Iran: Untergräbt Telegram die Nationalwährung?

Fabian Kaul

Der Messenger-Dienst Telegram konnte über zwei Finanzierungsrunden im Februar und April dieses Jahres Rekordeinnahmen in Höhe von 1,7 Milliarden US-Dollar erzielen. Sie wollen damit den Aufbau der eigenen TON-Blockchain und der Kryptowährung Gram finanzieren. Damit will sich das Unternehmen im Bereich E-Commerce etablieren. Diese Pläne stoßen bei iranischen Politikern jedoch auf Kritik und Stimmen zu einem Telegram-Verbot werden laut.

Laut einigen Politikern stellen der Initial Coin Offering und die damit verbundenen Pläne des Messaging-Dienstes eine Gefahr für die iranische Wirtschaft dar. Solche Kritik äußert etwa Hassan Firouzabadi vom iranischen High Council for Cyberspace.

„Telegram hat offiziell verkündet, dass es als Wirtschaftsplattform genutzt werden soll und Telegram wird die Nationalwährung des Iran untergraben.“

Weiter nennt Firouzabadi Telegram einen „Feind des privaten Sektors“. Andere Töne schlägt dagegen der iranische Präsident Hassan Rouhani an. Laut Rouhani plane das Land kein Verbot des beliebten Messengers. Ziel sei es vielmehr, iranische Alternativen zu Telegram zu entwickeln:

„Das Ziel, iranische Software und Messaging-Apps zu entwickeln und zu etablieren, sollte nicht dafür genutzt werden, den Zugang [zu anderen Apps] zu blockieren, sondern [das Ziel] sollte die Zerschlagung von Monopolen sein.“

Zwei Mitglieder des iranischen Parlaments äußerten sich ebenfalls gegen ein Verbot von Telegram. Dadurch würde die Spaltung zwischen Bevölkerung und Politik vorangetrieben und das Misstrauen in die Politik steigen.

Der Iran und Telegram

Das Verhältnis zwischen Telegram und der iranischen Regierung ist bereits seit Längerem angespannt. So hat das Unternehmen als einer der beliebtesten Messaging-Dienste im Land bei den regimekritischen Demonstrationen zum Jahreswechsel eine wichtige Rolle gespielt. Über den Dienst wurden Videos und Bilder der Proteste im In- und Ausland verbreitet. Bereits damals stand ein Verbot der App zur Diskussion. Nahe liegt die Vermutung, dass einige iranische Politiker den ICO nur als Vorwand für ein Verbot nutzen.

Auch gilt die Kritik nicht ICOs, Blockchains oder Kryptowährungen generell, sondern bezieht sich auf eine mögliche Monopolstellung des Messaging Dienstes. Das mag ein schwacher Trost für das Unternehmen sein, aber auf ein krypto-feindliches Klima im Iran lässt sich damit nicht schließen. Selbst dann nicht, wenn das Telegram-Verbot wirklich durchgesetzt wird.

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Source: BTC-ECHO

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