Israelisches Gericht erlaubt Leihmutterschaft für homosexuelle Paare

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Pride-Parade in Israel im Juni

Gleichgeschlechtliche Paare in Israel dürfen künftig mit Hilfe von Leihmutterschaften Kinder bekommen. Der Ausschluss von homosexuellen Paaren und alleinstehenden Männern von diesem Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches muss innerhalb von sechs Monaten aufgehoben werden, urteilte das oberste Gericht des Landes am Sonntag. Die Entscheidung beendet einen mehr als zehnjährigen Rechtsstreit.

Israels oberstes Gericht hatte bereits vor einem Jahr entschieden, dass das Parlament die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare und alleinstehender Männer bei der Leihmutterschaft beenden müsse. Konservative, ultra-orthodoxe Abgeordnete hatten dies jedoch im Parlament verhindert.

"Wir können uns nicht mit der fortgesetzten schweren Verletzung der Menschenrechte durch die bestehende Regelung der Leihmutterschaft abfinden", schrieb Richterin Esther Hayut in ihrer Urteilsbegründung.

Die Leihmutterschaft, also Austragung eines Kindes für andere Menschen, war in Israel 1996 legalisiert worden. Zunächst war dieser Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches jedoch nur heterosexuellen Paare und später dann auch alleinstehende Frauen erlaubt. Alleinstehende Männer oder homosexuelle Paare suchten sich daher Leihmütter in Indien, Nepal, Thailand oder den USA.

Der nationalreligiöse Parlamentsabgeordnete Bezalel Smotritsch kritisierte das jetzige Urteil scharf. Gesundheitsminister Nitzan Horowitz von der linken Partei Meretz, der selbst offen schwul lebt, begrüßte das Urteil hingegen und versicherte, dass sein Ministerium die Entscheidung umsetzen werde.

Das Thema könnte in der erst kürzlich gebildeten Acht-Parteien-Regierungskoalition für Spannungen sorgen. Die Koalition umfasst ein weites politisches Spektrum.

Israel zählt bei den Rechten von Homosexuellen zu den tolerantesten Ländern im Nahen Osten. Mehrere Parlamentsabgeordnete leben offen homosexuell.

fwe/dja

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