Italien-Bonds erhalten Rückenwind von Renditejagd, Politik

James Hirai und Anooja Debnath
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Italien-Bonds erhalten Rückenwind von Renditejagd, Politik

(Bloomberg) -- Es sieht gut aus für italienische Staatsanleihen. Das politische Risiko des Landes verringert sich just zu dem Zeitpunkt, da ein wachsender Berg von negativ verzinslichen Anleihen die Renditejagd anheizt.

JPMorgan Chase & Co. und Société Générale SA sagen, dass die Renditeprämie gegenüber deutschen Bundesanleihen, ein Risikomaß, inmitten von Anzeichen politischer Stabilität in Rom zum Jahresende auf den geringsten Wert seit 2016 fallen könnte. Amundi SA und UBS Global Wealth Management, zwei der größten europäischen Vermögensverwalter, setzen auf die italienischen Papiere, die in diesem Jahr bei der Performance bereits die meisten Pendants aus der Region geschlagen haben.

“Im gegenwärtigen Marktumfeld gibt es keine Alternative für einen Staatsanleihen-Fondsmanager oder gar für einen Fondsmanager eines gemischten Portfolios: Italien bietet immer noch Wert und Carry“, sagte Isabelle Vic-Philippe, eine Fondsmanagerin bei Amundi in Paris, die Vermögenswerte von 1,45 Billionen Euro verwaltet. “In den nächsten drei Monaten sehe ich nicht, durch welches Ereignis die aktuelle Rally aus der Bahn geworfen oder eine starke Ausweitung des aktuellen Spreads ausgelöst werden könnte“, sagte sie am Telefon.

Die Nachfrage spiegelt sowohl eine Jagd nach Rendite als auch das Vertrauen wider, dass die fragile Regierung des Landes nicht zusammenbrechen wird. So würde verhindert, dass der Populist Matteo Salvini die Macht im Staate übernimmt und Spannungen mit der Europäischen Union entstehen.

Die Anleger setzen auch auf italienische Anleihen, während diese an den europäischen Bondmärkten mit Griechenland um die höchsten Renditen konkurrieren. Zudem sinkt das Angebot an Papieren mit positiver Verzinsung. Der Anteil an Bonds mit positiven Renditen, die im Bloomberg Barclays Euro Aggregate Treasury Index enthalten sind, ist von 53% Ende 2019 auf 38% gesunken.

Ein globale Kaufeuphorie bei neuen Papieren hat den italienischen Markt gestützt. Im Januar erhielt das Land bei seiner Offerte von 30-jährigen Anleihen in Höhe von sieben Milliarden Euro Zeichnungen von rund 45 Milliarden Euro, ein neuer Rekord. Der bisherige Rekord für eine Emission in dieser Laufzeit lag bei 41 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Im späteren Jahresverlauf will Italien auf Dollar lautende Anleihen begeben.

Die quantitative Lockerung treibt den Trend ebenfalls an. Mit der Wiederaufnahme ihres Aktivakauf-Programms im vergangenen Jahr hat die Europäische Zentralbank einen wichtigen Käufer für die Staatanleihen des Landes wieder ins Spiel gebracht.

Stärke nach den Wahlen

Die Investoren haben zunehmend Vertrauen in Italien, nachdem die Demokratische Partei, die wichtigste etablierte Kraft in der Regierung, bei einer Regionalwahl im vergangenen Monat eindrucksvoll punkten konnte. Salvini, der gehofft hatte, der Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte den entscheidenden Schlag zu versetzen, erlitt bei den Wahlen in der Emilia-Romagna am 26. Januar einen schweren Rückschlag.

Das Ergebnis “hat die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren Regierungskrise erheblich verringert”, schrieben die JPMorgan-Strategen Aditya Chordia und Francis Diamond in einer Kundennotiz.

JPMorgan erwartet, dass der Spread sich bis zum 31. Dezember auf 100 Basispunkte verengt. Adam Kurpiel, Leiter Zinsstrategie bei Société Générale, sieht ein ähnliches Ergebnis, “wenn die derzeitige Koalitionsregierung Bestand hat und wir große wirtschaftliche Probleme vermeiden.”

Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen stieg am Donnerstag um 3,3 Basispunkte auf 0,99%, nachdem sie im September ein Rekordtief von 0,75% erreicht hatte. Der Spread gegenüber zehnjährigen deutschen Bundesanleihen weitete sich um etwa vier Basispunkte auf 136 Basispunkte aus.

Italienische Staatsanleihen zählten 2019 mit einem Ertrag von 10,6% laut dem Bloomberg Barclays Index zu den besten Performern in der Region. Zum Vergleich: Bundesanleihen kommen auf 3%.

Fitch-Entscheidung

Die Anleger blicken nun auf Freitag, wenn Fitch Ratings das BBB-Rating und den negativen Ausblick des Landes überprüfen wird. Barclays Plc sieht das Risiko einer Herabstufung um eine Stufe, sagten Strategen um Giuseppe Maraffino in einer Kundennotiz. Doch selbst dann könnte der Schaden begrenzt sein.

“Wenn Fitch eine Herabstufung vornimmt, würden wir dies mehr als Angleichung an andere Agenturen (z. B. Moody’s) ansehen, die Italien bereits mit BBB- (oder einem gleichwertigen) Rating bewertet haben, als ein Zeichen für eine Stimmungsverschlechterung”, schrieben sie.

Nicht jeder ist überzeugt, dass das Land weiterhin eine verlässliche Perspektive bietet. Allianz Global Investors ist der Ansicht, dass der Optimismus übertrieben sein könnte, und die Portfoliomanager Michael Riddell und Kacper Brzezniak sind in italienischen Anleihen untergewichtet.

“Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Salvini wieder das Sagen hat”, sagte Riddell in einem Bloomberg-Interview. „Das wird zu Volatilität führen. Seit 1945 hat es durchschnittlich alle 15 Monate eine neue italienische Regierung gegeben. “

Trotz Salvinis Fehlgriffen schneidet die Mitte-Rechts-Allianz in nationalen Meinungsumfragen gut ab, während Conte Probleme hat, die ständigen Scharmützel zwischen seinen wichtigsten Koalitionspartnern abzustellen.

Die Wahl im vergangenen Monat stellte eines der größten Risiken für die Regierung dar, sagt Thomas Wacker, Leiter des Anleihebereichs bei UBS Global Wealth. Er ist für italienische Anleihen positiv gestimmt und bleibt hauptsächlich in Anleihen mit einer Laufzeit von sechs bis zehn Jahren investiert.

“Für Investoren, die die Negativrenditen umgehen wollen, ist Italien eine der wenigen noch verbliebenen Alternativen”, sagte er.

Überschrift des Artikels im Original:Italy’s Bonds Burnished by Push for Yield and Brighter Politics

Kontakt Reporter: James Hirai in London jhirai3@bloomberg.net;Anooja Debnath in London adebnath@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Dana El Baltaji delbaltaji@bloomberg.net, William Shaw

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