Iranische Justiz dementiert Bericht über rasche Freilassung von Britin

Nazanin Zaghari-Ratcliffe war im April 2016 mit ihrer Tochter nach einem Besuch bei Verwandten im Iran festgenommen und wegen "Volksverhetzung" zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. London setzt sich bisher vergeblich für ihre Freilassung ein

Die iranische Justiz hat Berichte über die bevorstehende Freilassung einer iranisch-britischen Staatsbürgerin dementiert, die seit April 2016 im Iran inhaftiert ist. Der Teheraner Justizchef Gholamhossein Esmaili sagte am Freitag, Nazanin Zaghari-Ratcliffe könne nicht freigelassen werden, bevor ihr Verfahren wegen zusätzlicher Vorwürfe der "Propaganda" nicht abgeschlossen sei. Dieses Verfahren habe noch gar nicht begonnen.

Die Mitarbeiterin der Thomson Reuters Foundation war wegen "Volksverhetzung" zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Ihr Ehemann Richard Ratcliffe hatte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag gesagt, laut einem Anwalt seiner Frau stehe diese vor der vorzeitigen Freilassung. Es gebe noch einige Formalitäten zu erledigen, doch werde sie "in Tagen oder Wochen" frei sein, womöglich noch vor Weihnachten.

Esmaili sagte nun aber, in dem ersten Verfahren wegen des Vorwurfs der "Volksverhetzung" sei Zaghari-Ratcliffe verurteilt, doch stehe im zweiten Verfahren wegen "Propaganda" das Urteil noch aus. "Das Gericht kann sie verurteilen oder freisprechen. Wenn sie verurteilt wird, wissen wir nicht, was das Urteil ist. Daher wissen wir auch nicht, wann sie freigelassen werden kann", sagte Esmaili der justiznahen Nachrichtenagentur Misan.

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte sich im November in Teheran für die Freilassung Zaghari-Ratcliffes eingesetzt. Dabei sorgte er mit der Bemerkung für Aufsehen, Zaghari-Ratcliffe habe im Iran Journalisten ausgebildet. Später sprach er von einem "Versprecher". Die Justiz wirft ihr vor, an Protesten 2009 beteiligt gewesen zu sein. Sie war am Teheraner Flughafen festgenommen worden, nachdem sie Verwandte besucht hatte.