IWF senkt Wachstumsprognose wegen "Erdbebenwellen" des Ukraine-Kriegs deutlich

·Lesedauer: 3 Min.
Frühjahrestagungen von IWF und Weltbank (AFP/Daniel SLIM) (Daniel SLIM)

Wegen des Ukraine-Kriegs hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft deutlich gesenkt - und die Auswirkungen des Konflikts mit "Erdbebenwellen" verglichen. Der IWF rechnet in seinem am Dienstag in Washington veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick mit einem globalen Wachstum von nur noch 3,6 Prozent in diesem Jahr. Das sind 0,8 Punkte weniger als bei der vorherigen Prognose vom Januar.

"Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges breiten sich weit und breit aus - wie Erdbebenwellen, die vom Epizentrum eines Erdbebens ausgehen", erklärte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas. "Die Krise entfaltet sich, während die Weltwirtschaft sich auf dem Weg der Erholung befand, aber noch nicht vollständig von der Covid-19-Pandemie erholt hatte."

Besonders verheerend sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges für die Ukraine, aber auch Russlands Wirtschaft ist massiv betroffen. Die ukrainische Wirtschaft dürfte der Prognose zufolge in diesem Jahr um 35 Prozent schrumpfen. Das Bruttoinlandsprodukt des von harten westlichen Sanktionen getroffenen Russlands dürfte um 8,5 Prozent zurückgehen.

Der Krieg trifft aber auch führende Industrienationen. Für Deutschland erwartet der IWF in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 2,1 Prozent, das sind 1,7 Prozentpunkte weniger als bei der vorangegangenen Prognose. Für den gesamten Euroraum senkte der IWF seine Prognose um 1,1 Punkte auf 2,8 Prozent, für die USA um 0,3 Punkte auf 3,7 Prozent.

Der IWF rechnet wegen des Ukraine-Kriegs, der die Preise unter anderem für Erdöl und Lebensmittel in die Höhe treibt, auch mit einer höheren und länger andauernden Inflation. Der Anstieg der Verbraucherpreise dürfte in diesem Jahr in den Industrienationen 5,7 Prozent erreichen und in den Entwicklungs- und Schwellenländern 8,7 Prozent.

Die internationale Finanzinstitution mit Sitz in Washington warnte, die Lage könnte sich noch weiter verschlechtern, wenn der Krieg sich in die Länge ziehe und der Westen seine Sanktionen gegen Moskau weiter verschärfe. Außerdem sorgt die Corona-Pandemie nach wie vor für große Probleme für die Weltwirtschaft. So könnten Lockdowns in China zu "neuen Engpässen in den weltweiten Lieferketten" führen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bezeichnete die neuen Prognosen als "weiteres Warnsignal, dass es ökonomisch kein einfaches Weiter so gibt". Weniger Wachstum in Verbindung mit steigender Inflation sei "eine gefährliche Kombination". International müsse es nun darum gehen, eine "drohende Stagflation" zu verhindern - einen Stillstand des Wirtschaftswachstums bei gleichzeitiger Inflation, mahnte Lindner.

Der IWF-Weltwirtschaftsausblick wurde am Rande der laufenden Frühjahrestagungen von IWF und Weltbank in Washington veröffentlicht. Diese stehen in diesem Jahr im Zeichen des Ukraine-Kriegs. Am Mittwoch werden im Rahmen der Tagungen die Finanzminister der G20-Staaten beraten.

Für Debatten sorgt dabei und mit Blick auf andere Treffen die Frage des Umgangs mit Russland, einem Mitglied der G20-Gruppe. In Berliner Regierungskreisen wurde am Dienstag betont, Vertreter der Bundesregierung würden auch an Gesprächen teilnehmen, wenn Russland dort Präsenz zeigt. "Wir sind klar der Auffassung, dass wir die wichtige multilaterale Arbeit nicht direkt oder indirekt uns von Russland sabotieren lassen."

Bei und nach den Treffen werde Deutschland "sicherlich starke Botschaften senden, und das nicht alleine tun, und Russland keine Bühne für die Verteidigung seiner völkerrechtswidrigen Invasion bieten", hieß es in den Regierungskreisen weiter. US-Finanzministerin Janet Yellen hatte zuvor angekündigt, G20-Sitzungen zu boykottieren, wenn dort russische Vertreter präsent sein sollten.

fs/bfi

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.