Iran zeigt angebliches Spionage-Geständnis von zum Tode verurteilten Forscher

Das iranische Staatsfernsehen hat ein angebliches Geständnis des wegen Spionage zum Tode verurteilten Wissenschaftlers Ahmadresa Dschalali ausgestrahlt. In dem 17-minütigen Beitrag, der vom Geheimdienstministerium vorbereitet wurde, bestätigte der Mediziner die Vorwürfe der Justiz gegen ihn: Er habe ausländischen Geheimdiensten Informationen über zwei iranische Atomforscher ausgehändigt, die später ermordet worden waren. In dem Filmbeitrag vom Sonntagabend wird Dschalali als Verräter und Zuträger des israelischen Geheimdienstes Mossad bezeichnet.

In wie weit die Aussagen unter Zwang zustande kamen, ließ sich nicht feststellen. Früher hatte Dschalali die Spionage-Vorwürfe zurückgewiesen und argumentiert, Irans Geheimdienste wollten sich an ihm rächen, weil er während seines Europa-Aufenthalts eine Zusammenarbeit mit ihnen abgelehnt habe. Vor seiner Festnahme im Iran im August 2016 war der Notfallmediziner Dschalali Gastprofessor an der Vrije Universiteit in Brüssel.

Im Oktober war Dschalali zum Tode verurteilt worden, das Oberste Gericht bestätigte inzwischen das Urteil. Die EU kritisierte es scharf und steht nach eigenen Angaben wegen des Falls in Kontakt mit den iranischen Behörden, wie eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Montag in Brüssel sagte.

In den Jahren 2010 bis 2012 waren im Iran fünf Wissenschaftler bei Bombenanschlägen und bewaffneten Angriffen ums Leben gekommen. Die Islamische Republik warf Israel und den USA vor, hinter den Taten zu stecken. Dschalali wurde vorgehalten, dem Mossad Informationen zugeleitet zu haben, die damals zur Ermordung der beiden iranischen Atomwissenschaftler Madschid Schahriari und Masud Ali Mohammadi durch einen Bombenanschlag geführt hätten.