Regierungspläne verschrecken Anleger an Italiens Finanzmärkten


Die Pläne der neuen italienischen Regierung verschrecken die Investoren. Sowohl der Aktienmarkt, als auch die Anleihen und Devisen gerieten am Freitag unter Druck. Investoren trennten sich von Staatsanleihen und trieben dadurch die Rendite der zehnjährigen Titel von zuvor 2,114 auf bis zu 2,217 Prozent. Innerhalb zweier Wochen stiegen sie um einen halben Prozentpunkt, notierten zwischenzeitlich auf einem Sieben-Monats-Hoch. Es ist die stärkste Rally seit anderthalb Jahren. Zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise 2012 rentierten italienische Schuldtitel allerdings deutlich höher bei etwa 7,5 Prozent.

Da die italienischen Banken zahlreiche dieser Papiere halten, gingen ihre Aktien in die Knie. Der örtliche Branchenindex rutschte um zwei Prozent ab. Damit summiert sich das Minus der vergangenen drei Tage auf knapp sieben Prozent. Das ist der größte Kursrutsch seit fast eineinhalb Jahren.

Vor allem die Aktie der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) geriet weiter unter Druck. Bereits am Donnerstag war sie um fast neun Prozent abgestürzt. Am Freitagvormittag verlor der Titel an der Mailänder Börse weitere 4 Prozent auf 2,805 Euro je Aktie.


Der Effekt bleibt nicht nur auf italienische Institute beschränkt, Experten warnen vor einer Gefahr für den ganzen Sektor. Der Sammelindex für die größten Banken der Euro-Zone gab 1,1 Prozent nach. Auch in Frankfurt gehörten die Banken zu den schlechtesten Titeln. Im Sog der Finanzwerte gab der Leitindex der Mailänder Börse bis zu 1,5 Prozent nach und fiel auf den tiefsten Stand seit einem Monat.

Die Haushaltspläne der neuen Regierung sorgten auch für Unruhe am Devisenmarkt. Der Euro dreht von einem leichten Plus ins moderate Minus. Mit 1,1750 Dollar erreicht er einen neuen Tiefststand seit Dezember vergangenen Jahres.

Diskussionen über Schuldenschnitte oder einen Euro-Austritt irritierten Anleger und lösten Sorgen um die Währungsunion aus, schrieben Analysten der Landesbank Helaba in einem Marktkommentar. „Die Verunsicherung aufgrund der italienischen Regierung wird wohl zumindest in naher Zukunft nicht wieder in der Versenkung verschwinden.“ Zeitweise seien daher auch Kurse von unter 1,15 Dollar realistisch.

Europas Märkte nicht große betroffen

Abgesehen davon hielten sich die Abschläge in Grenzen. Der europäische Leitindex Euro-Stoxx-50 kletterte aus einem moderaten ins leichte Minus, lief mit 3.591 Punkten nur minimal leichter. Der Dax pendelte um sein hohes Vortagsniveau.

Am Morgen hatten die populistische 5-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega den finalen Entwurf für einen Koalitionsvertrag veröffentlicht, über den nun zunächst ihre Mitglieder abstimmen müssen, bevor er Staatspräsident Sergio Mattarella vorgelegt wird. Beide Parteien eint eine Europa-kritische Haltung. Den gemeinsamen Regierungsvertrag veröffentlichten sie am Vormittag.

Sie wollen demnach die Konjunktur in Italien auch mit „begrenzten“ schuldenfinanzierten Ausgaben anschieben. Zudem müssten mit den EU-Partnern die Haushaltspolitik der Gemeinschaft sowie der Euro-Stabilitätspakt überprüft werden. Ausgaben für Investitionen sollten nicht in die Defizitberechnungen einfließen.


„Dadurch werden Erinnerungen an die Anfangszeit der amtierenden griechischen Regierung wach, die 2015 die Konfrontation mit Brüssel suchte, was erhebliche Marktturbulenzen ausgelöst hatte“, sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

Auch am Markt für Credit Default Swaps (CDS) war die Nervosität der Anleger spürbar. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich 113.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit. Das sei der höchste Stand seit Januar.

Der Kursrutsch bei MPS ist allerdings nicht nur auf den Regierungsvertrag zurückzuführen. Hintergrund sind auch Kommentare eines Politikers der rechtspopulistischen Lega direkt zur Krisenbank. Er fordert einen radikalen Kurswechsel für das Geldhaus. Die Geschäftsführung von MPS sollte gefeuert und die Pläne zur Privatisierung verworfen werden, hatte Claudio Borghi, ein wirtschaftspolitischer Sprecher der Lega, am Donnerstag gesagt.

Italiens älteste Bank aus Siena in der Toskana war 2016 mit Staatsgeldern gerettet worden, als Folge ist der italienische Staat mit fast 70 Prozent größter Aktionär. Die EU-Kommission hatte der Rettung mit der Auflage zugestimmt, dass MPS zu einem späteren Zeitpunkt verkauft werde. „Wir werden nach Brüssel gehen und diesen Plan neu diskutieren“, sagte Borghi dazu. Die Entlassung von MPS-Chef Marco Morelli bezeichnete er als „fast natürlich“, da dieser von einer Regierung bestellt worden sei, die aus dem Amt scheide.