Jahresrückblick: Was Anleger aus 2017 für 2018 lernen können

Jürgen Zefferer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Das Jahr 2017 ist – vermutlich schneller als den meisten von uns lieb ist – verflogen. Zeit für einen Jahresrückblick in dem wir uns auf drei wichtige Punkte konzentrieren, welche jeder Investor berücksichtigen sollte, um an der Börse erfolgreich zu sein.

„Aus der historischen Entwicklung kann nicht auf die zukünftige Wertentwicklung geschlossen werden“ – eine Klausel, die wohl vielen Anlegern in dieser oder ähnlicher Form schon mal beim Durchlesen von AGBs zu Finanzprodukten untergekommen ist. Dieser Hinweis hat durchaus seine Berechtigung, immerhin wird an der Börse die Zukunft gehandelt und nicht die Vergangenheit.

Wenn man jedoch von der Wertentwicklung einzelner Aktiencharts absieht und sich auf das große Ganze konzentriert, gibt es durchaus ein paar Dinge, die sich mit fast schon an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer wiederholen und die wir auch 2017 beobachten konnten.

Politische Börsen haben kurze Beine

Die Amtseinführung von Donald Trump, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich und die Drohgebärden zwischen USA und Nordkorea. Auch vergangenes Jahr gab es wieder vielbeachtete politische Geschehnisse, die teils für Schwankungen an den Börsen sorgten.

Aufs Jahr gesehen waren die Auswirkungen jedoch relativ unbedeutend. Die Menschen werden sich weiterhin ein neues Samsung (WKN:881823)-Smartphone kaufen, über HolidayCheck (WKN:549532) ihren Urlaub buchen oder zu BP (WKN:850517) tanken fahren, und damit den Unternehmen Gewinne bescheren, egal wie der neue Präsident von Frankreich heißt.

Die politischen Ereignisse werden von den Medien oft künstlich aufgebauscht, in Wirklichkeit sind sie selten ein Grund für Investoren ihre Anlagestrategie zu ändern.

Prognosen aus der Glaskugel

Von Jahr zu Jahr teilen sogenannte Finanzprofis, Experten oder Insider ihre Meinungen über die Entwicklung von Aktienindizes, Edelmetallpreisen und mehr. Jedes Jahr zeigt sich: Der Großteil von ihnen lag falsch. Das werfen einer Münze hätte vermutlich eine bessere Trefferchance gehabt und man wird das Gefühl nicht los, dass die meisten „Finanzprofis“ sich nicht äußern weil sie glauben, die Zukunft zu kennen, sondern einfach weil Anleger ihre Meinung unbedingt hören wollen.

Anfang 2017 war hauptsächlich von negativen Prognosen geprägt, welche Aufgrund der hohen Aktienbewertungen, den nachlassenden Gelddruckrunden der FED und einem Ende des euphorischen „Trump-Effekts“ eine deutliche Korrektur vorhersagten.

Es gab jedoch auch positive Einschätzungen, die weiter steigende Kurse prognostizierten. Bis zur Vorhersage eines DAX-Standes von 15.000 Punkten war so ziemlich alles dabei, ganz nach Geschmack des Lesers.

Die große Gefahr, die dabei besteht, ist, dass wir der sogenannten Confirmation Bias erliegen: Menschen neigen dazu, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass diese den eigenen Erwartungen entsprechen. Der Investor, der an einen Börsencrash glaubt, googelt nach „Börsencrash“ und findet dazu natürlich jede Menge Expertenmeinungen, die ihn in seiner Meinung bestätigen. Genauso geht es dem Investor, der nach „DAX 15.000 Punkte“ googelt, auch er wird in seiner Meinung bestätigt.

Der Popcorn-Effekt: Nvidia und Blockchain

Die Mikrowelle startet, lange Zeit passiert nichts, nach etwa 90 Sekunden sind die ersten unregelmäßigen Geräusche zu hören und plötzlich geht es ganz schnell: Innerhalb von Sekunden erhöht sich die Anzahl der geplatzten Maiskörner fast exponentiell.

So oder so ähnlich verläuft es oft beim Investieren, wie wir 2017 bei NVIDIA (WKN:918422) und diversen Blockchain-Investments sehen konnten. Es gibt da eine Technologie, die zwar bekannt ist, aber sich noch nicht richtig durchsetzen konnte, und von Investoren dementsprechend wenig beachtet wird. Nach Jahren des Seitwärtstrends schafft die Technologie den Durchbruch und alle Investoren stürzen sich darauf, was den Kurs in wenigen Monaten vervielfacht.

Innovationen und das Investieren verlaufen nicht linear. Manchmal passiert lange Zeit nichts und dann kann es ganz schnell gehen. Wer schon immer ungeduldig nach einer Minute die Mikrowelle ausschaltet, wird niemals in den Genuss knuspriger Popcorn kommen.

Fazit: Konzentriere dich auf gute Unternehmen

Der Hype um die Auswirkungen von Wahlausgängen auf die Börse und die in großen Massen eintreffenden Prognosen aus der Glaskugel bringen einen oft nur aus dem Konzept ohne zu helfen. Vielleicht solltest du versuchen, diese Störgeräusche für 2018 noch mehr auszublenden und dich auf das Wesentliche konzentrieren: Die Analyse und den Kauf von guten Unternehmen, die dein Portfolio langfristig bereichern.

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Jürgen Zefferer besitzt Aktien der HolidayCheck Group. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nvidia. The Motley Fool empfiehlt HolidayCheck.

Motley Fool Deutschland 2018