China warnt vor möglicher Mutation von neuartigem Coronavirus

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Passagiere mit Schutzmasken in der Pekinger U-Bahn

China warnt vor einer möglichen Mutation des neuartigen Coronavirus, das sich weiter rasant ausbreitet und an dem bereits mindestens neun Menschen gestorben sind. Mittlerweile sind in der Volksrepublik mindestens 440 Menschen infiziert, weitere 1394 stehen unter Beobachtung, wie Vize-Gesundheitsminister Li Bin am Mittwoch in Peking berichtete. Es bestehe die Gefahr, dass das Virus mutiere und sich noch stärker ausbreite. Inzwischen hat das Virus die USA erreicht. Die WHO beriet in einer Krisensitzung über die Reaktion auf das neue Virus.

Die Sorgen vor einer Ausbreitung des Virus werden durch den intensiven Reiseverkehr rund um das chinesische Neujahrsfest am kommenden Samstag gesteigert. Jedes Jahr sind zum Neujahrsfest hunderte Millionen von Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land unterwegs. Nach chinesischen Angaben ist das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar.

Die chinesische Gesundheitsbehörde kündigte verstärkte Desinfizierungen von Flughäfen und Bahnhöfen sowie in Einkaufszentren an. In der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan, von wo die Krankheit ihren Ausgang nahm, wurde eine große Feier zum chinesischen Neujahr abgesagt. Die Frauen-Fußballqualifikationsspiele für die Olympischen Spiele wurden von Wuhan nach Nangjing verlegt.

Wuhans Bürgermeister Zhou Xianwang forderte die Einwohner auf, die Stadt nicht zu verlassen. Besucher sollten Wuhan meiden, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. In vielen chinesischen Apotheken und auf Websites sind Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel bereits ausverkauft.

Am Flughafen und dem Bahnhof von Wuhan wurden Temperaturmesstationen für Passagiere eingerichtet, auch an Autobahn-Kontrollstellen sollte die Temperatur von Autofahrer gemessen werden. An fünf US-Flughäfen sowie zahlreichen Airports in ganz Asien werden Passagiere ebenfalls auf Fieber kontrolliert.

Als Ausgangspunkt des neuen Virus vom Typ 2019-nCoV gilt ein Tiermarkt in Wuhan. Forscher gehen davon aus, dass die Infektionen ursprünglich von Tieren ausging und sich das Virus anschließend von Mensch zu Mensch weiterverbreitete. Im Internet verfügbare Preislisten zeigen, dass auf dem Markt in Wuhan zahllose Tierarten von lebenden Füchsen, Krokodilen, Wolfswelpen und Ratten bis hin zur Zibetkatze verkauft wurden. Zibetkatzen waren der Ausgangspunkt für das Coronavirus Sars, dem in den Jahren 2002 und 2003 fast 650 Menschen in China und Hongkong zum Opfer fielen.

Die WHO beriet am Mittwoch bei einer Krisensitzung in Genf über die mögliche Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands. Die EU-Kommission versicherte unterdessen, sie sei für den Fall einer Ausbreitung des Virus nach Europa gewappnet.

Eine erster Krankheitsfall durch den neuen Erreger wurde aus den USA gemeldet. Das Virus wurde bei einem in Seattle im nordwestlichen Bundesstaat Washington lebenden Mann nachgewiesen, der zuvor nach Wuhan gereist war. Nach Behördenangaben geht es dem Patienten den Umständen entsprechend gut.

Auch die chinesische Sonderverwaltungszone Macau meldete einen ersten Fall. Einzelne Fälle von Erkrankungen durch den neuartigen Virus waren zuvor bereits aus Thailand, Japan, Südkorea und Taiwan gemeldet worden. Ein Verdachtsfall in Australien bestätigte sich nicht.