Interview mit Kölner-Zoo-Chef Pagel: „Die Elefanten haben keinerlei Trauer gezeigt“

Der Zoochef Theo Pagel über die Entscheidung den jungen Elefanten einzuschläfern.

Herr Pagel, am Sonntag starb plötzlich das sieben Tage alte Elefantenbaby. Es entwickelte sich positiv, dann verschlechterte sich der Zustand rapide. Haben Sie den Schock verdaut?

Den haben alle tatsächlich nicht verdaut, denn es sah ja sehr gut aus. Alles was wir unternommen haben – etwa, ihn mit der Mutter und anderen Elefanten zusammen zu bringen, obwohl die Mutter ihn nicht geliebt hat – war ja sehr vielversprechend. Umso verstörter waren wir, als dann das Jungtier plötzlich abbaute und wir uns dann nur noch dazu entschließen konnten, das Tier einzuschläfern.

Was passierte, als sich die Verfassung des Bullen so schnell verschlechterte?

Als wir gemerkt haben, dass etwas nicht in Ordnung ist, haben wir ihn sofort geholt und von der Mutter abgesperrt. Dann hat er sich sofort hingelegt. Er war sehr schwach, er hatte ja auch eine Nabelentzündung und etwas Durchfall. Unsere Tierärztin und ich waren vor Ort und haben gemeinsam gesehen, dass das Tier so schwach ist, dass keine Mittel, Aufbautropfen oder andere Maßnahmen mehr geholfen hätten. Damit das Tier keine unnötigen Leiden erfährt, war es aus tiermedizinischer Sicht notwendig, es einzuschläfern.

Das heißt, es gab keine Chance, den Elefanten zu retten?

Selbstverständlich gab es keine andere Möglichkeit. Wir sind Profis im Umgang mit Tieren. Aber wenn da so ein kleiner Rüssel vor einem liegt, werden sie sehr emotional und versuchen alles. Wir haben an dem Tier gehangen, wir hatten immer direkten Kontakt zu ihm und eine Beziehung. Das ist, als wenn sie ihren Haushund einschläfern müssen: Der schwerste Gang, den man gehen kann. Aber auch der richtige.

Trauern die anderen Elefanten?

Wir haben dem Muttertier die Möglichkeit gegeben, sich zu verabschieden. Sie ist auch zu ihm hin. Aber die anderen Elefanten haben keinerlei Trauer gezeigt. Wir mussten 2006 die Mutter von Marlar einschläfern. Da haben die Elefanten gemerkt, dass einer fehlt, haben gerufen und geguckt. Das war jetzt nicht so. Denn die Mutter hatte von Beginn an keine Bindung zu dem Jungtier, weshalb es kein Bestandteil der Herde war. Deshalb vermisst es auch keiner der Elefanten. Für die Herde geht das Leben weiter, als hätte es den Kleinen nie gegeben.

Warum werden so viele Elefanten geboren?

Was genau war die Todesursache?

Das wissen wir noch nicht genau. Wir gehen davon aus, dass die Nabelentzündung maßgeblich war. Wir haben ihn in die Tier-Pathologie gegeben, um festzustellen, ob etwas anderes dahinter steckt. Ob er vielleicht etwas im Kopf hatte, ob die Organe in Ordnung waren, wir wollen alles wissen.

Was passiert mit dem Kadaver nach der Obduktion?

Er kommt in eine sogenannte Tierkörperbeseitigungsanstalt – ein schrecklicher Begriff – und wird wahrscheinlich verbrannt.

Warum werden in Köln so viele Elefanten geboren?

Weil wir das so wollen. Bis auf zwei können alle Kühe trächtig werden. Wir haben vom europäischen Haltungszuchtprogramm den Auftrag zu züchten. Dass es jetzt aber vier auf einmal waren, werden wir so schnell wohl nicht mehr machen. Aber es wird weiter Nachwuchs im Kölner Zoo geben. Zurzeit ist keine Kuh trächtig.

Der Deutsche Tierschutzbund hat die Haltung von Elefanten in Gefangenschaft kritisiert. Können Sie das nachvollziehen?

Nein. Wenn ich das nachvollziehen könnte, würde ich keine Elefanten halten. Welche Kenntnisse hat der Tierschutzbund über Elefantenhaltung und -zucht? Ich wage zu behaupten, dass er keine hat. Wer noch nie einen Elefanten gehalten hat, kann aus meiner Sicht auch nicht beurteilen, ob das überhaupt möglich ist oder nicht. Eine artgerechte Haltung ist in Zoos möglich, sonst würden wir das nicht machen.

Prof. Theo B. Pagel (56) ist seit zehn Jahren Vorstand des Kölner Zoos und verantwortet als Direktor den biologischen Bereich....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta