Jürgen Fitschen soll Vonovia-Aufsichtsrat leiten

Jürgen Fitschen soll den Aufsichtsrat des Dax-Konzerns Vonovia leiten. Die bisherige Deutschland-Chefin der Credit Suisse rückt in den Vorstand auf.


Der frühere Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen hat eine neue Aufgabe gefunden. Wie der Immobilienkonzern Vonovia am Montag mitteilte, habe der Aufsichtsrat des Dax-Unternehmens einstimmig beschlossen, den 69-Jährigen als neues Mitglied des Aufsichtsrats vorzuschlagen. Direkt im Anschluss an die Wahl am 9. Mai solle er vom Aufsichtsrat zum Vorsitzenden gewählt werden.

Der bisherige Aufsichtsratschef Edgar Ernst, der den kürzlich zurückgetretenen Wulf Bernotat ersetzt hatte, wird sein Amt aufgeben. Er wolle auf der Hauptversammlung am 9. Mai aber als normales Mitglied für den Aufsichtsrat kandidieren, erklärte Vonovia. Ernst zeigte sich erfreut darüber, Fitschen für das Amt gewonnen zu haben: „Er verfügt über weit reichende internationale Erfahrung, herausragende Managementfähigkeiten und ein exzellentes Verständnis für politische Zusammenhänge.“ Darüber hinaus bringe er ein tiefgreifendes Verständnis dafür mit, dass Wohnen ein Grundbedürfnis für die Menschen sei.

Fitschen kam 1987 zur Deutschen Bank und leitete gemeinsam mit Anshu Jain von Juni 2012 bis Mai 2016 Deutschlands größtes Geldhaus. Mittlerweile ist er Senior Advisor der Bank, ist Aufsichtsratsvorsitzender des Handelsunternehmens Ceconomy und sitzt im Verwaltungsrat von Kühne & Nagel in der Schweiz.

Damit ist das Personalkarussell bei Deutschlands größtem Wohnungskonzern aber noch nicht beendet. Zusätzlich bekommt Vonovia einen neuen Finanzvorstand. Stefan Kirsten habe sich nach mehr als sieben Jahren im Vorstand entschieden, am 9. Mai seinen Hut zu nehmen, teilte der Bochumer Konzern weiter mit. Seine Nachfolge tritt Helene von Roeder an. Die bisherige Deutschland-Chefin der Schweizer Großbank Credit Suisse wechselt Mitte des Jahres zu dem Wohnungskonzern. Ursprünglich sollte sie nur das Controlling von Gerald Klinck übernehmen, der seinen Abschied bereits 2017 angekündigt hatte. Nun übernimmt die 47-Jährige die beiden jetzigen Vorstandsbereiche Controlling und Finanzierung, die unter ihrer Leitung zusammengeführt werden.


Ende des Jahres 2017 zeichnete das Magazin „Finance“ den bisherigen Amtsinhaber Stefan Kirsten als Finanzvorstand des Jahres aus. Eine Auszeichnung die man auch als Auszeichnung für sein bisheriges Lebenswerk verstehen könnte. Denn er strukturierte nicht nur sehr clever die Finanzen der heutigen Vonovia, sondern war sehr maßgeblich daran beteiligt, dass die Vorläufergesellschaft Deutsche Annington mit ihren hohen Schulden nach der Finanzkrise von 2008 nicht in einer Pleite versank.

Mit der Refinanzierung der größten Immobilienverbriefung Europas, der sogenannten „Grand-Verbriefung“ über 5,8 Milliarden Euro, machte er überhaupt erst den Weg für den Börsengang der damals noch als Deutsche Annington firmierenden Vonovia im Jahr 2013 frei. Gleichzeitig sicherte er den Anteilsinhabern von Fonds der Private-Equity-Gesellschaft Terra Firma einen erfolgreichen Ausstieg aus der Annington. Später galt es, die Gagfah in die Vonovia zu integrieren, die der Insolvenz ebenso knapp entronnen war wie die Annington. Kritik von außen erhielt Kirsten während des Versuchs der Vonovia, die Deutsche Wohnen zu übernehmen. Ihm wurde damals eine Absenkung der Mindestannahmeschwelle für die Übernahme von 50 auf 44 Prozent zugeschrieben. Belegt ist das nicht – der Versuch scheiterte.

Stefan Kirsten, der zuvor Chief Financial Officer (CFO) bei ThyssenKrupp und Metro gewesen ist, werden seit vielen Jahren höhere Ambitionen als die eines CFO nachgesagt. Er soll sich bei ThyssenKrupp Hoffnungen auf den Chefposten gemacht haben.

Der Aufsichtsrat der Vonovia betont, das Kirsten die Berufung seiner Nachfolgerin Helene von Roeder in den Vorstand von Anfang an unterstützt habe. Die 47-Jährige wurde im Januar in den Vonovia-Vorstand berufen. In der Immobilienbranche ist die studierte Astrophysikerin ein unbeschriebenes Blatt. Ihre Karriere in der Finanzbranche startete sie Mitte der 1990er-Jahre: Sie arbeitete bei der Deutschen Bank in London und später bei UBS und Morgan Stanley. Bei der US-Bank war sie für das Kapitalmarktgeschäft verantwortlich.

Ihr Wechsel von der Credit Suisse zum Bochumer Immobilienunternehmen wurde in Finanzkreisen mit zwei Faktoren erklärt: Der Job in einem Dax-30-Konzern habe sie gereizt, heißt es. Außerdem sei es in zunehmendem Maße schwierig, die Credit Suisse in Deutschland weiter voranzubringen. Und der Hauptteil der schwierigen Umbauarbeit bei der Schweizer Großbank sei vorerst erledigt.