Interview mit Politikwissenschaftler: „Erdogans Botschaft ist: Ihr seid nicht sicher“

Volker Perthes spricht über das Weltbild des türkischen Präsidenten.

Volker Perthes (geb. 1958) ist Direktor der Stiftung für Wissenschaft und Politik. Sein Forschungsgebiet sind die außen- und sicherheitspolitischen Herausforderungen Deutschlands und der EU sowie der Wandel im Nahen und Mittleren Osten.

Herr Perthes, wenn Sie sich den Fall des Schriftstellers Akhanli ansehen, ist das eine neue Dimension in den Beziehungen der Türkei zu Europa?

Für die Beziehungen der Türkei zu Deutschland, der EU und den Partnerstaaten insgesamt hat das in der Tat eine neue Dimension. Was wir sehen, ist der Missbrauch eines internationalen Kooperationsprojekts für einen politischen Zweck. So etwas kommt in der Regel unter Alliierten nicht vor, durch Interpol gegen einen politischen Gegner vorzugehen.

Drückt sich im Vorgehen gegen Akhanli die Absicht aus, Menschen türkischen Ursprungs gefügig zu machen?

Erdogan hat nie richtig anerkannt, dass ein Türke, oder eine Türkin, mal etwas anderes werden könnte als eben türkisch zu sein. Menschen mit türkischen Wurzeln, die seit Generationen in Deutschland, den Niederlanden oder Österreich leben und auch die Staatsangehörigkeit dieser Länder angenommen haben, bleiben für ihn Türken, auch wenn diese sich eher als Westeuropäer oder Deutsche fühlen.

Das zeigt sich sowohl in seiner Propaganda nach innen als auch in seinem Auftreten in Richtung Europa. Erdogan akzeptiert es nicht. Er hat vor Jahren türkisch-stämmige Menschen aufgefordert, sich zu integrieren. Gleichzeitig schreibt er ihnen vor, wie sie zu wählen haben. Das sieht man derzeit etwa an seiner Aufforderung an Deutsche mit türkischen Wurzeln, die hierzulande das Wahlrecht haben, bestimmte Parteien nicht zu wählen.

Welche Botschaft ist damit verbunden?

Im Fall Akhanli sendet Erdogan eine Botschaft, die aussagt: Auch wenn ihr Deutsche geworden seid, bleibt ihr meine Untertanen. Und wenn ihr etwas macht, das mir nicht passt, gehe ich mit den Mitteln meines Staates gegen euch vor. Und das sind eben...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung