Irak verkündet Rückeroberung von IS-Bastion Hawidscha

Zwei Wochen nach Start ihrer Offensive auf die IS-Bastion Hawidscha haben die irakische Armee und verbündete Milizen die Stadt von den Dschihadisten "befreit", wie Regierungschef Haider al-Abadi mitteilte

Nach zweiwöchigen Kämpfen haben die irakischen Streitkräfte die IS-Bastion Hawidscha vollständig zurückerobert. Die ganze Stadt sei von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) "befreit" worden, verkündete Iraks Regierungschef Haider al-Abadi am Donnerstag bei einem Besuch in Paris. Nach der Einnahme von Hawidscha verbleibe nur noch ein Gebiet an der Grenze zu Syrien in der Hand der IS-Miliz.

Die Stadt war seit der US-Invasion 2003 eine Hochburg sunnitischer Aufständischer. Ihr erbitterter Widerstand gegen die schiitisch dominierte Regierung in Bagdad und die Kurden brachte ihr bald den Beinamen "Kandahar in Irak" ein in Anspielung auf die südafghanische Stadt, die die historische Hauptstadt der islamistischen Taliban-Bewegung ist.

Die Kämpfe um die Stadt trieben in den vergangenen Wochen tausende Einwohner in die Flucht. Nach UN-Angaben flohen seit Beginn der Armeeoffensive Mitte September schätzungsweise 12.500 Menschen aus Hawidscha. Viele kamen in hastig errichteten Lagern nahe der Stadt unter. Es halten sich aber noch bis zu 78.000 Menschen in der Stadt auf.

Die Armee hatte vergangenes Jahr bei ihrer Offensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul zunächst einen Bogen um Hawidscha gemacht. Erst nachdem sie im Juli nach erbitterten Gefechten Mossul unter ihre Kontrolle gebracht hatte, startete die Armee eine Offensive auf die Stadt. Ihre Einnahme ist nun ein symbolischer und strategischer Erfolg für Bagdad.

"Dies ist ein Sieg nicht nur für die Iraker, sondern für die ganze Welt", sagte der irakische Ministerpräsident al-Abadi. Ein Sprecher der internationalen Anti-IS-Koalition sagte, die Einnahme von Hawidscha sei ein wichtiger Schritt zur Befreiung des ganzen irakischen Territoriums. Die IS-Miliz kontrolliert nun im Irak nur noch einige Ortschaften im Euphrat-Tal an der Grenze zu Syrien.

Die Dschihadisten hatten im Juni 2014 bei einer Blitzoffensive die Großstadt Mossul und weite Gebiete im Norden und Zentrum des Landes erobert, ohne auf nennenswerten Widerstand der Armee zu stoßen. Mit internationaler Unterstützung gelang es der Armee und verbündeten kurdischen und schiitischen Milizen aber, die Dschihadisten nach und nach zurückzudrängen.

Nachdem die Armee die Städte Falludscha, Ramadi und Tikrit erobert hatte, startete sie nach langer Vorbereitung auch eine Großoffensive auf Mossul. Anfang Juli gelang es der Armee nach monatelangen Kämpfen, die Großstadt vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Seitdem wurden die Dschihadisten auch aus weiteren Städten wie Tal Afar vertrieben.

Vergangene Woche verlor die IS-Miliz zudem die Stadt Anna im Euphrat-Tal. Es bleiben ihr damit nur noch die Ortschaften Rawa und Al-Kaim in der Region. Ein Armeevertreter sagte, es seien fast tausend Minen und Sprengfallen in Anna beseitigt worden.

Auch in Syrien steht die IS-Miliz unter massivem Druck. Der Verlust ihrer einstigen Hauptstadt Raka ist offenbar nur noch eine Frage der Zeit und auch in der östlichen Provinz Deir Essor verliert sie an Boden. Experten warnen, dass die IS-Miliz auch weiter Anschläge verüben werde, doch mit ihrem Ziel, einen eigenen "islamischen Staat" aufzubauen, ist sie vorerst gescheitert.