Das plant Schalkes neuer eSports-Chef

Der neue Head of eSports auf Schalke: Hans Christian Dürr

Von Luka Ziegler

Hans Christian Dürr und Mitch Voorspoels sind die neuen Gesichter beim FC Schalke 04. Mitch Voorspoels wird Head-Coach des League-of-Legends-Teams, während Hans Christian Dürr die Position vom Tim Reichert übernimmt. SPORT1 sprach exklusiv mit Hans Christian Dürr über seine Vorstellungen, Ziele und die Zukunft beim FC Schalke 04.

SPORT1: Nach Engagements bei etablierten eSports-Organisationen wie Natus Vincere und Splyce startet jetzt deine Zeit bei Schalke 04. Was erhoffst du dir vom kommenden Jahr?

Hans Christian Dürr: Ich erhoffe mir, dass wir neben dem sportlichen Erfolg unserer Esport-Teams ebenfalls die Ziele erreichen, die sich nicht nur auf die sportliche Performance beziehen. Unser Anspruch ist es, auch im Esport eine wertebasierte Kultur zu schaffen, die sich am Leitbild des FC Schalke 04 orientiert. Außerdem werden wir einen zusätzlichen Standort für unser League of Legends Team in Berlin aufbauen. Neben dem Ausbau der Infrastruktur möchten wir unseren professionellen Spielern künftig eine rundum Betreuung anbieten - ähnlich wie wir es bereits aus dem traditionellen Sport kennen. 


SPORT1: Gibt es explizite Zielsetzungen mit dem Team? 

Hans Christian Dürr: Es wird sportliche Zielsetzungen für das League of Legends-Team geben. Viel wichtiger für uns ist jedoch die Einführung zuvor genannter Prozesse zusammen mit den Spielern und Mitarbeitern rund um den FC Schalke 04 Esport.

SPORT1: Was muss passieren, damit das Team konstant auf einem Top-Level performt?

Hans Christian Dürr: Wir sind überzeugt davon, dass das Gesamtpaket stimmen muss, um Teams aufzubauen, die langfristig ganz oben mitspielen. Es ist nicht nur wichtig, talentierte Spieler zu verpflichten, sondern auch Spieler außerhalb ihrer eigentlichen Disziplin zu betreuen, um eine körperliche und geistige Fitness zu gewährleisten. Wir werden uns darauf fokussieren, den Spielern eine professionelle Arbeitsumgebung zu bieten, damit sie erfolgreich sein können. Dies funktioniert nur mit einem qualifizierten Trainerstab und genau diesen bauen wir im Moment auf.


SPORT1: H2k, Unicorns of Love und weitere Teams äußerten Kritik gegenüber Riot Games wegen einer unzureichenden Gewinnbeteiligung bzw. einem schlechten Finanzierungsmodell für die Teams. Wie hast du diesen Dialog wahrgenommen?

Hans Christian Dürr: Ich sehe League of Legends und einige andere Disziplinen als mittel- bis langfristiges Investment in den Esport. Einige Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, bevorzuge für unsere Arbeitsweise jedoch eine enge Zusammenarbeit direkt mit Riot Games. Dazu gehört auch, dass man sich gegenseitig konstruktiv kritisieren und herausfordern kann. Eine Möglichkeit, von der ich in der Vergangenheit auch Gebrauch gemacht habe. Es ist dem Ligabetreiber bewusst, dass es einige Punkte gibt, die verbessert werden können und wir haben hier bereits eine gute Diskussionsgrundlage. Ich sehe keinen Mehrwert darin, etwaige Unstimmigkeiten öffentlich auszutragen, da dies in der Regel ein recht einseitiges Bild zeigt und oftmals den Gesamtkontext einiger Kritikpunkte nicht oder nur unzureichend widerspiegelt, was dazu führt, dass Dritte voreilig Schlüsse ziehen, ohne genug Einblick in das Thema zu haben.

SPORT1: Mit PSG eSports hat ein Team aus dem traditionellen Sport bereits sein Engagement eingestellt. Wie bewertest du diesen Rückzug?

Hans Christian Dürr: Es ist immer bedauerlich, wenn sich ein Sportclub nach so kurzer Zeit aus einer Disziplin verabschiedet. Wir betrachten den Esport im Allgemeinen - und League of Legends im Speziellen - als eine nachhaltige und langfristige Investition. Dass der FC Schalke 04 auch nach dem unglücklichen Abstieg weiter an League of Legends festgehalten hat, unterstreicht dieses Haltung. Der Anfang im Esport war für den Verein kein leichter, doch man hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und ist daran gewachsen. Nach dem sportlichen Rückschlag hat der FC Schalke 04 Esport sich darauf fokussiert, die Infrastruktur stetig zu verbessern und die Arbeitsabläufe zu professionalisieren. Diese Bemühungen haben sich, um bei League of Legends als Beispiel zu bleiben, mit dem erneuten Einzug in Europas erste Liga, der EU LCS ausgezahlt.

SPORT1: Wenn du ein Liga-System für die LCS etablieren könntest, wie sähe dieses aus? 

Hans Christian Dürr: Ich möchte an dieser Stelle keine Gerüchte kommentieren. Der Teufel liegt bei vielen möglichen Modellen im Detail und ein Modell hier konkret zu erklären würde den Rahmen sprengen, da wir nicht nur über mögliche Formate sprechen müssten, sondern auch über Möglichkeiten, wie ein bestimmtes Modell attraktiv für Teams, Spieler sowie Zuschauer sein kann und zugleich wirtschaftlich nachhaltig.

SPORT1: Wie kann man die Attraktivität der EU LCS für den Zuschauer wieder steigern? 

Hans Christian Dürr:  Die EU LCS hat eine lange, kompetitiv interessante Historie und fantastische Spieler. Wir haben nach wie vor großartige Persönlichkeiten und Geschichten innerhalb der Liga. Riot und die Teams sollten enger zusammenarbeiten, um interessante Persönlichkeiten für den Zuschauer greifbarer zu machen. Dies wäre ein wichtiger Punkt um das Produkt EU LCS für Fans attraktiver zu gestalten. Wir möchten mit dem FC Schalke 04 Esports die Spieler stärker ins Rampenlicht rücken, um ihre Geschichten zu erzählen.