Israel leitet nach Mord an Siedler Großfahndung ein

Nach den tödlichen Schüssen auf einen jüdischen Siedler im Westjordanland haben die israelischen Sicherheitskräfte eine Großfahndung nach den Tätern eingeleitet. Die Armee erhöhte ihre Präsenz im Norden des besetzten Palästinensergebietes und errichtete Straßensperren

Nach den tödlichen Schüssen auf einen jüdischen Siedler im Westjordanland haben die israelischen Sicherheitskräfte eine Großfahndung nach den Tätern eingeleitet. Die Armee erhöhte am Mittwoch nach eigenen Angaben ihre Präsenz im Norden des besetzten Palästinensergebietes und errichtete Straßensperren. Palästinenser würden beim Betreten und Verlassen der Dörfer rund um Nablus Sicherheitskontrollen unterzogen, kündigte die Armee an.

Palästinensischen Sicherheitskräften zufolge gab es am Mittwoch zunächst keine Festnahmen. Sie berichteten aber, israelische Siedler hätten palästinensische Autos mit Steinen beworfen.

Bei dem erschossenen Siedler handelt es sich um einen 35-jährigen Rabbiner aus dem Siedlungsaußenposten Havat Gilad bei Nablus. Er war am Dienstagabend während der Fahrt in seinem Auto angeschossen worden und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Dem israelischen Armeeradio zufolge wurden 22 Einschüsse im Auto des Rabbiners gefunden. Die Schüsse sollen Medienberichten zufolge von einem fahrenden Auto aus abgegeben worden sein.

Israelische Beamte verurteilten die Tat scharf. Der bewaffnete Arm der radikalislamischen Hamas, die Essedin-al-Kassam-Brigaden, lobte dagegen die Bluttat.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin erklärte am Mittwoch, die Bundesregierung sei "sehr bestürzt" und verurteile "diesen hinterhältigen Mord auf das Schärfste". Sie warf denjenigen, "die dafür die Verantwortung tragen oder diesen Anschlag begrüßen" vor, die "Gewalt zu schüren". Dies erschwere eine Lösung des Nahostkonflikts auf dem Verhandlungsweg. Deutschland erwarte von allen Seiten, zur Deeskalation beizutragen.

Im besetzten Westjordanland leben rund 400.000 Israelis in Siedlungen. Die UNO sieht die Siedlungen als illegal an - und als großes Hindernis im Nahost-Friedensprozess. In der Gegend rund um Nablus kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen radikalen Siedlern und Palästinensern.

Seit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump von Anfang Dezember, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, wurden bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Westjordanland und an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel 14 Palästinenser und ein Israeli getötet.