Jahresend-Rallye: "Jährlich grüßt das Murmeltier"

Jochen Kauper
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Jahresend-Rallye: "Jährlich grüßt das Murmeltier"

Wann setzt die Jahresend-Rallye ein und wie lange könnte sie dauern? Ist sie fundamental überhaupt gerechtfertigt? Was sagt das Sentiment dazu? Fragen über Fragen, jedes Jahr. "Aber leider gibt es nicht jedes Jahr auch dieselben Antworten. Auch das Jahr 2017 gleicht in keinster Weise dem Vorjahr. 2016 warnten viele vor der US-Wahl vor den negativen Auswirkungen eines möglichen Präsidenten Donald Trump. Zumindest für die Aktienkurse kam alles anders. Die Hausse dauert bis heute schier unaufhaltsam an. Es kam wie so oft anders, als man es dachte. So war und ist auch heuer analytische Weitsicht gefragt. „Normalerweise“ beginnt der Endspurt (Jahresend-Rally) immer im Ende November. In 77 Prozent der Fälle geht es hier um einen ziemlich eng gesteckten Zeitraum. Sie ist statistisch lediglich an den letzten fünf Handelstagen im Dezember und an den ersten beiden Handelstagen im Januar zu beobachten. Aber so „einfach“ ist es leider doch nicht. Streng genommen läuft die heurige sogar schon seit Anfang September. Der erfolgreiche charttechnische Test der 200-Tage-Linie sowie eine trendbestätigende Flaggenformation trugen den DAX 30 binnen weniger Wochen über die 13.000 Punkte auf ein neues Allzeit-Hoch", sagt Martin Utschneider, Abteilungsdirektor Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel.

Timing und technische Analyse immer wichtiger

Wie weit könnte die Jahresend-Rallye gehen? "Diese Frage kam auch bei 8.000, 10.000, 11.000 oder 13.000 Punkten. Fundamental betrachtet spricht sogar einiges für noch weiter steigende Aktienkurse. So zeigt das globale Wirtschaftswachstum solide Anstiege. Die Inflation dürfte sich damit weiter stabil nach oben bewegen. Allerdings ohne große Sprünge. Die Zinsen steigen auch weiterhin nur moderat und Investitionen werden aufgrund dieser Konstellation zunehmen. Neben der soliden fundamentalen Basis werden Aktien weiterhin durch die Notenbankpolitik unterstützt. Die Europäische Zentralbank wird ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 auf 30 von derzeit 60 Milliarden Euro herunterfahren. Die Käufe sollen zunächst aber bis September 2018 fortgesetzt werden. Zugleich hält sich die EZB die Möglichkeit einer Verlängerung beziehungsweise Ausweitung der Käufe offen. So weit so gut. Was aber sagt dazu die Markt- und Charttechnik? Geht sie einher mit der fundamentalen Betrachtungsweise oder wirft sie andere Erkenntnisse ab? Wie oft ist Einklang der Fall. Auch die Charttechnik weist im DAX 30 auf eine nachhaltige Trendfolge hin. Diese hat nun bereits seit März 2009 Bestand und überstand einige Stürme am Kapitalmarkt. So hielt der Aufwärtsmodus beispielsweise Ereignissen wie Fukushima, China“krise“, Ölpreisschock sowie Brexit stand. Nicht zuletzt auch dem drohenden aber nicht eingetretenen politischen Rechtsruck in Europa. Was war passiert? Gar nichts. Der Aufwärtstrend blieb intakt. Er testete zwar wiederholt markante und immens wichtige Unterstützungen, aber er unterschritt diese nicht. Wenn, dann nur sehr marginal oder kurzfristig. Diese standhafte Trendfolge lässt nun auch „oben“ bei über 13.000 auf weiter anziehende DAX-Kurse hoffen. Aber natürlich auch die Gefahr einer möglichen markttechnischen Überhitzung. Timing und technische Analyse werden daher immer wichtiger. Angesichts der aktuell historischen Höchstniveaus sowie zeitgleich extrem niedriger Volatilitäten könnte aktives Risikomanagement in den kommenden Jahren mehr denn je zum Erfolgsfaktor werden" sagt Martin Utschneider.