Investieren in Marihuana? 20 Dinge, die man wissen sollte

Motley Fool Investmentanalyst

Mit Ausnahme von Bitcoin gibt es wahrscheinlich kein Anlagethema, das in den letzten Jahren umfangreicher behandelt wurde als die Marihuana-Aktien. Es ist auch nicht schwer zu verstehen, warum. Seit Anfang 2016 haben einige der größten Pot-Aktien nach Marktkapitalisierung mehr als 1.000 % zugelegt. Im Vergleich dazu haben die Aktien in der Vergangenheit jährlich um etwa 7 % zugelegt, einschließlich der Wiederanlage von Dividenden und unter Berücksichtigung der Inflation. Kurz gesagt, die Marihuana-Aktien bringen deutlich mehr als die Börse normalerweise bringt.

Jedoch ist eine Investition in Marihuana nicht so einfach, wie es klingt. Es gibt eine Menge Dinge, die die gegenwärtigen und zukünftigen Investoren beachten müssen, wenn damit Gewinne erzielen wollen. Unten findest du eine Liste von 20 Dingen, die du wissen solltest, bevor du dein Geld in den Cannabis-Bereich steckst.

1. Die Öffentlichkeit unterstützt die Legalisierung von Cannabis für Erwachsene

Zunächst einmal ist die amerikanische Öffentlichkeit sehr dafür, dass Cannabis legalisiert wird. Laut fünf getrennten Umfragen im Laufe des letzten Jahres von Organisationen wie Gallup, Fox News, CBS News, Pew Research Center und der unabhängigen Quinnipiac University liegt die Unterstützung für die Legalisierung bei den Erwachsenen zwischen 59 % und 64 %. Zum Vergleich: Nur 25 % der Befragten stimmten der Legalisierung in der Gallup-Umfrage im Jahr 1995 zu. Dies zeigt, wie schnell sich die Wahrnehmung von Cannabis unbemerkt über zwei Jahrzehnte verändert hat.

2. Die Öffentlichkeit ist mit überwältigender Mehrheit für die Legalisierung von medizinischem Cannabis

Die Unterstützung für die Legalisierung von medizinischem Cannabis ist noch höher. Eine Umfrage der Quinnipiac University Ende April 2018 ergab, dass 93 % der Befragten dafür sind, dass Patienten Zugang zu medizinischem Cannabis haben sollen, das von einem Arzt verschrieben wurde. Dem gegenüber stehen nur 5 %, die dagegen waren.

3. Marihuana ist in allen Ländern bis auf eins illegal

Dennoch bleibt Marihuana auf der Bundesebene in den Vereinigten Staaten völlig illegal. Als Schedule-I-Medikament ist es illegal, gilt als sehr anfällig für Missbrauch und hat keinen anerkannten medizinischen Nutzen. Natürlich sind die USA nicht allein. Abgesehen von Uruguay ist Cannabis in jedem anderen Land der Welt illegal, obwohl mehr als zwei Dutzend Länder umfassende Gesetze zum medizinischen Cannabis-Konsum eingeführt haben, darunter Kanada und Mexiko.

4. 29 US-Bundesstaaten haben medizinische Cannabis-Gesetze

Innerhalb der USA gibt es eine Art zweigeteiltes System, das den Staaten bisher die Möglichkeit gab, Freizeit- und/oder medizinisches Marihuana unabhängig von der Bundesregierung zu legalisieren und zu regulieren. Seit 1996, als Kalifornien der erste Staat wurde, der medizinisches Marihuana für den Gebrauch bei Patienten legalisierte, haben insgesamt 29 Staaten medizinische Pot-Gesetze verabschiedet.

5. Neun Staaten erlauben es Erwachsenen, Freizeit-Cannabis zu konsumieren

Zusätzlich haben neun Staaten den Gebrauch von Freizeit-Marihuana seit der Wahl 2012 erlaubt. Der letzte Staat war Vermont im Januar über eine Gestzesinitiative – d. h., die Bürger mussten nicht einmal dafür abstimmen. Die Einwohner der anderen acht Staaten stimmten der Cannabis-Initiative in Form einer Abstimmung zu.

6. Die Finanzierung ist eine Herausforderung

Da Marihuana auf der Bundesebene (und in praktisch jedem Land) illegal ist, kann der Zugang zu grundlegenden Bankdienstleistungen, einschließlich Krediten und Darlehen, eine echte Herausforderung sein. Die Finanzinstitute fürchten die Möglichkeit von Geldbußen und/oder Strafanzeigen, was bedeutet, dass die meisten Banken dazu neigen, die Branche gänzlich zu meiden.

