Iraks Kurdengebiete nach dem Referendum: Zentralregierung fordert Übergabe der Flughäfen

Beim Referendum dürfte eine überwältigende Mehrheit der Kurden im Nordirak für die Unabhängigkeit gestimmt haben. Ersten Auszählungen deuteten darauf hin, dass mehr als 90 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit gestimmt haben,

so die Wahlommission.

Referendum im kurdischen Teil des Iraks: Mehrheit der Kurden stimmt für die Unabhängigkeit https://t.co/iIaEduGJez— Süddeutsche Zeitung (@SZ) 26 septembre 2017

Schon am Montagabend hatten die Menschen in Iraks Kurdengebieten nach der umstrittenen Abstimmung ausgelassen auf der Straße gefeiert.

Autos fuhren hupend durch die kurdische Regionalhauptstadt Erbil, jubelnde Menschen lehnten sich bei voller Fahrt waghalsig aus Fenstern und geöffneten Schiebedächern, um rot-weiß-grüne kurdische Fahnen zu schwenken.

Andere tanzten zu lauter Musik auf den Bürgersteigen, Feuerwerk stieg auf, Freudenschüsse waren zu hören.

Aber Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi will das Ergebnis des Referendums nicht anerkennen.

“Eine der Entscheidungen des Ministerrates war heute die Kontrolle über die Grenzübergänge (zu übernehmen), auch an den Flughäfen, in der (kurdischen) Region und in der föderalen Republik Irak. Der nationale Sicherheitsrat hatte diese Entscheidung schon vorher erlassen, aber heute hat der Ministerrat das zur Pflicht gemacht. Das betrifft alle Grenzübergänge und die Aussetzung aller Auslandsflüge von und zur (kurdischen) Region, einschließlich der Verbindungen zu den Flughäfen Erbil und Suleimaniyah.”

Die kurdische Autonomieregierung in Erbil habe bis Freitag Zeit, die Kontrolle der Flughäfen zu

übergeben, so Haidar al-Abadi. Wenn nicht, werde das Flugverbot über die Flughäfen im Norden des Landes verhängt.

Der Flughafen Erbil wird von der kurdischen Regionalregierung im Nordirak verwaltet. Daneben gibt es in der Autonomen Region Kurdistan noch Sulaimaniyya als internationalen Flughafen.

Kurden-Referendum im Irak: Autonom, aber allein https://t.co/SnIPchePON #DieNachrichten— Methone (@Methone) 26 septembre 2017

Kurden-Präsident Massud Barsani erklärte in einer Fernsehansprache

einen Sieg der Ja-Stimmen beim Referendum, berichtete die kurdische

Nachrichtenseite Rudaw. Er forderte die

Zentralregierung in Bagdad und die Nachbarländer auf, den Willen des

kurdischen Volkes zu respektieren. Mit Ausnahme Israels gibt es keinen Staat, der bereit wäre, ein unabhängiges Irakisch-Kurdistan anzuerkennen.

Kurdish language and its dialects. pic.twitter.com/fR9XJnxYmd— Hawar Shafeq (@hawar_shafeq) 29 août 2017

su mit dpa