreide. Der Aktienkurs stürzte auf rund 31 Cent von 4,90 Euro zum Jahresschluss 2016 ab.


Im EuroStoxx50 trugen derweil Nokia mit einem Jahresminus von rund 14 Prozent die rote Laterne. Der frühere Handy-Pionier hat sich inzwischen als Telekom-Netzwerkausrüster neu erfunden, enttäuschte zuletzt aber mit seiner Bilanz.

Auch an den weiteren europäischen Aktienmärkten haben am Freitag leichte Verluste überwogen. Lediglich der FTSE 100 in London stemmte sich gegen den Abwärtstrend und stieg auf ein neues Allzeithoch. Insgesamt steuern Europas Aktien für 2017 auf den sechsten Jahresgewinn in Folge zu und verzeichnen damit ihre bislang längste Gewinnserie.

An den Anleihemärkten war heute keine einheitliche Tendenz auszumachen. Während sich die Bonds aus der Euro-Kernzone zuletzt meist kaum verändert zeigten, verzeichneten Papiere aus Italien und Spanien leichte Verluste. Die Bonds aus der Euro-Kernzone pendelten um ihre Schlussstände vom Donnerstag. Für kaum Impulse sorgten dabei die Inflationsdaten aus Sachsen, Hessen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg für Dezember, die gegenüber dem Vorjahr zumeist einen etwas schwächeren Anstieg anzeigten. Papiere aus der Euro-Peripherie fielen hingegen zurück, belastet durch die Aussicht auf Neuwahlen in Italien.

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KONTEXT

Risiken für die Aktienmärkte 2018

Aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank

Wegen des kräftigen US-Wachstums könnte die US-Notenbank die Zinsen schneller anheben als gedacht. Analysten rechnen bislang meist damit, dass die Fed den Schlüsselsatz 2018 wie von ihr signalisiert drei Mal anhebt. Eine aggressivere Straffung der Geldpolitik würde die Renditen der Staatsanleihen nach oben treiben, sagt Portfolio-Manager Paul Nolte vom Vermögensverwalter Kingsview. Dadurch würden Bonds zu einer ernstzunehmenden Anlage-Alternative zu Aktien.

Anstieg der Inflation

Als möglichen Auslöser für eine raschere Straffung der Geldpolitik sehen Experten einen kräftigen Anstieg der Inflation. "Dies könnte für die Aktien- und Anleihemärkte zu einem Wendepunkt werden", betonen die Analysten der Bank of America Merrill Lynch. In Europa könnte die anziehende Teuerung die Diskussion um einen raschen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleihe-Ankaufprogramm befeuern.

Wahlen

Die für März erwartete Parlamentswahl in Italien ist für Raphael Chemla, Leiter Finanz- und Hochzinsanleihen beim Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, das größte politische Risiko in Europa. Ein Sieg der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung würde Anleger nervös machen. In den USA werden im Herbst Teile des Kongresses neu gewählt. "Sollten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, im Senat oder in beiden Kammern verlieren, wäre das ein großer Belastungsfaktor für die Märkte", warnt John Praveen, Chef-Anleger des Vermögensberaters Prudential. Denn damit werde es für US-Präsident Donald Trump schwerer, seine Wahlversprechen umzusetzen.

Politische Spannungen

Wiederaufflammende Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sowie im Nahen Osten sind nach Ansicht von Keith Leiner, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SunTrust, ebenfalls große politische Risikofaktoren für die Aktienmärkte. "Außerdem schwingt das Pendel weltweit in Richtung Populismus und Nationalismus."

Überzogene Bewertungen

Viele Firmen erhoffen sich zwar durch die jüngst beschlossenen US-Steuersenkungen zusätzliche Gewinne im kommenden Jahr. Einige Experten bezweifeln jedoch, dass der Anstieg ausreicht, um die bereits hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. Im US-Index S & P 500 liegt das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 18,5. Das bedeutet, dass der Aktienkurs den Gewinn je Aktie um das 18,5-fache übertrifft. Das ist der höchste Wert seit 2002. Im Dax liegt das KGV mit 16,2 ebenfalls über dem langjährigen Mittel von rund 15. Das Risikobarometer der Citigroup signalisiere eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs der Aktienkurse 2018, sagt Tobias Levkovich, Chef-Anlagestratege für die USA bei der Großbank.

Turbulenzen bei Bitcoin und Co.

Die große Unbekannte für die Aktienmärkte ist die Entwicklung des Bitcoin. Der Kurs der Cyber-Devise stieg in den vergangenen Monaten um rund 1500 Prozent. Diese Aufwärtsdynamik könne aber schnell verpuffen, sagt Bob Doll, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Nuveen. Wenn die Preis der ältesten und wichtigsten virtuellen Währung prozentual zweistellig verliere, könnten sich Anleger fragen, ob es ihren Aktien nicht genauso ergehen werde.