7. Aktionärsverwässerung ist üblich

Also, wie bekommen Marihuana-Aktien Zugang zu Kapital? In den USA erfolgt dies häufig über Stammaktien, in Kanada über Buy-Deal-Angebote. Ein solches Kaufangebot beinhaltet den Verkauf von Stammaktien, Wandelschuldverschreibungen, Aktienoptionen und/oder Optionsscheinen an einen Investor oder eine Investorengruppe zur Kapitalbeschaffung. In jedem Fall erhöhen beide Methoden Anzahl der ausstehenden Aktien eines börsennotierten Unternehmens und verwässern den Wert jeder bestehenden Aktie. Die Verwässerung ist eine der ernsthafteren Sorgen, denen die Investoren gegenüberstehen.

8. U.S.-basierte Cannabis-Unternehmen zahlen exorbitante Steuersätze

Zusätzlich könnten die Marihuanafirmen in den USA, die einen Gewinn abwerfen, noch eine Überraschung erleben. Ein mehr als drei Jahrzehnte altes Steuergesetz (§ 280E) verbietet es den Unternehmen, die eine föderal illegale Substanz verkaufen, normale Körperschaftsteuerabzüge vorzunehmen. Ohne die Möglichkeit, diese Abzüge zu nehmen, kann das Cannabis-Geschäft mit einem effektiven Steuersatz von bis zu 90 % konfrontiert werden.

9. Nur eine genehmigte Anbauanlage in den USA

Patienten, die von medizinischem Marihuana profitieren könnten, werden möglicherweise nichts davon bekommen. In den USA gibt es derzeit nur eine zugelassene Anbaustätte – die University of Mississippi –, was bedeutet, dass die Versorgung der Forscher in der klinischen Prüfung etwas eingeschränkt ist. Darüber hinaus gibt es vor der Durchführung klinischer Nutzen-Risiko-Studien eine Menge bürokratischer Hürden zu überwinden.

10. Die FDA könnte kurz vor der ersten Zulassung für Cannabinoide stehen

Interessanterweise scheint die Food and Drug Administration (FDA) jedoch weniger als zwei Monate davon entfernt zu sein, ein Cannabiniod-Medikament zuzulassen. Epidiolex von GW Pharmaceuticals (WKN:693692), das zur Behandlung von zwei seltenen Formen von Epilepsie im Kindesalter entwickelt wurde, erreichte in mehreren Studien im Spätstadium leicht den primären Endpunkt einer statistisch bedeutenden Reduktion der Anfallshäufigkeit im Vergleich zum Ausgangswert und im Vergleich zum Placebo. Das Leitmedikament von GW Pharmaceuticals wurde ebenfalls einstimmig vom FDA-Beratungsgremium im April zur Zulassung empfohlen. Aktuell ist das FDA-Entscheidungsdatum auf den 27. Juni festgelegt.

11. Trump unterstützt die Rechte der Staaten

Wie steht Präsident Trump dazu? Vor kurzem stand er hinter dem Recht der Staaten zu entscheiden, ob sie Cannabis legalisieren wollen. Aber Trump war aber nicht immer so entgegenkommend. Er weigerte sich auch Anfang des Jahres Marihuana-Importe aus Israel zuzulassen. Merkwürdig…

12. Jeff Sessions ist der größte Gegner der Branche

Auf der anderen Seite istklar, dass  Attorney General Jeff Sessions der größte Gegner der Marihuana-Industrie ist. Seit seiner Aussage, dass „gute Leute kein Marihuana rauchen“, hat Sessions bei zahlreichen Gelegenheiten versucht, die staatliche Expansion der legalen Cannabis-Industrie zu verlangsamen, zu stoppen oder umzukehren. Sein bisher einziger Erfolg war die Aufhebung des Cole-Memos am 4. Januar 2018.

Das Cole-Memo bot eine Reihe von losen Richtlinien, denen die Staaten, die den Gebrauch legalisiert haben, folgen müssen, um keinen Ärger mit der Bundesregierung in Washington zu bekommen, z. B. Cannabis, das in einem Staat angebaut wird, darf den Staat nicht verlassen. Die Aufhebung dieses Memos macht es für Staatsanwälte möglich, Anklagen gegen Unternehmen oder Einzelpersonen erheben, die gegen den Controlled Substances Act in Bezug auf Marihuana verstoßen.

13. Kanada steht kurz vor der Legalisierung

Obwohl die USA sehr wohl der lukrativste Marihuana-Markt auf dem Planeten sein könnten, wenn Cannabis legalisiert wäre, geht dieser Titel an Kanada. Der Nachbar im Norden scheint nur noch wenige Wochen davon entfernt zu sein, Freizeit-Marihuana für Erwachsene zu legalisieren, und dabei das erste entwickelte Land der Welt zu werden,  in dem man Cannabis legal konsumieren kann. Der Grundstein für die Verabschiedung des Cannabis-Gesetzes wurde bereits gelegt – jetzt geht es nur noch darum, auf die Abstimmung des Senats am 7. Juni zu warten.

