Wie Italiens Unternehmer Investoren nach der Wahl beruhigen wollen


Direkt und deutlich wie es sein Stil ist, kommentierte FCA-Chef Sergio Marchionne am Tag nach der Wahl in Italien das Ergebnis: „Die Herren Salvini und Di Maio kenne ich nicht, aber sie beunruhigen mich auch nicht. Und ob ich Angst vor den ,Fünf Sternen‘ habe? Wir haben doch schon Schlimmeres erlebt.“

Der Topmanager meldete sich aus Genf, wo er beim Autosalon verkündete, dass der italienisch-amerikanische Autobauer Fiat-Chrysler seine Abhängigkeit vom Diesel verringern und schon nächstes Jahr einen Hybrid-Ferrari auf den Markt bringen will.

Obwohl Marchionne in Kanada und in der Schweiz lebt und Fiat längst nicht mehr seinen Sitz in Italien hat, wird er immer wieder in die Innenpolitik hineingezogen und sofort befragt, wenn es um Italien geht. Zuletzt hatte der große Wahlverlierer Silvio Berlusconi seinen Namen als möglichen Premier ins Spiel gebracht, weil er selbst wegen einer Vorstrafe nicht kandidieren konnte. Marchionne dementierte das postwendend.


Nach dem Erdrutschsieg der populistischen Bewegung Fünf Sterne und der fremden- und europafeindlichen Lega bei den Parlamentswahlen versuchen Unternehmer wie Banker, die Partner in Europa und die internationalen Investoren zu beruhigen. Italien steht vor einem langen politischen Stillstand, bis es eine neue Regierung gibt. Einen gemeinsamen Tenor hatten alle Erklärungen: Es sei schon nicht so schlimm, erst mal bleibe die aktuelle Regierung ja im Amt, und auch dann werde Italien nicht untergehen.

„Ich habe großes Vertrauen, dass es Italien schafft, Mattarella steht vor einer riesigen Aufgabe“, sagte der FCA-Chef in Genf. Staatspräsident Sergio Mattarella ist die Schlüsselperson in den kommenden Wochen. Da es keine Mehrheit für eine Regierung gegeben hat, steht Italien vor langwierigen Beratungen über mögliche Koalitionen, und der Präsident muss schließlich entscheiden, wem er den Auftrag zur Regierungsbildung gibt.

„Hauptsache, es gibt eine stabile Regierung und die Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Realwirtschaft hatten, werden nicht abgeschafft“, meinte Vincenzo Boccia, der Präsident des Unternehmerverbands Confindustria. Das Wahlergebnis habe in der Luft gelegen, allerdings nicht in der Größe, und man müsse das Votum der Italiener respektieren.

„Die Fünf Sterne sind eine demokratische Partei, sie machen keine Angst“, sagte der Chef des italienischen BDI. Der Reformkurs müsse beschleunigt werden, um die Verschuldung zu senken und die Beschäftigung zu erhöhen, und dafür sei vor allem mehr Wachstum die Voraussetzung.

Die Bildung einer Großen Koalition in Deutschland sei ein starkes Signal, so Boccia weiter. „Wir in Italien leben in einer ständigen Unsicherheit, und deshalb hoffen wir, dass die Parteien Verantwortungsgefühl zeigen im Interesse des Landes.“


Die Mailänder Börse verzeichnete am Tag nach dem Wahlergebnis keine Schwäche mehr, auch nicht bei den Bankaktien. Das Statistikamt Istat bestätigte Italien in seinem Monatsbericht, dass in den kommenden Monaten das makroökonomische Szenario günstig und dass die italienische Wirtschaft expansiv bleibe. Der Export war 2017 gestiegen.

Banker wie Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier erwarten von der neuen Regierung in Rom, dass sie den Banken Raum geben, in einem sicheren Umfeld ihre Arbeit zu tun. Dazu gehörten Pläne, die notleidenden Kredite in den Büchern der italienischen Geldhäuser schneller abzubauen, sagte er. Doch fürs Erste ist keine neue Regierung in Sicht.

Und was passiert in Siena, wo Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan sein Direktmandat gewonnen hat? „Eine neue Regierung und ein neuer Minister haben keine Auswirkung auf unseren Geschäftsplan“, erklärte Marco Morelli, Chef der Krisenbank Monte dei Paschi, die gerade erst einen Jahresverlust von 3,5 Milliarden Euro für 2017 hingelegt hat. Die Bank wurde im vergangenen Jahr mit Staatshilfe gerettet. Wer also Padoans Job übernimmt, ist wichtig für das ganze Bankensystem.