Irland macht bei Posten des EZB-Vize-Präsidenten Weg für Spanier de Guindos frei

Der frühere spanische Finanzminister Luis de Guindos wird die neue Nummer zwei bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Staats- und Regierungschefs der EU stimmten am Donnerstag bei ihrem Gipfeltreffen in Brüssel der Ernennung zu

Freie Bahn für Spanien: Die irische Regierung hat am Montag ihren Kandidaten für den Posten des Vize-Präsidenten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückgezogen. Beim Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel blieb damit nur noch der spanische Finanzminister Luis de Guindos im Rennen um den Posten. Die Personalie dürfte auch erste Weichen für die Nachfolge von EZB-Präsident Mario Draghi stellen.

Der irische Finanzminister Paschal Donohoe kündigte vor dem Treffen der Eurogruppe überraschend an, er nehme die Kandidatur des Präsidenten der irischen Zentralbank, Philip Lane, zurück. Er begründete dies damit, dass diese wichtige Personalentscheidung "im Konsens" getroffen werden sollte.

Bei dem Posten geht es um die Nachfolge des Portugiesen Vítor Constâncio, dessen Mandat im Mai endet. Entscheiden müssen über die Personalie letztlich die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfel im März.

Der irische Zentralbanker Lane hatte vergangene Woche starke Unterstützung aus dem Europaparlament bekommen. Gegen de Guindos gibt es dort Vorbehalte, weil er keine Erfahrung in einer Zentralbank hat.

Allerdings ist der 58-Jährige ein Veteran in der Eurogruppe. Er ist schon seit Ende 2011 Spaniens Finanzminister und hat damit hautnah die Finanzkrise miterlebt, die auch sein Land in schwere Turbulenzen brachte. 2015 hatte sich der Spanier erfolglos für den Posten des Vorsitzenden der Eurogruppe beworben.

Deutschland hatte sich in der Personalie bisher bedeckt gehalten. Nach dem Rückzug Lanes kam klare Unterstützung für de Guindos von Bundesfinanzminister Peter Altmaier (CDU). "Ich glaube, das wäre eine vortreffliche Wahl", sagte er in Brüssel. Nach einer Entscheidung in der Eurogruppe müssten dann noch die Finanzminister aller 28 EU-Staaten den Vorschlag billigen, bevor die Staats- und Regierungschefs am Zuge sind.

Über die Nachfolge für EZB-Chef Draghi wird dann im kommenden Jahr entschieden werden. Sein Mandat endet am 31. Oktober 2019. Als möglicher Kandidat gilt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Seine Chancen dürften sich durch eine Wahl von de Guindos erhöhen, da der Vize-Posten bei der EZB dann weiter in der Hand eines südeuropäischen Landes liegen würde. Anders als bisher dürften die nördlichen Euro-Länder an der Spitze der Zentralbank dann auf einen Kandidaten aus ihren Reihen dringen.

Beraten werden die Euro-Finanzminister auch über die Auszahlung der nächsten Hilfstranche an Griechenland. Dabei geht es um einen Betrag von 6,7 Milliarden Euro. Eigentlich hatten die Finanzminister schon bei ihrem letzten Treffen am 22. Januar grundsätzlich grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche gegeben, wenn Athen einige noch ausstehende Reformen erledigt. Dies erwies sich jedoch als langwieriger als angenommen.

Weiteres Thema ist die Reform der Eurozone und die mögliche Umwandlung des Euro-Rettungsfonds ESM in einen Europäischen Währungsfonds. Dabei geht es zunächst um die möglichen Aufgaben der neuen Institution. Entscheidungen sollen Mitte des Jahres fallen.