Experte: Ferngesteuerten Autos wie in „Fast & Furios 8“ könnten Realität werden

Kino International
Zombie-Autos in „Fast & Furious 8“.

Das Auto-Chaos gerät in „Fast & Furios 8“ – dem achten Film der Filmreihe – außer Kontrolle. Die Fortsetzung, die gestern in den deutschen Kinos anlief, enthält eine Szene (die auch im neuesten Trailer zu sehen ist), in der Charlize Therons Cyber-Terroristin Cipher und ihr Team sich in die Elektronik-Systeme einer ganzen Reihe neuerer Autos auf den Straßen von New York City hackt. Die nichtsahnenden Fahrer verlieren plötzlich die Kontrolle über ihre Fahrzeuge und geparkte Autos erwachen zum Leben, denn Cipher steuert sie fern und schickt ganze Schwärme von Fahrzeugen einer Limousine hinterher, in der ein hoher russischer Amtsträger sitzt. „Es gibt tausende Autos in dieser Stadt“, sagt Cipher. „Und jetzt gehören sie alle mir.“ Und während die „Fast & Furios“-Crew mit den Zombie-Autos ringt, die von den Parkdecks fliegen, haben wir uns gefragt: „Ist solch ein unglaubliches Szenario wirklich möglich?“

„Absolut, das ist alles möglich“, sagt der Experte für autonome Fahrzeuge Jeffrey Miller, außerordentlicher Professor für Ingenieurswesen an der USCs Viterbi School of Engineering. „Autos werden fast vollständig von Computersystemen kontrolliert, die als Motorsteuerung (englisch ECU, Engine Control Unit) bekannt sind – vor allem neuere Autos. Also definitiv, wir könnten ein Auto so programmieren, dass es ein Signal von außen empfangen kann und es somit völlig kontrollierbar würde. Das wäre aber keine kluge Maßnahme, es wäre ein extremes Sicherheitsrisiko!“

Charlize Theron und Vin Diesel (Bild: Universal Pictures).

Derzeit ist das Risiko, von außen gehackt zu werden, für moderne Autos extrem gering. „Bei den existierenden Fahrzeugen – selbst denjenigen, die Kommunikation von außen zulassen – steuert keine Kommunikationskomponente das Verhalten des Autos. Sie können also ein Auto mit „OnStar“ kaufen und es kann Ihren Standort verfolgen. Sie können eines mit einer Fernbedienung kaufen, um die Türen zu entsperren… Aber bei den heutigen Autos ist es nicht möglich, sie fernzusteuern“, sagt Miller.

Auch selbstfahrende Autos wie die, die Google derzeit testet, sind nicht automatisch anfälliger. „Dabei wird es sehr wahrscheinlich bleiben, denn es ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko, wenn man Signalen von außen erlaubt, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen“, erklärt Miller. „Das wird auch langfristig so bleiben, selbst wenn es autonom fahrende Fahrzeuge geben wird, die Daten von anderen Fahrzeugen und von außen erhalten.“ Die externen Daten, die die meisten autonom fahrenden Autos erhalten, werden per GPS, Videokameras und Lidar übertragen – das ist ein System, das mittels Laser Abstand und Geschwindigkeit misst und in den Google-Autos eingesetzt wird. Das bedeutet, dass sie Dinge wie andere Autos, aber auch Fußgänger und Gebäude wahrnehmen und angemessen handeln können.

In diesen Fällen benötigen die selbstfahrenden Autos Inputs von den Insassen, um richtig funktionieren zu können – so muss man zum Beispiel einen Knopf drücken, um einer Routenänderung, die vom Auto vorgeschlagen wird, zuzustimmen. „Wenn man beginnt, die Sensoren abzuschalten, sollten die Sicherheitsvorkehrungen so sein, dass das Fahrzeug nicht mehr fährt. Wenn also die Videokamera nicht mehr funktioniert, um zu bestimmen, wie weit man von anderen Fahrzeigen entfernt ist, sollte das Auto nicht in der Lage sein, im autonomen Modus fahren zu können“, so Miller.

Cipher übernimmt im Trailer die Kontrolle über die Fahrzeuge.

Eine echte Gefahr könnten dagegen die sogenannten „Connected Cars“ sein, denn diese erhalten keine unmittelbaren Befehle von den Insassen, sondern treffen alle Entscheidungen autonom. Für Unternehmen wie Uber ist das das Traum-Szenario, denn dadurch könnten die Fahrer vollkommen aus der Gleichung gestrichen werden.

„Das wird kommen“, sagt Miller, allerdings erst in ein oder zwei Jahrzehnten. Und es wird eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich bringen – man braucht zum Beispiel kein eigenes Auto mehr, denn man wird von den Connected Cars befördert. Allerdings kann dies laut Miller auch zu enormen neuen Gefahren führen. „Natürlich kann man die Kontrolle übernehmen, wenn man die Programmierung des Autos überschreibt oder sich Zugang zu einem bestimmten Bereich – zum Beispiel zum Betriebssystem – verschaffen kann“, erklärt Miller. „Somit wird die Sicherheit zu einem großen Problem und deshalb sind Connected Cars noch nicht massentauglich.“ Solche Hacker-Szenarien könnten zu allen möglichen Arten von gefährlichen Situationen führen: ferngesteuerte Autos werden als Fluchtfahrzeuge verwendet oder als Träger für Sprengstoff.

„Denken Sie an Mord oder Körperverletzung – es werden Computerprogramme sein, die diese Verbrechen begehen“, so Miller. „Man muss nicht mehr aus dem Haus gehen und es selber tun. Ich meine, wenn ich ein Auto programmieren kann, dass es mit 100 km/h einen Abhang hinunterstürzt…“ Dann könnte dieses unglaubliche Szenario aus „Fast & Furious 8“ schon bald von einer Fantasie aus einem Actionfilm zu schrecklicher Realität werden.

Nick Schager