Italien gegen Schweden vor dem WM-Aus - Andrea Pirlo lästert über die alten Kollegen

In Italien geht die Angst um: Erstmals seit 60 Jahren droht eine WM-Endrunde ohne die Squadra Azzurra.

Der Heilige Syrus soll der Squadra Azzurra das "Wunder von San Siro" bescheren: Nach der 0:1-Pleite im Play-off-Hinspiel in Solna gegen Schweden droht dem viermaligen Weltmeister Italien erstmals seit 1958 das Verpassen einer WM-Endrunde und damit eine der größten Blamagen in der Verbands-Historie. 

"Vom San Siro fährt der letzte Zug nach Russland ab. Der Heilige Syrus muss ein Wunder bewirken!", kommentierte die Sporttageszeitung Tuttosport und hofft auf den Beistand des Schutzpatrons des Giuseppe-Meazza-Stadions. "Italien darf nicht scheitern, es geht um unsere Ehre", appellierte der Corriere dello Sport vor dem Rückspiel am Montag (20.45 Uhr im LIVETICKER ).

Pirlo: "Man braucht Qualität, um solche Spiele zu gewinnen"

Bundestrainer Joachim Löw hatte die gravierenden Probleme des deutschen Angstgegners nicht unbedingt erwartet. "Das ist schon ein bisschen überraschend. Wenn Italien bei der WM nicht dabei wäre, wäre das glaube ich schon ein Desaster für das Land", sagte der 57-Jährige im ZDF . Den Azzurri sei allerdings vieles zuzutrauen, vor allem zu Hause. "Aber wenn man 0:1 verliert, ist das schon ein gefährliches Ergebnis. Wenn Schweden auswärts ein Tor macht, wird es für die Italiener schwierig", so Löw.

Beim ersten Tanz auf der Rasierklinge in Solna leisteten sich die Italiener einen möglicherweise fatalen Fehltritt. "Wenn wir die WM verpassen, käme das einer Apokalypse gleich", hatte Verbandschef Carlo Tavecchio vor dem Spiel gesagt. Inzwischen scheint das schier Undenkbare Realität werden zu können. Buffon und Co. wirkten verunsichert und nervös, die Schweden um den Leipziger Bundesligaprofi Emil Forsberg waren abgeklärter und entschlossener. 

"Hässlich und konfus: Italien, ein Horror! Die Apokalypse ist für die Azzurri nah und Russland noch nie so weit entfernt gewesen", kommentierte die Gazzetta dello Sport. Der Corriere della Sera wetterte: "Italien ist ein Ensemble von Spielern, die nicht wissen, was sie anfangen sollen. Keine Ideen und wenig Teamgeist: Es ist skandalös, dass derart erfahrene Spieler in einem so wichtigen Spiel so wenig leisten." 

Ex-Nationalspieler Andrea Pirlo, Weltmeister von 2006, lästerte über die ehemaligen Kollegen. "Man braucht Qualität, um solche Spiele zu gewinnen. Das sind Partien, in denen du siehst, was richtige Spieler sind", sagte die einstige Mittelfeld-Ikone, die Anfang der Woche ihre Profikarriere beendet hatte. 

Ancelotti, Mancini und Capello werden als neue Trainer gehandelt

Coach Gian Piero Ventura, der ziemlich ratlos wirkte, steht heftig in der Kritik. Sollte Italien das WM-Ticket verpassen, scheint seine Ablösung unvermeidbar. Auch im Fall eines Sieges gegen die Schweden könnte der Verband an einen Trainerwechsel denken. 

Als Kandidaten werden unter anderem der ehemalige Bayern-Coach Carlo Ancelotti sowie Ex-Inter-Trainer Roberto Mancini und Russlands Ex-Coach Fabio Capello gehandelt. Ein Problem sei allerdings das eher geringe Gehalt, das der Verband dem Nationalcoach offerieren kann. Lediglich 1,5 Millionen Euro per annum kann der Verband dem neuen Coach bieten, nicht gerade verlockend für renommierte Fußballlehrer. 

Ventura will die Mannschaft gegenüber dem Hinspiel nur geringfügig ändern und von Beginn an den neapolitanischen Stürmer Lorenzo Insigne einsetzen. Leonardo Bonucci, der bei einem Zweikampf am Freitag gegen den schwedischen Stürmer Ola Toivonen einen Nasenbeinbruch erlitt, wird mit einer Gesichtsmaske von Beginn an spielen.