Israel ehrt erstmals Araber als "Gerechten unter den Völkern"

Helmys Großneffe Kotby (l.) nimmt die Ehrung entgegen

Israel hat einen Ägypter für seinen Einsatz für eine jüdische Familie in der NS-Zeit als ersten Araber als "Gerechten unter den Völkern" geehrt. Die Feierstunde für den bereits verstorbenen Arzt Mohammed Helmy fand am Donnerstagabend in der israelischen Botschaft in Berlin statt, wie die Vertretung im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.

Helmy hatte während des Zweiten Weltkriegs sein Leben riskiert, um eine vierköpfige jüdische Familie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu retten. Der ägyptische Arzt habe die Juden "als Menschen wahrgenommen" und "es als seine Pflicht empfunden, aufzustehen und zu handeln", erklärte Irena Steinfeldt, die die Abteilung für "Gerechte unter den Völkern" in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem leitet. "Helmys Menschlichkeit zeigt, dass jeder Mensch (...) etwas bewirken kann".

Helmy war bereits vor vier Jahren als "Gerechter unter den Völkern" anerkannt worden. Allerdings konnten die nächsten Verwandten des Ägypters, der 1982 kinderlos in Berlin starb, zunächst nicht ausfindig gemacht werden. Erst die Bemühungen der israelischen Regisseurin Taliya Finkel, die die Geschichte in diesem Jahr verfilmt hat, ermöglichten den Kontakt zu Helmys direkten Nachfahren.

Medienberichten zufolge hatte die ägyptische Familie die Auszeichnung wegen des Bezugs zum israelischen Staat zunächst nicht akzeptieren wollen. Die Gedenkstätte hat dies allerdings nie bestätigt.

Für die Ehrenfeier in der israelischen Botschaft reiste Helmys Großneffe Nasser Kotby aus Kairo an. Auch die Angehörigen der geretteten jüdischen Familie aus New York nahmen an der Feierstunde teil. Laut einer Erklärung der israelischen Botschaft zählt es zu den wichtigsten Aufgaben von Yad Vashem, "Nichtjuden, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Juden zu retten, die Dankbarkeit des Staates Israel und des jüdischen Volkes zu übermitteln".

Bisher wurden über 26.500 Männer und Frauen mit dem Ehrentitel ausgezeichnet, darunter rund 70 Muslime. Ein Araber war bislang aber noch nicht ausgezeichnet worden.