Investieren mit den Nobelpreisträgern: Diese Unternehmen machen Physik zu Geld

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die diesjährige Ausgabe der Nobelpreise läuft gut für die deutschsprachige Region. Beim Physikpreis gewann das spektakuläre amerikanische Projekt zur Gravitationswellen-Detektion, wo sich Rainer Weiss unter den drei Ausgezeichneten befindet. Zudem wurde die dafür notwendige extrem sensible Lasertechnik von deutschen Forschungsinstituten beigesteuert.

Was die Chemie angeht, stammen gleich zwei der drei Prämierten von hier, und auch in diesem Fall ging es um optische bzw. bildgebende Technologie ? und daran kann jeder mitverdienen. Lies hier wie.

Investieren mit dem Physik-Nobelpreis

Die Tatsache, dass hiesige Forscher entscheidende Komponenten für so ein herausragendes Experiment geliefert haben, zeigt, dass die weltweite Spitzenstellung rund um den Laser immer noch besteht. Davon profitieren natürlich die Unternehmen, die sich im Umfeld dieser Institute angesiedelt haben.

Interessanterweise sind die Chemie- und Physik-Nobelpreise 2017 beide irgendwie mit Carl Zeiss verbunden, denn das traditionsreiche Stiftungsunternehmen samt Schott und der Abspaltung Jenoptik (WKN:622910) ist bis heute stark in der Mikroskopie, der Optik und der Lasertechnik positioniert. Investieren kann man davon allerdings nur in die Laserspezialisten aus Jena, deren Aktien sich über die letzten drei Jahre locker verdreifacht haben. Bei einer Marktkapitalisierung von 1,66 Mrd. Euro (05.10.) sind sie aber immer noch einigermaßen attraktiv bewertet, wenn man davon ausgeht, dass mittelfristig die Umsatzschwelle von 1 Mrd. Euro erreicht werden kann und davon etwa 10 % als Gewinn übrig bleiben.

LPKF Laser (WKN:645000) hatte in den letzten Jahren zwar mit einigen Problemen zu kämpfen, aber der Aktienkurs scheint sich stabilisiert zu haben, nachdem im August ein gut gefülltes Auftragsbuch gemeldet wurde. Die Garbsener fokussieren sich vor allem auf industrielle Anwendungen wie Schweißen, Fräsen und Schneiden.

Der wohl stärkste Wettbewerber ist jedoch die wesentlich größere Coherent (WKN:864089), welche zwar in Kalifornien beheimatet ist, aber durch mehrere Übernahmen in Deutschland dort über eine sehr bedeutende Präsenz verfügt. Das Produktspektrum deckt Laser fast jeder Art ab, egal ob für medizinische, wissenschaftliche, industrielle, informationstechnische oder sogar militärische Anwendungen. Rund 6 Mrd. US-Dollar Börsenwert sind aber auch ein Wort bei 12-Monats-Umsätzen von zuletzt knapp 1,5 Mrd. Andererseits ist eine operative Marge von 27,9 % bei guten Wachstumsaussichten eben auch nicht schlecht.

Investieren mit dem Chemie-Nobelpreis

Neben Carl Zeiss war Ernst Leitz einer der großen Pioniere der Mikroskopie. Die auf dessen Labor zurückgehende Leica Microsystems gehört heute zum amerikanischen Technologie-Konglomerat Danaher (WKN:866197) und gilt immer noch als ein Marktführer, allerdings eher bei klassischen Lichtmikroskopen.

Das Nobelpreis-Komitee hat hingegen Forschungsarbeiten zur Elektronenmikroskopie ausgezeichnet und da tun sich neben Zeiss eher ausländische Unternehmen hervor. Investierbar sind beispielsweise die beiden folgenden großen Spezialisten für instrumentelle Analytik: Bruker (WKN:813534) aus Massachusetts (USA) und Oxford Instruments (WKN:868366) aus England. Beide verfügen über wichtige Standorte in Deutschland und der Schweiz.

Die auf Stanford-Forschung basierende Park Systems gilt als Entwickler des ersten kommerziell angebotenen Rasterkraftmikroskops (auch etwas irreführend Atomkraftmikroskop genannt) und hat sich seither als ein starker Spieler auf diesem Feld behauptet. Aber die Aktien sind wohl nur an der koreanischen Börse erhältlich. Übrigens wurde der Deutsche Gerd Binnig bereits 1986 für die Entwicklung des Rastertunnelmikroskops mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und gilt als einer der Erfinder des Rasterkraftmikroskops.

Aber Kryo-Elektronenmikroskope, für die der Schweizer Jacques Dubochet und der Deutsche Joachim Frank jetzt geehrt wurden, gibt es insbesondere bei JEOL (WKN:857766) aus Japan, dem nach eigenen Angaben weltgrößten Anbieter von elektronenoptischen und analytischen Systemen. Etwas weniger fokussiert ist der Wissenschaftskonzern und große Merck (WKN:659990)-Konkurrent Thermo Fisher Scientific (WKN:857209). Dessen Mikroskope schlüpften in diesem Jahr über die Akquisition des großen Herstellers FEI unter das neue Konzerndach. Gerade kürzlich wurden zwei neue leistungsfähigere Kryo-Geräte präsentiert. Damit kann die Probe mittels extrem tiefer Temperaturen stabil gehalten werden, um beispielsweise komplexe Proteine auf nahezu atomarer Ebene dreidimensional in Ruhe untersuchen zu können.

High-Tech für dein Depot

Seit den Zeiten von Galilei, Huygens und Fraunhofer haben optische Technologien wie Mikroskop, Fernrohr und Laser der Menschheit sprichwörtlich immer wieder neue Welten eröffnet. Mit stetig verbesserten Ansätzen gelingt es, der Welt ein Geheimnis nach dem anderen zu entlocken, sowohl im extrem großen Maßstab, wenn es etwa um Gravitationswellen geht, als auch im extrem kleinen, wenn beispielsweise Viren untersucht werden sollen.

Längst geht es aber nicht mehr nur um die reine Erkenntnis. Gerader der Laser hat sich zum Universalwerkzeug entwickelt, das sich auf den unterschiedlichsten Anwendungsgebieten kommerziell einsetzen lässt und auch in Zukunft noch einige Überraschungen bereithalten dürfte. Nicht weniger spannend sind aber auch die unfassbaren Möglichkeiten, welche die Analyse und Manipulation auf atomarer Ebene bietet.

Unternehmen, die an den äußersten Grenzen des physikalisch Machbaren arbeiten, finde ich überaus spannend, weshalb ich mir zumindest JEOL und Coherent bei Gelegenheit mal genauer anschauen will.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt Aktien von Coherent.

Motley Fool Deutschland 2017