Hamas: Sieben Tote durch Israels Sprengung eines Tunnels aus dem Gazastreifen

Mutmaßlicher Tunnel aus Gaza nach Israel von 2016

Die israelische Armee hat am Montag einen aus dem Gazastreifen in israelisches Gebiet führenden Tunnel gesprengt und dabei nach Angaben der dort herrschenden Hamas sieben Palästinenser getötet. Zwölf weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium der Hamas-Regierung mit. Es handelte sich um Mitglieder radikalislamischer Palästinenserorganisationen. Die israelische Armee rechtfertigte die Sprengung als "Neutralisierung eines Terrortunnels".

Zwei der Toten gehörten dem bewaffneten Arm der radikalislamischen Hamas, den Essedin-al-Kassam-Brigaden, an. Die übrigen fünf gehörten mutmaßlich der mit der Hamas verbündeten Islamistengruppe Islamischer Dschihad an. Beide Gruppen bestätigten die Angaben.

Ein israelischer Militärsprecher begründete die Sprengung des Tunnels in der Gegend von Chan Junes mit einer "schweren und inakzeptablen Verletzung der israelischen Souveränität". Der Tunnel habe im südlichen Gazastreifen begonnen und unterirdisch nach Israel geführt. Zerstört worden sei der Tunnel auf israelischem Gebiet in der Nähe des israelischen Dorfs Kissufim. Israelis seien dabei nicht in Gefahr gewesen.

Der Militärsprecher sagte, Israel strebe keine Eskalation im Konflikt mit der Hamas an. Er konnte nicht sagen, ob der Tunnel von der Hamas betrieben wurde, machte die Organisation aber gleichwohl für dessen Bau verantwortlich. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, sein Land entwickele derzeit eine "innovative Technologie, um die Bedrohung durch die Tunnel in den Griff zu bekommen".

Die Hamas erklärte, der israelische Angriff auf den Tunnel bedeute sehr wohl eine "gefährliche Eskalation". Die radikalislamische Organisation rief zwar nicht zu Gegenangriffen auf, hob aber hervor, dass der "Widerstand gegen die Besatzung" ein Recht des palästinensischen Volkes sei. Der Islamische Dschihad erklärte, die Tunnel seien "Teil einer Politik der Abschreckung zur Verteidigung des palästinensischen Volks".

Die Hamas hatte in der Vergangenheit immer wieder unterirdische Gänge gebaut, um auf israelisches Gebiet vorzudringen und dort Angriffe zu verüben. Im Gaza-Krieg 2014 waren etwa 30 Tunnel entdeckt und zerstört worden, 14 davon führten nach Israel.

Mitte Oktober hatte die Hamas mit dem palästinensischen Rivalen Fatah ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet; demnach soll eine palästinensische Einheitsregierung spätestens zum 1. Dezember die vollständige Kontrolle im Gazastreifen übernehmen.

Der Beauftragte von US-Präsident Donald Trump für internationale Verhandlungen, Jason Greenblatt, schrieb unterdessen im Kurzbotschaftendienst Twitter, bei israelisch-palästinensischen Gesprächen in Ramallah im Westjordanland habe es am Sonntagabend "bedeutende Fortschritte" gegeben. Teilnehmer der Gespräche waren demnach der palästinensische Regierungschef Rami Hamdallah, der israelische Finanzminister Mosche Kahlon und der ranghohe Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums, Joav Mordechai.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete, auch der palästinensische Finanzminister Schukri Bischara und Geheimdienstchef Madschid Faradsch seien anwesend gewesen. Themen der Gespräche waren demnach die jüdischen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, die Belagerung des Gazastreifens und Fragen im Zusammenhang mit Finanzen der Palästinensischen Autonomiebehörde.