Israels Staatschef erneuert in Auschwitz Kritik an Polens Holocaust-Gesetz

Gedenken im KZ Auschwitz-Birkenau

Bei einer Gedenkveranstaltung im früheren NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hat Israels Staatschef Reuven Rivlin die Kritik seines Landes am polnischen Holocaust-Gesetz erneuert. "Wir haben tiefen Respekt für die Gewissenserforschung, der sich das polnische Volk unterzogen hat, aber zwischen uns gibt es auch tiefe Uneinigkeit", sagte Rivlin am Donnerstag in einer Rede, bei der auch Polens Präsident Andrzej Duda anwesend war.

Israel verlange, dass Polen die Geschichte des Holocaust vollständig aufarbeite, einschließlich der Ereignisse in der "Epoche der Vernichtung", sagte Rivlin.

Die Beziehungen zwischen Polen und Israel sind wegen des Holocaust-Gesetzes der nationalkonservativen Regierung in Warschau seit Monaten angespannt. Das Gesetz stellt es unter anderem unter Strafe, wenn der "polnischen Nation oder dem polnischen Staat" eine Mitschuld an den Nazi-Verbrechen gegeben wird. Die israelische Regierung sieht in dem Gesetz einen Versuch, die individuellen Verbrechen von Polen an Juden zu verschleiern.

Duda wies diese Vorwürfe am Donnerstag erneut zurück. Das Gesetz ziele nicht darauf ab, Holocaust-Überlebende zum Schweigen zu bringen.

Anschließend wollten sich die beiden Staatschefs zusammen mit tausenden Juden an einem "Marsch der Lebenden" in dem früheren Todeslager beteiligen. Dabei sollte anlässlich des Holocaust-Gedenktags in Israel der sechs Millionen Juden gedacht werden, die dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen sind.

In Israel stand anlässlich des Gedenktags am Donnerstagvormittag das öffentliche Leben für zwei Minuten still. Um zehn Uhr heulten die Sirenen. Autos blieben stehen, Schüler erhoben sich zu Schweigeminuten, Passanten verharrten mit gesenktem Kopf.