Isländer wählen neues Parlament

Letztes Fernsehduell vor vorgezogenen Neuwahlen

Die Isländer haben am Samstag ein neues Parlament gewählt. Es ist das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass die Wähler zu den Urnen gerufen sind, nachdem Ministerpräsident Bjarni Benediktsson vorgezogene Neuwahlen angesetzt hatte. Jüngsten Umfragen zufolge könnte seine konservative Unabhängigkeitspartei trotz der guten Wirtschaftslage in die Opposition geschickt werden, wenn ein Mitte-Links-Bündnis zustande kommt.

Laut einer am Freitag vom öffentlich-rechtlichen Rundfundsender RUV und der Tageszeitung "Morgunbladid" veröffentlichten Umfrage könnte Benediktssons Unabhängigkeitspartei 17 von 63 Sitzen im Parlament erhalten. Demnach käme die Links-Grünen-Bewegung gemeinsam mit Sozialdemokraten und Piraten auf 29 Sitze - mit einem weiteren Partner könnte das Bündnis Benediktssons Mitte-Rechts-Regierung ablösen.

Für die Regierungsbildung ist eine Mehrheit von 32 Abgeordneten notwendig. Die Wahllokale schließen um Mitternacht (MESZ).

Insgesamt sind neun Parteien im Rennen um den Einzug ins Parlament. Experten erwarten angesichts der zersplitterten Parteienlandschaft schwierige Koalitionsverhandlungen. Nach der letzten Wahl im Oktober 2016 kam erst nach drei Monaten eine Koalition zustande.

Benediktsson hatte das Parlament vor einem Monat aufgelöst, nachdem seine Mitte-Rechts-Koalition ihre hauchdünne Mehrheit im Parlament verloren hatte. Sein ehemaliger Koalitionspartner Glänzende Zukunft wirft Benediktsson vor, seinen Vater in einer umstrittenen Justizangelegenheit gedeckt zu haben.

Es ist bereits die vierte Parlamentswahl in Island seit 2008. Infolge der Enthüllungen der "Panama Papers" hatten mehrere isländische Politiker zurücktreten müssen, unter ihnen im April 2016 der damalige Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson. Für ihn übernahm Sigurdur Ingi Johannsson, bis im Oktober wieder neu gewählt wurde.

Die isländische Wirtschaft steht außergewöhnlich gut da - besonders nach der Finanzkrise 2008, als drei große Banken im Land zusammengebrochen waren und der Inselstaat kurz vor dem Bankrott stand. Die Arbeitslosenquote beträgt nur 2,5 Prozent, das Wirtschaftswachstum lag im vergangenen Jahr bei soliden 7,2 Prozent.