Irakische Streitkräfte rücken bis an Rand von Tal Afar vor

Irakischer Panzer vor Tal Afar

Einen Tag nach dem Start ihrer Offensive auf Tal Afar sind die irakischen Streitkräfte bis an den Rand der von der Dschihadistenmiliz IS kontrollierten Stadt vorgerückt. Das Milizenbündnis Hasched al-Schaabi teilte am Montag mit, es sei bis in die Vororte der nordirakischen Stadt vorgestoßen. Die Bundespolizei erklärte ihrerseits, sie habe vier Dörfer westlich von Tal Afar eingenommen. Die Streitkräfte wollen die Stadt in Kürze ganz umzingelt haben.

Vor ihrer Eroberung durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) 2014 lebten in Tal Afar rund 200.000 vorwiegend schiitische Turkmenen. An der Offensive sind die Armee, die Bundespolizei, Spezialkräfte sowie 20.000 Kämpfer der paramilitärischen Hasched-al-Schaabi-Einheiten beteiligt, die vorwiegend aus schiitischen Milizen bestehen, die vom Iran unterstützt werden.

Tal Afar liegt 70 Kilometer westlich der Großstadt Mossul, die Anfang Juli nach langen Kämpfen von der Armee zurückerobert worden war. Der Kommandeur der Anti-IS-Koalition Stephen Townsend sagte, die Schlacht um Tal Afar sei ein weiterer wichtiger Schritt zur vollständigen Vertreibung der Dschihadisten aus dem Irak. Die US-geführte Koalition unterstützt die Offensive auf Tal Afar mit Luftangriffen.

Die UN-Koordinatorin für die Hilfseinsätze im Irak, Lise Grande, äußerte sich aber "sehr besorgt" angesichts der Gefahren für die verbliebenen Zivilisten in Tal Afar. Sie rief alle Kampfparteien auf, alles Nötige zu tun, um zivile Opfer zu vermeiden. Schätzungen der Anti-IS-Koalition zufolge leben noch 10.000 bis 50.000 Zivilisten in Tal Afar. Zudem sollen sich dort etwa tausend IS-Kämpfer verschanzt haben.

Außer Tal Afar kontrolliert die sunnitische Extremistengruppe im Irak nur noch die Stadt Hawija sowie Teile der Wüstenprovinz Al-Anbar westlich von Bagdad. Die Armee warf in der Nacht zu Montag Flugblätter über der Region Rawa sowie der Stadt Hawija ab, in denen die Einwohner aufgefordert werden, "sich vorzubereiten", da die Rückeroberung der Stadt das nächste Ziel der Armee sei.