Nach irrer Saison: Watzke stand kurz vor Rücktritt

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke muss das Spiel bei APOEL von zuhause aus verfolgen

Hans-Joachim Watzke hat eine kräftezehrende Saison hinter sich. 

Die Ereignisse haben sich bei Borussia Dortmund in in der Spielzeit 2016/17 nur so überschlagen. Und immer mitten drin, meistens an vorderster Front, der Geschäftsführer des BVB. 


Hier nur mal ein ganz kurzer Überblick des vergangenen Jahrens: Es ging los mit dem Verkauf von Leistungsträgern wie Henrikh Mkhitaryan und Mats Hummels. Die Gerüchte um Pierre-Emerick Aubameyang wollten nicht abreißen. Die Borussia wurde Opfer eines Bombenanschlags. Der Pokal-Sieg. Die Hängepartie um Thomas Tuchel und das Aus für den Trainer. Ousmane Dembele streikte sich zum FC Barcelona, brachte dem BVB aber einen Rekordablöse ein. Wahrlich eine Achterbahnfahrt der Emotionen. 

All das ging nicht spurlos an Watzke vorbei. 

"Wir machen Weltstars"

"Nach der letzten Saison war mein Akku erstmals in meinem Leben komplett leer. Hätten wir das Pokalfinale verloren, wäre ich definitiv zurückgetreten", sagte der 58-Jährige im Interview mit der Bild-Zeitung. Sogar seine Mutter mischte sich nach der schweren Zeit ein: "Ich war völlig fertig von dieser irren Saison, wollte wirklich aufhören. Meine Mutter hat mir dann den Marsch geblasen: 'Deine Falten, du brauchst eine Auszeit. Du kippst noch um'."

Watzke gelobte Besserung und will sich in Zukunft jährlich zwei Wochen Urlaub nehmen. 

Mittlerweile vertritt er Dortmund aber schon wieder so einsatzfreudig wie eh und je. Die Rücktritts-Gedanken sind vom Tisch, es warten neue große Aufgaben. Eine ganz große Hürde hat Watzke mit dem Verkauf Dembeles schon genommen. 


Zur unglaublichen Ablöse für den Franzosen (mit Bonuszahlungen bis zu 148 Millionen Euro) sagte er: "Die anderen kaufen Weltstars, wir machen sie. Die Entwicklung der Ablöse-Summen ist geistesgestört, aber nicht unmoralisch. Der Markt gibt es einfach her." 

Watzkes engste Vertraute

Die Verhandlungen um Dembele waren zäh, die Entscheidung fiel erst spät. Bei wichtigen Fragen in allen sportlichen Belangen vertraut Watzke nur auf seine engsten Vertrauten, seinen "inner Circle". Dazu zählte er neben seinem "kongenialen Manager" Michael Zorc auch Dortmunds Marketing-Chef Carsten Cramer, die Juristen Thilo Igwecks und Robin Steden - und Sohn Andre, den er als seinen wichtigsten Berater bezeichnete. 

"Diese Menschen dürfen mir auch mal richtig die Meinung geigen", erklärte Watzke. Aber am Ende muss immer noch Watzke alleine die Verantwortung tragen. Und er wird es wohl noch länger tun. Denn wenn eine Saison wie die letzte ihn nicht klein kriegen kann, dann wird es wohl so schnell auch keine andere tun.