Irak-Wahlen nach dem IS-Terror: Niederlage für die Kurden, Sieg für das Land?

Lennart Pfahler
Ein Kämpfer der al-Haschd asch-Schaʿbī-Miliz vor schiitischen Motiven in Bagdad.

Dilan lacht. Das schwarze Haar fällt ihr immer wieder ins Gesicht, als sie die vielen kleinen Treppenstufen zum Tempel von Lalisch hinaufspurtet.

Für die Jesiden ist die kleine Siedlung im Nordirak die heiligste aller Städte. Ein Tal, das seit ihnen Jahrhunderten Hoffnung gibt, auch in ihrer vielleicht dunkelsten Stunde, als vor vier Jahren die Terror-Miliz IS in das Land einfiel.

Dilan war 13 Jahre alt in jenem August 2014. In Sindschar, keine drei Autostunden von Lalisch entfernt, überrannten die Dschihadisten die kurdischen Peschmerga-Stellungen in der Nacht. Tausende starben, rund 50.000 Jesiden konnten fliehen. Erst in die Berge, dann auch nach Lalisch.

Vom Feldzug des IS ist nicht mehr viel zu spüren

Heute wirken die Bilder der spektakulären Helikopter-Rettungen durch die US-Air-Force, als seien sie in einem anderen Land aufgenommen worden. Von der Angst, die auch in Lalisch herrschte, die Angst vor dem schier unaufhaltsam scheinenden Eroberungsfeldzug des IS, ist nicht mehr viel zu spüren.

Dilan und ihre Freunde schießen Selfies. Sie kichern. Alles ist so wunderbar normal. Doch – auch das gehört zur Wahrheit: Der Frieden im Irak ist fragil.

Noch immer ist der IS in der Region aktiv, noch ist das politische Establishment weit davon entfernt, Stabilität zu garantieren. Der Irak ist tief gespalten: zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden.

Am Samstag wählen die Iraker ein neues Parlament. Es sind die vierten Wahlen seit dem Sturz Saddam Husseins – die ersten nach dem Sieg über den IS.

Und trotz der vielen Sorgen ist die Abstimmung eine historische Chance, dem Land Sicherheit und Einheit zu bringen. Die Menschen hoffen auf Normalität – wie sie in Lalisch bereits eingekehrt zu sein scheint.

Ein kurdischer Mann zwischen jungen Jesidinnen in Lalisch, Foto: Lennart Pfahler.

Es brodelt in Bagdad

Auch in der Landeshauptstadt...

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