Jürgen Todenhöfer in Nordkorea: Neun Tage im kommunistischen Disneyland

Der Publizist und Buchautor spricht im Interview über seine Reise.

Herr Todenhöfer, warum sind Sie für neun Tage nach Nordkorea gereist?

Schon in meiner Zeit als CDU-Abgeordneter habe ich Südkorea und die Grenze zum Norden besucht. Der Konflikt ist mir vertraut. Wie explosiv er sich entwickeln würde, war mir allerdings nicht klar, als ich vor einem Jahr begann, mich um eine Einreise zu bemühen.

Was muss man tun, um eine Einreisegenehmigung zu bekommen?

Ich wurde mehrfach ausführlich vom nordkoreanischen Botschafter „einvernommen“. Ein kompetenter Mann. Schließlich bekamen mein Sohn Frederic und unser Fotograf Ali Nouraldin die Genehmigung. Aber noch nie bin ich bei Recherchen so behindert worden. Ich habe allerdings auch politische Gespräche geführt. Etwa mit dem Vize-Außenminister, der für die Beziehungen zu den USA zuständig ist. Das waren überraschend offene Gespräche. Aber das Land selbst ist für Westler nicht offen.

Die Beschränkungen können Sie nicht überrascht haben. Was suchten Sie in Nord-Korea?

Ich wollte mehr erfahren über dieses geheimnisvolle Land. Ich wollte wissen: Wie steht das Volk zu seiner Führung? Und natürlich bin ich stets auf der Suche nach einer Lösung.

Haben Sie trotz der Behinderungen eine Antwort gefunden?

Teilweise. Aber ich habe auch erlebt, wie sich das System inszeniert. Ein Beispiel: Vormittags wurde im Fernsehen eine wichtige Nachricht für den Nachmittag angekündigt. Kontinuierlich baute sich Spannung auf. Der Saal in unserem Hotel füllte sich. Dann wurde pathetisch verkündet, dass Nordkorea erfolgreich eine Interkontinental-Rakete getestet habe. Auf dem Bildschirm tanzten die Generäle wie kleine Jungen jubelnd um ihren „Obersten Führer“ herum. Bei uns im Saal aber tanzte keiner. Ich sah nur nachdenkliche Gesichter.

Wie haben Sie das Leben in Nordkorea erlebt?

Man hat mich nur sehen lassen, was ich sehen sollte. Es gab schon Ärger, wenn ich in eine Nebenstraße wollte, wo die Menschen statt Haustüren nur Vorhänge hatten. Alles ist verboten, was nicht ausnahmsweise erlaubt ist. Unsere sehr freundlichen Begleiter mussten tagelang Anträge stellen, damit wir eine Fußballschule, eine Uni-Vorlesung oder eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), eine Markthalle oder einen Professor in seiner Wohnung besuchen durften.

Man muss einen Antrag stellen, wenn man jemanden kennenlernen möchte?

So ähnlich. Alles muss irgendwo genehmigt werden....Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung