Italien für Peru zur WM? Verband reagiert auf Chaos

Johannes Fischer
Gianluigi Buffon und Leonardo Bonucci (r.) haben mit Italien die WM-Qualifikation verpasst

Ein geplanter Gesetztesentwurf hat in Peru Spekulationen ausgelöst, nach denen die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland ernsthaft in Gefahr geraten könnte.

Mittlerweile reagierte der Verband, dennoch bleibt die Frage, bis die FIFA ihre Prüfung endgültig abgeschlossen hat: Wer würde im Fall der Fälle nachrücken? Und gab es einen vergleichbaren Fall schon einmal?

SPORT1 hakte zudem bei der FIFA nach und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Peru-Chaos.

Warum muss Peru um die WM-Teilnahme bangen?

Sportlich hatte Peru am 16. November das WM-Ticket gebucht. Der Andenstaat setzte sich in den WM-Playoffs gegen Neuseeland durch (0:0, 2:0) und qualifizierte sich als letztes Team für die Titelkämpfe im kommenden Jahr.

Am Donnerstag tauchten jedoch erstmals Berichte in peruanischen Medien auf, wonach die Nationalelf ihre Berechtigung verlieren könnte, an der WM teilzunehmen.

"Russland in Gefahr", titelte die Tageszeitung Libero am Donnerstag. Die peruanische Politikerin Paloma Noceda, Vorsitzende des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, plant die Einreichung eines Gesetzesentwurfs - mit weitreichenden Folgen. 

Nach Nocedas Vorstellungen soll der peruanische Fußballverband nämlich künftig unter staatlicher Kontrolle stehen - das verbietet allerdings die FIFA.

Nach Medienberichten vom Donnerstag zogen Parlamentarier in Lima nun den umstrittenen Entwurf zurück und ersetzten ihn durch eine entschärfte Fassung. Darin wird die Eigenständigkeit des FPF ausdrücklich unterstrichen, inwieweit die FIFA sich mit dem neuen Entwurf zufrieden gibt, bleibt allerdings abzuwarten.

Was sagt die FIFA?

Dass der Weltverband die Situation in dem südamerikanische Staat ernst nimmt, bestätigte ein FIFA-Sprecher gegenüber SPORT1. Man habe dem peruanischen Fußballverband am Donnerstag einen Brief zukommen lassen und darin die sich anbahnende politische Einflussnahme angemahnt.

"Die FIFA hat in diesem Brief den peruanischen Fußballverband darüber informiert, dass der aktuelle Entwurf des peruanischen Sportrechts bestimmte Punkte beinhaltet, die den FIFA-Statuten zuwiderhandeln, falls sie umgesetzt würden", so der FIFA-Sprecher.

Dieser Entwurf war dem betreffenden Komitee des peruanischen Parlaments am 2. Oktober 2017 vorgelegt worden. Und: Man "werde die Situation in Peru weiter beobachten".

Gab es in der Vergangenheit vergleichbare Fälle?

Ein Mal wurde in der Geschichte bei einem großen Turnier eine Mannschaft ausgeschlossen.

Für die Europameisterschaft 1992 in Schweden hatte sich eigentlich Jugoslawien qualifiziert. Nachdem die UNO wegen des Balkankonfliktes Sanktionen gegen den sich auflösenden Staatenbund ausgesprochen hatte, reagierte auch die UEFA und entzog Jugoslawien die Startberechtigung für das Turnier.

Profiteur wurde Dänemark, das später sensationell die EM dank eines 2:0-Finalsieges gegen Deutschland gewann.

Einen ähnlichen Fall wie in Peru gab es erst im Frühjahr 2017: Im März wurde Mali wegen Eingriffen des Sportministers suspendiert. Während der im Mai aufgehobenen Sperre durften weder Nationalteam noch Vereinsmannschaften an internationalen Wettbewerben teilnehmen.

Wer würde für Peru nachrücken?

Der Weltverband FIFA bleibt in seinem Reglement im Unklaren. Eine deutliche Antwort, welche Nation vom Ausschluss Perus profitieren würde, lässt sich nicht herleiten.

"Bei einem Rückzug oder Ausschluss eines teilnehmenden Mitgliedsverbands entscheidet allein die FIFA-Organisationskommission und trifft die erforderlichen Maßnahmen", heißt es in Artikel 7 des FIFA-Reglement.

Und weiter: "Die FIFA-Organisationskommission kann insbesondere den Ersatz des betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverbands durch einen anderen anordnen."

Bei klarem Verstand dürften sich aber vor allem zwei Teams Hoffnungen machen: Chile und Neuseeland.

Chile, die Mannschaft um Bayern-Star Arturo Vidal, war in der Südamerika-Qualifikation knapp hinter Peru gelandet. Auch wenn die FIFA-Weltrangliste als Maßstab genommen würde, wäre Chile in der Pole Position.

Neuseeland war als Ozeanienmeister in den WM-Playoffs an Peru gescheitert. Vorstellbar wäre auch eine Neuauflage der Relegation zwischen Neuseeland und Chile.

Wie hoch sind die Chancen Italiens?

Auch Italien wurde in der peruanischen Tageszeitung Libero als möglicher Nachrücker für Peru genannt. Glaubt man allerdings den italienischen Medien, dürfte sich die Squadra Azzurra allenfalls Außenseiterchancen ausrechnen.

In den Wettbüros wird eine WM-Teilnahme von Gianluigi Buffon, Leonardo Bonucci und Co. mit 1:50 gehandelt. Dass den Italienern überhaupt eine (wenngleich minimale) Chance eingeräumt wird, liegt offenbar am unklaren FIFA-Reglement.

Letztlich könnte der Weltverband die freie Stelle nach Gutdünken besetzen - und sie beispielsweise mit den meisten gewonnenen WM-Titeln erklären. Dann würde Italien, das schon vier Mal den Weltmeisterpokal in die Höhe reckte, doch noch nach Russland fahren.