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Das Jahr 2022 in Europa: Sonderausgabe State of the Union

Das Beste an 2022 ist ja wohl, dass das Jahr zu Ende geht.

Lassen sie uns 2023 also hoffnungs- und erwartungsvoll begrüßen.

Auch wenn, wie ein berühmter Philosoph es einmal auf den Punkt brachte, Vorhersagen schwer zu machen sind, insbesondere was die Zukunft betrifft.

Aber man muss kein Philosoph und kein Hellseher sein, um im Krieg in der Ukraine mehr Kampfhandlungen und mehr menschliches Leid vorherzusehen. Für die europäische Wirtschaft und Energieversorgung wird das weiter Folgen haben.

Welche genau, ist freilich schwieriger zu sagen.

Der Wirtschaftskommissar der EU, Paolo Gentiloni, ist bekannt dafür, die Dinge beim Namen zu nennen. Aber als er jüngst gegenüber Euronews über seine Wachstumserwartungen sprach war er sehr vorsichtig. Einen Hauch von Optimismus bewahrte er sich allerdings schon:

“Wenn uns nicht gelingt, den Krieg zu einem Ende zu bringen, könnten die Risiken für die Energieversorgung im nächsten Winter, also nicht diesem sondern dem nächsten, größer sein als sie es jetzt sind. 2023 bietet also ein gemischtes Bild. In der zweiten Jahreshälfte könnten wie eine bessere Lage haben als jetzt.”

Wenn eine Institution als von Natur aus optimistisch gelten kann, dann ist es wohl die Europäische Weltraumagentur ESA.

Die Erforschung des Alls zum Nutzen kommender Generationen ist Optimismus pur.

Vor ein paar Wochen hat die ESA einen Rekordhaushalt für die nächsten drei Jahre vorgestellt, fast 17 Milliarden Euro stark, der vor Zuversicht und Tatendrang nur so strotzt.

Die ESA gab auch bekannt, fünf neue AstronautInnen angestellt zu haben, ausgesucht aus über 22.000 BewerberInnen. Unter den neuen Raumfahrern sind auch zwei Frauen.

Eine von ihnen ist die Französin Sophie Adenot, die nach der Präsentation der neuen AstronautInnen bemerkte:

“Ich bin, glaube ich, mit der Seele einer Entdeckerin geboren, ich will immer etwas mehr darüber erfahren, was vor sich geht. Und dann mit einem frischen Blick auf die Dinge zu den KollegInnen zurückzukommen. Also, ja, Neugier und Mut ins All vorzustoßen, machen mich aus, und lassen mich träumen.”

Inspirierende Worte für jedes Mädchen, das nach den Sternen greifen möchte.

Auch in Brüssel gibt es junge Menschen, junge PolitikerInnen, die inspirieren, weil sie an der Verbesserung der Lebensbedingungen und für eine bessere Zukunft kämpfen.

Ich sprach mit Kira Mare Peter-Hansen aus Dänemark. Sie wurde 1998 geboren und ist die jüngste Politikerin, die je ins Europäische Parlament gewählt wurde.

Euronews: Lassen sie mich mit einer persönlichen Frage beginnen: was war ihre Erfahrung als Parlamentsneuling, neben all den Veteranen und erfahrenen Akteuren?

Kira Marie Peter-Hansen: Ja, das war schon was Neues. Ich bin ja von der Uni gekommen, und war gewöhnt an das Umfeld dort, und das EU-Umfeld ist schon etwas Anderes. Aber es es war auch toll, und meine KollegInnen haben mich sehr herzlich aufgenommen. Glücklicherweise können auch junge PolitikerInnen einen Unterschied machen.

Euronews: Ob man's glaubt oder nicht, 2022 war ja das “Europäische Jahr der Jugend”. Wie regt man junge Leute dazu an, in die Politik zu gehen, oder sich in der Zivilgesellschaft zu engagieren?

KMPH: Ich versuche mit so vielen jungen Menschen wie möglich zu reden, insbesondere in den Ländern Ost- und Mitteleuropas. Das ist mir wichtig, weil es dort, aber auch in Nordeuropa, immer mehr junge PolitikerInnen gibt. In manchen europäischen Ländern ist das dagegen fast nicht der Fall, und da kommt es mir darauf an, zu zeigen, dass das möglich ist, wie ich in die Politik kam, und wie andere junge Menschen dort aktiv sind.

Euronews: Das Neue Jahr wird uns ja wohl vor vielerlei Herausforderungen stellen, was ist für sie die größte Aufgabe?

KMPH: Die größte Aufgabe ist ohne Zweifel, unsere grünen Ziele zu ereichen. Und das ist jetzt, durch den russischen Krieg und die Energiekrise schwieriger denn je. Die Krisen lassen uns also nicht los. Dennoch müssen wir nachhaltige Lösungen finden.

Euronews: Sie und ihre Generation sind natürlich die Zukunft der europäischen Politik. Gibt es etwas, das sie ändern möchten, was die Volksvertretung in Brüssel angeht?

KMPH: Politisch wünsche ich mir natürlich ein grüneres Parlament. Aber auch was die Strukturen angeht, so sind die für Außenstehende oft schwer zu verstehen, oder gar zu beeinflussen. Und selbst von drinnen ist es nicht leicht, den richtigen Weg zu finden, um seine Ideen zu verwirklichen. Meine Änderungswünsche betreffen also unbedingt mehr Transparenz und klarere Prozesse.

Angesichts von Abgeordneten wie Kira Marie Peter-Hansen, darf man schon ein bissschen optimistisch nach 2023 schauen, zumindest in der Europäischen Union.

Apropos Union, was mach eigentlich Großbritannien dieser Tage?

Knapp vier Jahre nach dem Brexit steht das Vereinigte Königreich als das Land mit der niedrigsten Wachstumsrate innerhalb der G7 da, laut OECD.

Und viel Hoffnung am Horizont scheint es auch nicht zu geben.

Obwohl: eine Branche erfreut sich eines – klimawandelbedingten – Aufschwungs: der Weinbau.

In den kommenden 20 Jahren könnten steigende Temperaturen dafür sorgen, dass Trauben, die man sonst nur in südlicheren Gefilden sieht, auf der Insel gut kultiviert werden können, sagen die Experten.

Dieselben Experten finden das allerdings nicht unbedingt begrüßenswert, denn der Preis den die Umwelt für Pinot Noir, Merlot und Cabernet Sauvignon aus England zahlen müsste, ist hoch.

Die gegenwärtige Tendenz im Klimawandel zu ändern bleibt vorrangig, für 2023 und darüber hinaus.