Kapitol-Jahrestag: Biden macht Trump verantwortlich

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Der Sturm auf das US-Kapitol erschütterte eine Weltmacht und ließ das Herz der Demokratie verwundet zurück. Joe Biden beschuldigt seinen Vorgänger - und der holt zum Gegenschlag aus.

Washington (dpa) - Ein Jahr nach Erstürmung des Kapitols in Washington hat US-Präsident Joe Biden seinen Vorgänger Donald Trump für den blutigen Angriff auf das Parlament verantwortlich gemacht.

«Zum ersten Mal in unserer Geschichte hat ein Präsident nicht nur eine Wahl verloren, sondern versucht, die friedliche Machtübergabe zu verhindern», sagte Biden am Donnerstag in einer Ansprache zum Jahrestag im Kapitol. «An diesem Gedenktag müssen wir dafür sorgen, dass ein solcher Angriff nie wieder geschieht.»

Trumps Namen nannte Biden nicht. Normalerweise hält er sich - wie andere frühere Präsidenten - mit offener Kritik am Vorgänger zurück. Der US-Demokrat kritisierte, der damalige Amtsinhaber habe den Angriff im Weißen Haus im Fernsehen verfolgt «und nichts getan». Der Republikaner habe «ein Netz an Lügen über die Wahl 2020» gesponnen. Trump stelle seine eigenen Interessen über die der USA. «Sein angeschlagenes Ego ist ihm wichtiger als unsere Demokratie oder unsere Verfassung. Er kann sich nicht damit abfinden, dass er verloren hat.»

Trumps pfeffert zurück

Diese Worte lässt Trump nicht auf sich sitzen: Biden zerstöre mit seiner Politik die Vereinigten Staaten, schrieb Trump in einer Mitteilung, die seine Sprecherin Liz Harrington auf Twitter verbreitete. Am ersten Jahrestag des Angriffs habe Biden den Namen Trump benutzt «in dem Versuch, das Land weiter zu spalten». «Dieses politische Theater soll allein von der Tatsache ablenken, dass Biden völlig und total versagt hat.»

Die USA hätten keine Grenzen mehr, die Corona-Pandemie sei außer Kontrolle, Amerika sei nicht mehr energieunabhängig, die Inflation sei ungezügelt, das Militär stecke im Chaos, und der US-Abzug aus Afghanistan sei «vielleicht der peinlichste Tag» in der langen Geschichte der USA gewesen, so Trump. Erneut behauptete der republikanische Ex-Präsident ohne jegliche Grundlage, durch Betrug um den Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2020 gebracht worden zu sein.

Die «Big Lie» Trumps

Anhänger Trumps hatten vor einem Jahr das Kapitol erstürmt, um zu verhindern, dass Bidens Wahlsieg vom November 2020 bestätigt wird. Bei dem Angriff kamen fünf Menschen ums Leben. Die Attacke auf das Herz der US-Demokratie erschütterte das Land. Trump hatte seine Anhänger in einer Ansprache angestachelt. Er erkennt seine Niederlage auch fast ein Jahr nach dem Machtwechsel nicht an und behauptet weiterhin, durch Betrug um den Sieg gebracht worden zu sein. Beweise dafür hat er nicht. Dutzende Klagen scheiterten vor Gericht.

Biden nannte Trumps Betrugsbehauptungen am Donnerstag eine «Big Lie» - eine «große Lüge». Über seinen Vorgänger sagte er: «Er ist nicht nur ein früherer Präsident. Er ist ein besiegter früherer Präsident.» Trump sei in einer freien und fairen Wahl unterlegen. An die Adresse von Wählern sagte Biden: «Der ehemalige Präsident und seine Unterstützer haben beschlossen, dass der einzige Weg, um zu gewinnen, darin besteht, Ihre Stimme zu unterdrücken und unsere Wahlen zu untergraben.» Das sei «unamerikanisch».

Video: Joe Biden: So viele US-Bürger glauben an Wahlbetrug

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