Interview mit Kölner Oberarzt: So kann einer Demenz-Erkrankung vorgebeugt werden

Der Kölner Oberarzt rät dazu, möglichst früh mit der Demenz-Prävention zu beginnen.

Die Ursachen, ob jemand an einer Demenz erkrankt und wenn ja, warum, sind noch nicht hinreichend geklärt. Die Grundlagenforschung dazu läuft auf Hochtouren. Interessant ist zudem die Frage, ob es Möglichkeiten gibt, das Demenz-Risiko zu senken. Dr. Christian Halfmann, Oberarzt der Gerontopsychiatrie in der LVR-Klinik in Mülheim, sagt, welche Prophylaxe-Ansätze sinnvoll sind.

Herr Halfmann, was raten Sie Menschen, die einer möglichen Demenz vorbeugen möchten?

Zunächst einmal müssen wir zwischen einer vaskulären Demenz und einer Alzheimer-Erkrankung, um nur zwei häufig auftretende Demenz-Formen zu nennen, unterscheiden. Vaskuläre Demenzen entwickeln sich aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Zu den Risikofaktoren zählen zu hohe Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettwerte. Wer diese Faktoren zum Beispiel durch regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen abklären und wenn notwendig behandeln lässt, tut eine Menge zur Prophylaxe. Ungünstig wirken sich zudem Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen und übermäßiger beziehungsweise regelmäßiger Alkoholkonsum aus. In den Entstehungsprozess von Alzheimer können wir immer noch nicht eingreifen.

Ist da also nichts zu machen?

Doch, doch. Eine Menge sogar. Wir können unsere Lebensgestaltung, unsere Lebenshaltung verändern und so wirksam einer Demenz-Erkrankung vorbeugen. Dazu zählt geistige Aktivität. Wir sollten neugierig, wach und interessiert bleiben und uns an neue Dinge wagen. Das kann das Erlernen einer fremden Sprache oder eines Instruments sein. Wichtig ist auch, Freundschaften zu pflegen und generell mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Ich rate dazu, sich aus der Komfortzone herauszubewegen und die Scheu abzulegen, sich schwierigen und ungewohnten Sachen zu nähern. Wir müssen unser Gehirn kontinuierlich fordern. Es dankt es uns. Wichtig ist aber, dass das, wofür ich mich entscheide, mir Spaß macht.

Was ist mit der Ernährung?

Es gibt starke Hinweise dafür, dass die klassische mediterrane Küche positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat und auch hilft, Demenz-Erkrankungen vorzubeugen. Auf dem Speiseplan sollte also ein hoher Anteil an Obst, Gemüse, Fisch und Milchprodukten stehen und weniger tierische Fette. Nicht zu vergessen: ausreichend trinken, mindestens eineinhalb bis zwei Liter täglich. Gerade ältere Leute trinken zu wenig.

Bewegung gilt als gute Prävention. Stimmt das?

Unbedingt. Bewegung fördert die geistige Fitness. Dabei muss es überhaupt kein Leistungssport sein. Es hilft für den Anfang schon, die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen. Oder das Auto stehen zu lassen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu fahren. Großartig sind Tanzen und Singen. Da kommt viel Positives zusammen: Bewegung, Kommunikation und Lebensfreude.

Helfen Medikamente?

Eher nicht. Es gibt viele Studien zum Beispiel über die reinen Dementiva, die keine präventiven Effekte nachgewiesen haben. Auch bei Vitamin-E- und Vitamin-D-Präparaten, Ginkgo sowie den Antioxidantien – Fehlanzeige. Es haben sich bislang keine dauerhaften positiven Effekte gezeigt. Bei allem, was dazu in den Apothekenfenstern steht, ist nicht nachgewiesen, dass es hilft. Aber es hilft, etwas wegzulassen: Der regelmäßige Griff zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie Schmerzmitteln macht dement.

Wann sollte man sich über Demenz-Prävention Gedanken machen?

Ganz einfach: so früh wie möglich. Auf jeden Fall im mittleren Lebensalter. Und es ist nie zu spät, seine Grundhaltung zu bestimmten Dingen zu überprüfen. Ich sage nur: Denken hilft.

Was empfehlen Sie außerdem?

Es gibt keine Patentrezepte oder Geheimrezepte mit der Garantie, nicht an einer Demenz zu erkranken. Ich rate generell zu mehr Gelassenheit. Es gibt doch bei jedem Menschen bessere und schlechtere Tage. Ich muss mich doch nicht ärgern oder ängstigen, wenn ich mal was vergessen habe.

Zur Person

Christian Halfmann (49) ist Oberarzt in der Tagesklinik und Institutsambulanz sowie der Gedächtnissprechstunde der LVR-Klinik in Mülheim. Dort findet unter anderem die Demenzdiagnostik und Behandlung von Demenzkranken statt. Deren Angehörige werden auf Wunsch beraten, begleitet, geschult und entlastet.

Kontakt: LVR-Klinik Köln, Gerontopsychiatrisches Zentrum Mülheim, Adamsstraße 12, 51063 Köln, Telefon 0221/60608520...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta