Ein Jahr danach - OEZ-Amoklauf: Die Nacht des Schreckens

Nina Job, Anja Perkuhn

Narben, die bleiben: So erging es München und den Menschen beim Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum vor einem Jahr. Schock, Panik, Angst vor der Angst: Protokolle vom 22. Juli 2016 – und den 365 Tagen danach.

"Wir sind einfach alle gerannt": An dem Tag, an dem David Ali S. grundlos neun Leben beendet, legen sich Furcht und Verzweiflung über die Herzen der Menschen. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer.

Es sind Stunden voller Angst und Verunsicherung. Stunden, die Tod und Verzweiflung bringen. Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht später von einer "Nacht des Schreckens". Am 22. Juli 2016 werden am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) acht arglose junge Menschen und eine Mutter erschossen, vier weitere durch Schüsse verletzt. Sie waren beim Einkaufsbummel oder hatten sich mit Freunden getroffen.

Am 22. Juli 2016 glauben die Menschen, dass der Terror München erreicht hat – auch noch viele Stunden, nachdem sich Amokläufer Ali David S., ein 18-jähriger deutsch-iranischer Schüler voller Rache- und Hassgedanken, selbst getötet hat. Fragmente aus einer Nacht, in der Chaos und Panik herrschten.

Die AZ-Serie zum Amoklauf am OEZ - ein Jahr danach.

Um 17.52 Uhr taucht die erste Twitter-Nachricht auf, die von Schüssen am OEZ berichtet. Bei der Polizei gehen die ersten Notrufe ein.

"Weg! Weg! Nur weg hier!", jagt es durch den Kopf von Verkäuferin Marion P. (53). Schüsse peitschen durchs OEZ, sie hört panische Schreie. Die Münchnerin ist plötzlich ganz allein im Geschäft. Erst etwa einen Kilometer entfernt, am Georg-Brauchle-Ring, hört sie auf zu rennen – und bricht in Tränen aus. Sie ist davongekommen.

"Aufgrund von Zeugenaussagen musste in der Anfangsphase von bis zu drei verschiedenen Personen mit Schusswaffen ausgegangen werden", sagt Polizeipräsident Hubertus Andrä als alles vorbei ist.

Stunden später erst stellt sich heraus, dass die zwei vermeintlichen Terroristen mit Langwaffen, die mit hohem Tempo vom OEZ wegfuhren, Polizisten in Zivil waren.

Als die ersten Rettungskräfte am Tatort eintreffen, erfasst sie blankes Entsetzen. Vorwiegend junge Menschen liegen blutend auf der Straße.

Ein Rettungssanitäter beugt sich über einen Schwerverletzten. Der 19-Jährige sagt: "Ich will nicht sterben. Aber ich sterbe jetzt."

Er behält recht.

"Es ist lange her, dass unsere Stadt mit Hass und Gewalt in diesem Ausmaß konfrontiert wurde", sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter bei der Trauerfeier im Landtag. Er denkt dabei auch an das Olympia-Massaker 1972 und das Oktoberfest-Attentat 1980.

Neun weiße Kerzen werden vier Tage später bei dem ökumenischen Trauergottesdienst in der Frauenkirche angezündet. Für jedes Todesopfer eine.
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