Iran steigert die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent

Marc JOURDIER
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Unterirdische Atomanlage in Fordo

In einem klaren Verstoß gegen das internationale Atomabkommen hat der Iran die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent gesteigert. Die Schwelle sei am Montagabend (Ortszeit) erreicht worden, sagte der Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi, in einem am Dienstag im staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Interview. Die EU erklärte, dennoch an dem 2015 geschlossenen Akommen festhalten zu wollen.

Trotz dieses "bedauernswerten" Schrittes der Regierung in Teheran seien "wichtige Elemente" des Vertrages weiterhin in Kraft, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Dienstes der EU am Dienstag in Brüssel. Der Uran-Anreicherungsprozess wurde nach iranischen Regierungsangaben am Montag in der unterirdischen Atomanlage Fordo rund 180 Kilometer südlich von Teheran in Gang gesetzt.

Das iranische Parlament hatte zuvor ein Gesetz verabschiedet, das die Produktion und Lagerung von "mindestens 120 Kilogramm 20-prozentig angereichertem Uran pro Jahr" vorsieht. Laut einem im November veröffentlichten Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte Teheran zuletzt Uran auf einen Wert angereichert, der über dem Grenzwert des internationalen Atomabkommens von 3,67 Prozent liegt, aber nicht die Grenze von 4,5 Prozent überschritt. Außerdem erlaubte das Land die in dem Abkommen vorgesehenen strengen Kontrollen der IAEA.

Das internationale Atomabkommen von 2015 soll sicherstellen, dass der Iran nicht die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe erlangt. US-Präsident Donald Trump hatte die von ihm als unzulänglich betrachtete Vereinbarung jedoch im Mai 2018 aufgekündigt und danach neue Sanktionen gegen Teheran in Kraft setzen lassen. Seitdem hat sich auch der Iran schrittweise aus dem Abkommen zurückgezogen.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif kritisierte, dass das Abkommen zunächst von anderer Seite nicht eingehalten worden sei. "Unsere Maßnahmen können zurückgenommen werden, wenn sich alle Seiten an das Abkommen halten", erklärte Sarif.

Ungeklärt war am Dienstag der Ausgang eines Konflikts zwischen Südkorea und dem Iran um die Festsetzung eines Tankers. Nachdem die iranischen Revolutionsgarden in der Golfregion einen südkoreanischen Tanker beschlagnahmt hatten, entsandte Südkorea den Zerstörer "Choi Young" dorthin. Die iranische Regierung warf Südkorea unterdessen vor, dass sie im Zuge der von den USA verhängten Sanktionen umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro als "Geisel" genommen habe.

Der Zerstörer sei mit seiner 300-köpfigen Besatzung, die auf den Kampf gegen Piraterie spezialisiert sei, in den Gewässern an der Straße von Hormus eingetroffen, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Seoul mit. Die Aufgabe des Zerstörers sei es, die "Sicherheit unserer Staatsbürger zu gewährleisten".

Das Kriegsschiff sei seit Ende vergangenen Jahres in der Region, an eine offensive Aktion sei nicht gedacht, sagte ein nicht genannter Militärsprecher der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. "Diese Frage sollte diplomatisch gelöst werden."

Das südkoreanische Außenministerium teilte derweil mit, es werde "schnellstmöglich" eine Delegation nach Teheran entsandt, um in bilateralen Verhandlungen die Freilassung des Tankers und der 20 Besatzungsmitglieder zu erreichen. Die iranischen Revolutionsgarden hatten den südkoreanischen Tanker "Hankuk Chemi" am Montag mit der Begründung beschlagnahmt, er habe "wiederholt" gegen Umweltauflagen verstoßen. Die Besatzungsmitglieder stammen nach Angaben der Revolutionsgarden aus Südkorea, Indonesien, Vietnam und Myanmar.

Die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung Wha äußerte sich nicht zu Spekulationen, der Iran wolle durch die Beschlagnahme des Tankers erreichen, dass Südkorea die eingefrorenen Guthaben freigibt. "Wir müssen erst die Fakten verifizieren und die Sicherheit der Crew garantieren", sagte Kang. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars wurde die "Hankuk Chemi" im Persischen Golf festgesetzt und "in die Häfen unseres Landes" gebracht. Der Tanker hatte demnach 7200 Tonnen petrochemische Produkte geladen.

ao/ju