Italiens Wirtschaftsminister Giovanni Tria beruhigt die Anleger


Italiens Wirtschaftsminister Giovanni Tria hat mit einem Interview die Nerven der Anleger in Italien beruhigt. Gegenüber der „Corriera della Sella“ hatte Tria erklärt, dass die neue italienische Regierung die Schulden senken und nicht aus dem Euro aussteigen wolle.

Der Leitindex der Börse in Mailand kletterte an diesem Montag daraufhin um 2,5 Prozent auf 21.883 Punkte. Gefragt waren vor allem Banken wie Unicredit, Banco BPM und Intesa Sanpaolo. Der italienische Bankenindex legte um 4,1 Prozent zu.

Auch am Anleihemarkt herrschte Erleichterung. Anleger griffen bei italienischen Staatsanleihen zu, die Renditen schwächten sich daraufhin ab. Die zehnjährigen Titel rentierten bei 2,88 Prozent nach 3,13 Prozent am Freitag, die zweijährigen bei 1,19 nach 1,68 Prozent.


Am Sonntag hatte Wirtschaftsminister Giovanni Tria in dem Interview gesagt, dass die Koalition aus der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega-Nord das Wachstum erhöhen wolle, ohne dabei die Schulden ansteigen zu lassen. „Unser Ziel ist es, Wachstum und Beschäftigung zu steigern. Aber wir wollen das Wachstum nicht durch schuldenfinanzierte Ausgaben in die Höhe treiben“, sagte Tria in seinem ersten Interview nach Amtsantritt.

Tria versicherte, die immensen Staatsschulden weiter abzubauen und das Staatsdefizit weiter eindämmen zu wollen – allerdings nicht durch Einsparungen. Die italienische Regierung will stattdessen das Wirtschaftswachstum ankurbeln. „Wir haben ein Programm, das auf Strukturreformen basiert“, die wiederum bessere Konditionen für Investitionen und Beschäftigung schaffen sollen, sagte Tria.

Außerdem stellte der Wirtschaftsprofessor klar, dass eine Abkehr vom Euro keine Option sei. „Die Haltung der Regierung ist klar und untereinander abgestimmt. Ein Ausstieg aus dem Euro steht nicht zur Debatte.“

Als Wirtschaftsminister sei es seine Pflicht, dafür zu sorgen, dass Italiens Zugehörigkeit zum Euro nicht in Frage gestellt wird. „Die Regierung ist entschlossen, auf alle Fälle zu verhindern, dass am Markt Bedingungen entstehen, die zu einem Austritt führen würden.“


Während der chaotischen Regierungsverhandlungen zwischen Fünf-Sterne-Bewegung und Lega waren immer wieder Sorgen aufgekommen, die Koalition könnte einen Austritt aus dem Euro in Erwägung ziehen.

In einem durchgestochenen Entwurf des Regierungsvertrags war von Szenarien zum Euro-Ausstieg die Rede, diese tauchen in der finalen Version nicht mehr auf. Außerdem wollten die Parteien zunächst den Euro- und Deutschlandkritiker Paolo Savona zum Finanzminister machen.

Mit Material von dpa und Reuters.