14. Nur sehr wenige Länder sind berechtigt, Cannabis zu exportieren

Natürlich rechnen die kanadischen Anbauer damit, dass die Nachfrage weit über die Grenzen Kanadas hinausgeht. Kanada ist neben den Niederlanden eines von nur zwei Ländern, die aktiv Cannabis in Länder exportieren, die medizinisches Marihuana legalisiert haben. Es wird jedoch erwartet, dass Australien auch bald dazugehören wird.

15. Canopy Growth Corp. ist der größte Player der Branche

Die Nummer eins aller Marihuana-Aktien ist vorerst Kanadas Canopy Growth (WKN:A140QA). Letzten Monat kündigte Canopy an, dass das Unternehmen mit den jüngsten Zulassungen von Health Canada über 2,4 Millionen Quadratfuß lizenzierte Anbaufläche verfüge. Das ist dreimal mehr als zu Beginn des Jahres. Letztendlich erwartet Canopy Growth eine Produktionsfläche von 5,7 Millionen Quadratfuß, die nach meiner besten Schätzung mehr als 500.000 Kilogramm getrocknetes Cannabis pro Jahr liefern kann.

16. Das Überangebot ist ein echtes Problem

In der Erwartung, dass Freizeit-Cannabis bis zum Sommer legalisiert wird, versuchen die Kanadier jetzt so viel Marihuana wie möglich zu produzieren. Leider kann es auch zu einem Überangebot kommen. Obwohl die Schätzungen stark variieren, könnte die jährliche Inlandsnachfrage in Kanada nur 800.000 Kilogramm betragen. Doch die voll finanzierte Produktion von Dutzenden lizenzierter Produzenten dürfte bis 2020 oder 2021 leicht über 2 Millionen Kilogramm liegen. Wohin geht dieses Überangebot? Wenn das Ausland alles nimmt, werden die Margen nicht betroffen werden. Wenn nicht, könnte ein Überangebot dazu führen, dass die Cannabis-Preise sinken.

17. Die meisten Pot-Aktien werden an der OTC-Börse gehandelt

Die Investoren sollten sich auch bewusst sein, dass die meisten Marihuana-Aktien an der Freiverkehrsbörse (OTC) notiert sind. Glücklicherweise haben sich die Berichtsstandards an der OTC-Börse in den letzten Jahren drastisch verbessert. Dennoch kann die Liquidität eine Herausforderung bleiben, zumal institutionelle Investoren in der Regel nicht in Aktien investieren, die nicht an seriösen Börsen notiert sind.

18. Die Rendite ist in den meisten Fällen minimal

Auch wenn die Marihuana-Industrie für die Investoren profitabel erscheint, befinden sich die Cannabis-Unternehmen selbst nicht so nahe der Gewinnzone. Die Kapazitätserweiterungen und Reinvestitionen saugen vorerst einen großen Teil des operativen Cashflows auf. Unterdessen tendiert die Verwässerung dazu, den Gewinn pro Aktie zu senken, was eine Aktie auf fundamentaler Basis teurer erscheinen lässt. Lange Rede kurzer Sinn, diese Branche bietet nicht viel an Wert in traditionellem Sinne.

19. Öle und Extrakte sind ein margenstärkeres Produkt

Die Produktdifferenzierung ist wichtig für die Marihuana-Aktien, und es ist entscheidend für den Erfolg, über hochgradig kommerzialisierte getrocknete Cannabis-Produkte hinauszugehen. Insbesondere die Unternehmen, die Cannabis-Öle und -Extrakte verkaufen, erzielen saftigere Margen als solche, dies dies nicht tun. Öle und Extrakte haben einen deutlich höheren Preispunkt und sprechen Nischenverbraucher an. Damit könnte man die Margen erhöhen.

20. Das Nebengeschäft könnte noch spannender sein

Nicht zuletzt, ignoriere die Nebengeschäfte der Marihuana-Industrie nicht. Mit anderen Worten, vergiss nicht die Unternehmen hinter den Kulissen, die nicht mit der Cannabis-Pflanze in Berührung kommen. Unternehmen wie Kush Bottles, die sich auf kindersichere und manipulationssichere Verpackungen spezialisiert haben, können eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Anbauunternehmen selbst.

Jetzt, da du mit dem Wissen ausgestattet bist, das du benötigst, ist es an der Zeit, sich zu fragen: Passen Cannabis-Aktien in mein Portfolio?

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 05.05.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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