Ist „Britannia“das neue „Game of Thrones“?

(Bild: Sky Atlantic)

Es fühlt sich so an, als wäre die achte Staffel von „Game of Thrones” eine Ewigkeit entfernt, deshalb ist es absolut natürlich, dass Fans nach etwas suchen, um die Zwischenzeit zu überbrücken – auch wenn dies nur eine kurze Atempause ist bis zum noch nicht verkündeten Start der letzten Staffel.

Wenn Sie darüber nachdenken, HBOs neuester Serie „Britannia“ eine Chance zu geben, dann haben Sie Glück, denn hier ist eine Spoiler-freie Rezension der ersten Folge.

Sie beginnt mit einem kurzen Prolog, der uns erzählt, wie die Römer unter Julius Cäsar versuchten, Britannia zu erobern. Aber dieser Plan wurde verworfen, nachdem sie von den Druiden verjagt wurden, aber 90 Jahre später sind sie zurück und da beginnt unsere Geschichte…

Dies ist ein fazinierender Ausgangspunkt, der vor dem Hintergrund der zahlreichen qualitativ hochwertigen TV-Dramen und Fantasy-Serien die hohen Ansprüche der Zuschauer befriedigen muss.

Deshalb ist es gut, hier ein für allemal klarzustellen: Die Serie kommt eindeutig nicht an „Game of Thrones” heran. Aber was ist es dann?

Dies ist eine Art verwässerte Version des adaptierten Inhalts von George R.R. Martins legendären Schriften und erinnert stark an HBOs und BBCs Serie „Rom“ von 2001 (die übrigens hervorragend ist).

(Bild: Sky Atlantic)

Wenn man dem ersten Eindruck vertraut, dann sind das keine guten Nachrichten. Leider passt der Vorspann nicht so recht zur Serie. Die Gitarrenklänge im Vorspann fühlen sich schrecklich deplatziert an und die ganze Folge lang hört man eine öde Melodie, die es nicht schafft, zu überzeugen oder dem Drama oder der Action, die sich entwickelt, die nötige Spannung zu geben.

Die Handlung der Folge eins erinnert auch ziemlich stark an die Reise vom Hund und Arya Stark quer durchs Land aus „GoT“. Aber „Britannia“ kann von der generell hohen Qualität der Handlung, der Dialoge, der Schauspielkunst sowie der Spannung, die „GoT“ bietet, nur träumen – aber das bedeutet nicht, dass die Serie es nicht versucht.

Kampfszenen sind brutal, intensiv und voller Action. Großzügigkeit ist hier die bevorzugte Option, denn wir sehen viel Blut und blutige Messerstechereien, die nicht unbedingt notwendig sind, um zu verdeutlichen, was passiert, aber die Bilder werden eingesetzt, um wachzurütteln. Ähnlich dem wird auch versucht, den sexuellen Appetit der Zuschauer mit einer kurzen Sexszene zu befriedigen, bei der das ritualisierte Leben der Menschen in Britannia gezeigt wird.

Was aber den Erfolg wirklich verhindert, ist der schleppende und überfüllte Auftakt. Da müssen viele Charaktere vorgestellt werden, es gibt mehrere Gruppen von Leuten (Stämme, Druiden, Römer), die man sich nicht sofort merken kann. Und dann erinnern wir uns an unsere allererste Erfahrung mit „GoT“ und denken daran, wie schwierig es war, sich die mittlerweile bekannten Gesichter zu merken.

(Bild: Sky Atlantic)

Kelly Reillys Kerra ist unter den zahlreichen Charakteren eine bemerkenswerte Ausnahme (und nicht nur deswegen, weil sie dank ihrer roten Locken und dem Pfeil und Bogen wie eine menschliche Version von Merida aus „Merida – Legende der Highlands“ aussieht). Ihre Figur als König Pellenors (Ian McDiarmid) Tochter ist eine Art Außenseiterin, was impliziert, dass diese heikle Dynamik später noch wichtig sein wird. Mackenzie Crook ist in den gruselig echt aussehenden Prothesen als Veran, als einflussreicher Redner bei den Druiden, kaum wiederzuerkennen und spielt seine Rolle äußerst überzeugend.

Das größte Problem dieser langsamen und trotzdem spannenden Einführung sind die schwerfälligen Dialoge. Vergleichen Sie diese mit jenen in anderen modernen Serien, die über raffinierte, intelligente und sogar witzige Einzeiler oder Interaktionen verfügen und Sie erkennen den Unterschied. Schlechte Dialoge können eine ganze Szene oder Serie ruinieren; hier saugen sie aus sonst wichtigen oder starken Momenten das Leben, da ergreifende Konversationen erstickt werden.

Zugegeben, es ist viel zu früh, um eine ganze Serie (insgesamt neun Folgen) gleich zu Beginn zu beurteilen. „Britannia“ verspricht zumindest einige potenziell explosive Szenarien. Der Machtkampf und offensichtliche Showdown zwischen den zaubernden Druiden und der brutalen Kraft der römischen Armee könnte etwas Spektakuläres werden – besonders, da das Debüt einige umwerfende Schauplätze und kompetente Actionszenen angedeutet hat.

(Bild: Sky Atlantic)

„Britannia” wird Sie nicht sofort umwerfen. Die Wahrheit ist, Sie haben vielleicht nicht einmal das dringende Bedürfnis, sofort die nächste Folge sehen zu wollen. Aber im diesem schweren Auftakt liegt ein Versprechen: ein Ausgangspunkt, der uns einen dunklen, fröstelnden Weg der Zaubersprüche, Flüche und Besessenheit andeutet (vielleicht nicht allzu anders als BBCs „Taboo“ mit Tom Hardy).

Die große Frage ist, ob die Serie die winzige Lücke der Vorfreude zwischen jetzt und der finalen Staffel von „Game of Thrones“ füllen kann. Die Antwort nach einer Folge ist: möglicherweise.

Staffel eins von „Britannia“ läuft in Deutschland ab 23. Februar auf Sky.

Mike P Williams

 

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