„Muddy Angel Run“: Veranstalter spendet kaum Geld für Krebsvorsorge

Die Macher des Schlammlaufs werben damit, sich für einen guten Zweck engagieren.

Am 16. und 17. September werden zahlreiche Frauen nach Köln strömen, um sich in pinken T-Shirts im Dreck zu wälzen. „Muddy Angel Run“ nennt sich das Event, ein Schlammlauf – nach Vorbild ähnlicher Läufe – exklusiv für Frauen.

Eigentlich wäre Susanne Koch gerne dabei gewesen: Auf der Website und in Sozialen Netzwerken machen sich die Veranstalter für Brustkrebs-Vorsorge stark und Koch ging davon aus, mit dem Lauf etwas Gutes tun zu können. „Ich dachte, dass die Teilnahmegebühr gespendet wird“, erzählt sie. Auf der Internetseite hätte sie dann aber festgestellt, dass die Gebühr, aktuell immerhin 56 Euro, fast vollständig an den Veranstalter geht.

Nur einen Euro für den guten Zweck

Lediglich ein Euro pro Starterin wird – seit März 2017 – an die „Brustkrebs Deutschland e.V.“ gespendet. Bald soll noch ein Euro pro Merchandise-Produkt hinzukommen. Wer die Brustkrebs-Hilfe darüber hinaus finanziell unterstützen möchte, muss separat spenden.

Koch ist irritiert – und verärgert. „Wenn das klar kommuniziert würde, wäre das ja kein Problem. Aber ich habe die Veranstaltungswerbung verschiedenen Leuten gezeigt und alle dachten, sie würden durch den Lauf eine aktive Unterstützung gegen Brustkrebs leisten. Ein symbolischer Euro ist schön, aber nicht viel.“

Für Frauen, die Gutes tun wollen

Der Muddy Angel Run, der von der „Xletix GmbH“ veranstaltet wird, nennt sich auf seiner Website „Europas 5 Km Schlammlauf (Mud Run) für Frauen aller Fitnesslevels, die Gutes tun und dabei Spaß haben möchten“. Als Motto steht „Gutes tun und dabei dreckig aussehen“ darunter. An anderer Stelle der Website findet sich der Slogan „Krebs kämpft dreckig – das können wir auch“. Auch die Unterzeile „gegen Brustkrebs“ in der Facebook-Werbung irritiert Koch, lässt sie sich doch leicht so verstehen, als handle es sich um eine wohltätige Veranstaltung.

Das Gute, das der Muddy Angel Run bewirken soll, gliedert sich laut Veranstalter in drei Aspekte: Zum einen klärt die „Brustkrebs Deutschland e.V.“ als Partner des Laufs auf dessen Veranstaltungen über Brustkrebs-Prävention auf. Der Lauf solle außerdem „Anreize für einen aktiven Lebensstil“ und „eine Plattform für Spenden für weitergehendes Engagement“ bieten, so Xletix-Geschäftsführer Jannis Bandorski.

Moralisch nicht okay

Mehr als 80.000 Euro an Spenden seien bereits zusammengekommen. „Ich will auch nicht die Organisation in Abrede stellen“, sagt Koch. „Das ist eine gute Sache. Ich finde es nur moralisch nicht okay, zu suggerieren, dass die Teilnahmegebühr gespendet wird.“ Die etwa zehn Frauen, denen sich Koch für den Lauf anschließen wollte, glaubten das noch immer.

„Man muss, wie immer im Leben, gut hingucken“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. Auf der Muddy-Angel-Website könne man jedoch nachlesen, wie der Teilnahmebeitrag verwendet würde. Sollten sich die Beschwerden beim Veranstalter häufen, sei es aber sinnvoll, das Thema dort klarer darzustellen.

Veranstalter offen für Kritik und Vorschläge

Der Veranstalter „Xletix“ räumt ein, dass ihn bereits Reaktionen von Frauen erreicht haben, die die Vermarktung als irreführend empfänden. Dies treffe jedoch auf weniger als ein Prozent der Teilnehmerinnen zu. Man sei dennoch gewillt, sich mit Kritik auseinanderzusetzen: „Wir sind lernbereit und passen Formulierungen sehr gern an, wenn dies dazu führt, dass noch weniger Menschen sie missverstehen“, sagt Bandorski. „Wir sind bemüht, auch in Zukunft klar zu kommunizieren und können hier sicher noch besser werden. Für Vorschläge sind wir offen.“

Als Reaktion auf Kochs Kritik haben die Veranstalter den Text auf ihrer Website aktualisiert und konkretisiert. Bei ihrer Vermarktung von „Irreführung“ zu sprechen finden sie allerdings „in keiner Weise gerechtfertigt, unfair und schlicht falsch“.

Nur Marketing-Strategie?

Das Engagement gegen Brustkrebs bestehe aus verschiedenen Aspekten. Die Gewichtung dieser Bausteine möge zwar unterschiedlich bewertet werden. „Unsere Recherchen und Gespräche haben jedoch ergeben, dass wir durch den Fokus auf Kommunikation und Motivation zu einem aktiven Lebenswandel einen signifikanten und sinnvollen Beitrag leisten können.“

Koch hat selbst Sport studiert; weiß, dass er in der Prävention viel bewirken kann. Sie unterstützt diesen Ansatz. Dennoch geht ihr das Engagement der Veranstalter noch nicht weit genug: „So ist das vor allem eine Marketing-Strategie. Es sollte ein höheres finanzielles Engagement sichtbar werden.“...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta