Investmentbanker wird neuer Chef der kriselnden Gütersparte der Bahn

Insgesamt fangen drei neue Vorstände bei der Bahn an

Ein Investmentbanker wird neuer Chef der kriselnden Güterverkehrssparte der Deutschen Bahn: Alexander Doll, Deutschland-Chef der britischen Barclays-Bank, leitet künftig den Bereich Güter und Logistik, wie die Bahn am Freitag mitteilte. Der Aufsichtsrat des Staatskonzerns berief zwei weitere neue Vorstände: Neuer Personalchef wird der Personalvorstand der Deutschen Telekom, Martin Seiler, Vorstand für Digitalisierung und Technik die Physikerin Sabina Jeschke.

Jeschke beginne bereits Mitte November, der neue Personalchef Seiler Anfang Januar. Wann der neue Chef der Gütersparte anfängt, teilte die Bahn nicht mit. Alle drei bekommen Verträge über drei Jahre.

Doll ist gelernter Bankkaufmann und Betriebswirt und seit 2013 Deutschland-Chef der britischen Investmentbank Barclays. Der 47-Jährige habe im Rahmen seiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit "zahlreiche nationale und internationale Transaktionen im Transport- und Logistikgeschäft verantwortet", begründete die Bahn die überraschende Wahl. In dieser Zeit habe er auch die Deutsche Bahn bei mehreren Projekten beraten. Die aktuellen Trends und Herausforderungen in der Branche seien ihm "bestens vertraut".

Die Gütersparte, lange Zeit das Sorgenkind des Konzerns, erholt sich derzeit: Die Bahn verzeichnet nach eigenen Angaben erstmals seit fünf Jahren wieder ein leichtes Wachstum im Kernmarkt Deutschland. Die Gütersparte DB Cargo will in den kommenden fünf Jahren insgesamt eine Milliarde Euro zusätzlich investieren - rund 400 Millionen Euro in neue Loks, 500 Millionen Euro in moderne Güterwagen und rund 100 Millionen Euro in die Digitalisierung. Auch mehr Personal wird gebraucht. Die Bahn betont, dass mehr Güter auf der Schiene weniger Lkw-Fahrten und damit weniger CO2 bedeuten.

Der neue Personalchef Seiler ersetzt den langjährigen Personalvorstand Ulrich Weber. Seiler ist seit Juni 2015 Arbeitsdirektor bei der Deutschen Telekom und dort verantwortlich für 70.000 Mitarbeiter, wie die Bahn erklärte. Seiler kommt von der Arbeitnehmerseite: Er bringt nach Angaben der Bahn Erfahrungen aus seiner Tätigkeit im Betriebsrat, in der Deutschen Postgewerkschaft und bei Verdi mit.

Digitalisierungsvorstand Jeschke kommt von der Rheinisch-Westfälischen Hochschule Aachen, wo sie seit mehr als acht Jahren forscht und lehrt, wie die Bahn mitteilte. Zu ihren Schwerpunkten gehörten die Bereiche Verkehr und Mobilität, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz.

Um die Besetzung der Vorstandsposten war lange gerungen worden. Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hatte deshalb mehr Unabhängigkeit von der Politik im Aufsichtsrat gefordert. In den zurückliegenden Wochen habe es immer wieder Versuche der Politik gegeben, über die Aufsichtsratsmandate Einfluss auf Personalentscheidungen: "Die permanente Einflussnahme von außen war ein echtes Problem", sagte Kirchner der "Wirtschaftswoche".

Immer wieder hätten sich Politiker für und gegen Vorstandskandidaten ausgesprochen und die Vorschläge der Findungskommission torpediert. Dies dürfe sich in den kommenden vier Jahren nicht wiederholen. "Ein Aufsichtsrat hat die Aufgabe, im Interesse und zum Wohle des Unternehmens zu agieren", sagte Kirchner der "Wirtschaftswoche". Politiker im Aufsichtsrat seien "immer wieder mit unauflöslichen Interessenkonflikten konfrontiert".

Bahn-Chef Richard Lutz erklärte am Freitag, er freue sich sehr, dass das neue Vorstandsteam nun vollständig sei. Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht nannte die Personalentscheidungen eine wichtige Weichenstellung für die erfolgreiche Zukunft der Bahn.

ilo /eha