Italiens Zentralbankchef Visco darf weitermachen

In Italiens bleibt Ignazio Visco trotz Kritik an seiner Amtsführung weitere sechs Jahre an der Spitze der Zentralbank

In Italiens bleibt Ignazio Visco trotz Kritik an seiner Amtsführung weitere sechs Jahre an der Spitze der Zentralbank. Das Kabinett billigte am Freitag die zweite Amtszeit Viscos, wie aus Regierungskreisen in Rom verlautete. Mehrere Parteien, darunter die populistische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsgerichtete Lega Nord hatten sich gegen Visco ausgesprochen. Sie warfen ihm mangelnde Aufsicht über das Bankensystem des Landes vor.

Der 67-jährige Visco war 2011 für seine erste Amtszeit vom damaligen rechtskonservativen Regierungschef Silvio Berlusconi nominiert worden - nun sprach sich Regierungschef Paolo Gentiloni von der Mitte-Links-Partei PD für Visco aus. Der Präsident muss die Kabinettsentscheidung noch absegnen.

Das italienische Bankensystem gilt als problematisch - mit rund 700 Instituten ist es stark fragmentiert, zudem schultern die Banken rund 300 Milliarden Euro an faulen Krediten und haben vielfach zu wenig Eigenkapital. Der Staat musste mehreren Instituten zu Hilfe kommen.

Selbst Gentilonis Vorgänger Matteo Renzi, ebenfalls von der PD, kritisierte Zentralbankchef Visco scharf. Die Notenbank habe nicht so funktioniert wie sie sollte, erklärte er kürzlich. "Das waren sechs Katastrophenjahre." Er hoffe, dass die nächsten sechs Jahre besser würden, "schlechter wird schwierig". Zugleich versicherte Renzi, er respektiere die Entscheidung seines Parteifreundes. Matteo Salvini, Vorsitzender der Lega Nord, sagte, Visco sei gescheitert - er sei für die Kontrolle der Banken bezahlt worden und habe das nicht getan.

Dutzende Wirtschaftswissenschaftler des Landes sprachen sich in einem Aufruf in der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" für die Unabhängigkeit der Zentralbank aus - die Nominierung des Chefs dürfe nicht von der Politik "beschmutzt" werden. Die Zeitung "Corriere della Sera" schrieb, die Notenbank sei bei Visco in "integren Händen". Das sei nicht wenig.