Iranische Regierung bemüht sich um schnelle Hilfe für Erdbebenopfer

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Iraner ruht sich von Rettungsarbeiten aus

Zehntausende Iraner mussten nach dem schweren Erdbeben von Sonntagabend erneut im Freien übernachten, da ihre Wohnhäuser zerstört oder so schwer beschädigt waren, dass sie nicht dorthin zurück konnten

Angesichts des nahenden Winters bemüht sich die iranische Regierung, den Opfern des schweren Erdbebens vom Sonntag schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen. Während erneut zehntausende Menschen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Freien übernachteten, sicherte Präsident Hassan Ruhani am Dienstag einen raschen Wiederaufbau des Erdbebengebiets zu. In der besonders schwer getroffenen Stadt Sarpol-e Sahab dauerte die Suche nach Überlebenden an.

Die Regierung werde "schnellstmöglich" auf die Not der Erdbebenopfer reagieren, versicherte Ruhani am Dienstagmorgen in der Provinzhauptstadt Kermanschah. Er habe das Militär, alle Regierungsstellen und Hilfsorganisationen zur Zusammenarbeit aufgerufen. Die Leitung des Wiederaufbaus werde die Stiftung für Wohnungsbau haben, sagte der Präsident.

In der 85.000-Einwohner-Stadt Sarpol-e Sahab liegen zahlreiche Wohnhäuser komplett in Trümmern, bei anderen stürzten die Fassaden ein. Rettungsteams suchten in der Stadt nahe der irakischen Grenze mit Spürhunden nach Überlebenden. Die Straßen der Stadt waren voller Autos, da Bewohner umliegender Städte herbeieilten, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen und Decken oder Wasser zu verteilen. Auf Grünflächen kampierten Einwohner, die kein Dach über dem Kopf mehr haben. "Wir brauchen ein Zelt und Decken, um die Nacht durchzustehen", sagte die 24-jährige Mutter Schima Marijam Kiani.

In dem Erdbebengebiet an der iranisch-irakischen Grenze verbrachten erneut zehntausende Menschen die Nacht im Freien, während die Temperaturen in den Bergen sich dem Gefrierpunkt nähern. Der Leiter der iranischen Rettungskräfte, Pir Hossein Kooliwand, sagte, das Wichtigste sei nun die Versorgung der Opfer mit Unterkünften, Heizung und Nahrungsmitteln.

Im Iran stieg die Zahl der Toten nach Angaben der Behörden bis Dienstag auf 432, mehr als 7400 Menschen wurden verletzt. Am schwersten betroffen war Sarpol-e Sahab, wo allein mindestens 280 Menschen ums Leben kamen. Im benachbarten Irak starben laut dem Roten Halbmond neun Menschen, rund 330 trugen Verletzungen davon.

Nach offiziellen Schätzungen wurden im Iran 15.000 Wohnhäuser zerstört und ebenso viele beschädigt. Sieben Städte und knapp 2000 Dörfer wurden verwüstet. Neu gebaute Häuser hätten dem Erdbeben gut standgehalten, alte Lehmhäuser seien aber "völlig zerstört", sagte der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, General Mohammed Ali Dschafari.

Das Erdbeben am Sonntagabend hatte eine Stärke von 7,3, das Epizentrum lag etwa 50 Kilometer nördlich von Sarpol-e Sahab. Mehr als 150 Nachbeben wurden gezählt. Im Iran gibt es regelmäßig Erdstöße. So starben im Juni 1990 bei einem Erdbeben im Norden des Landes 40.000 Menschen, im Dezember 2003 gab es im südiranischen Bam 31.000 Tote.

Laut den Staatsmedien wurden 30 Teams des Roten Halbmonds in das Katastrophengebiet entsandt. Auch schickte die Regierung 22.000 Zelte, 52.000 Decken sowie 17 Tonnen Reis und 100.000 Konserven. Die Wasser- und Stromversorgung wurde schrittweise wieder hergestellt, doch waren die Hilfsbemühungen laut den Medien noch längst nicht ausreichend.

Für Dienstag ordnete die iranische Regierung einen Tag der Trauer an. Das Staatsfernsehen zeigte eine Trauerbanderole, während die Regierungszeitung "Iran" in Solidarität mit den Opfern in der mehrheitlich kurdischen Region auf Kurdisch titelte: "Der Iran weint mit Kermanschah." Die Fußball-Legende Ali Daei startete eine Initiative, um Lebensmittel und Decken zu sammeln.