Interview mit Christian Engelhart über das GT-Masters-Finaldrama (1/3)

Heiko Stritzke
·Lesedauer: 4 Min.

SSR Performance hat sich im ersten Jahr gleich beide Titel im GT-Masters geholt. Doch so einfach, wie es von außen schien, war der Titelgewinn beim Finale in Oschersleben nicht. Christian Engelhart erzählt im Interview mit 'Motorsport.com', dass es statt des überlegenen Siegs im Samstagsrennen beinahe eine sportliche Katastrophe für ihn und ein Team gegeben hätte.

Frage: "Am Donnerstag vor dem Rennen wurde eure Berufung gegen die Strafe beim Spielberg-Rennen abgewiesen. War das ein Schlag oder haben Sie damit gerechnet?"

Christian Engelhart: "Bei sowas weiß man im Vorfeld nie, wie es ausgeht. Das Team hat unsere Argumente vorgetragen und der DMSB hat dagegen entschieden."

"Ehrlich gesagt haben wir uns direkt auf das Wochenende konzentriert. Wir haben das am Wochenende auch nicht weiter besprochen. Aber Tatsache ist, dass die Entscheidung gegen uns gefallen ist. Das bedeutete, dass wir mit sieben Punkten Rückstand ins Finale gegangen sind. Sonst wären wir als Tabellenführer ins Wochenende gegangen."

Frage: "Hat Sie das geärgert oder konnten Sie das ausblenden?"

Engelhart: "In dem Moment versucht man eher, das auszublenden und mit dem zu arbeiten, was man hat und sich auf das zu konzentrieren, was direkt vor einem liegt. Ich sage es mal so: Ich habe es zur Kenntnis genommen, abgehakt und mich auf meinen Job konzentriert."

Frage: "Wie sind Sie in das Finale gegangen?"

Engelhart: "Es hat mit dem Donnerstags-Test schon positiv angefangen, wo wir die beste Zeit für uns verbuchen konnten. Da wussten wir, dass wir für dieses Wochenende aussortiert sind und eine gute Chance haben. Wir sind als Meisterschaftsdritte in das Wochenende gegangen."

Frage: "Der Samstag hat sehr dominant ausgesehen. War es wirklich so überlegen?"

Engelhart: "Tatsächlich waren wir am Samstag extrem gut aussortiert. Entscheidend war wieder einmal der Start, den Michael gewonnen hat."

"Ich habe das Auto im zweiten Stint übernommen. Als wir nach dem Boxenstoppfenster vorne lagen, war klar: Es geht nun darum, es über die Ziellinie zu bringen. Theoretisch hatte ich eine super Pace und konnte es perfekt managen. Das klingt nach einer lockeren Angelegenheit."

"In der Praxis war es ganz anders. Gleich in der ersten Runde aus der Boxengasse kam ich durch Kurve 2 und da lag Flüssigkeit. Das ist glaube ich die Flüssigkeit, auf der Kelvin van der Linde dann in die Wiese gerutscht ist. Das hätte mir auch passieren können. Ich konnte das Auto auf der Strecke halten."

"Und direkt in der Runde darauf gab es wieder Flüssigkeit in der Hotel-Kurve und der Schikane. Das war nochmal ein richtiger Schreckmoment. In der Hotelkurve war es noch zu sehen, aber in der Schikane war es unmöglich vorauszusehen. Es sah nämlich so aus, als würde die Ölspur in der Wiese enden."

"Tatsache war aber, dass das Auto auf die Strecke zurückkam und in der Schikane wieder Öl verloren hat. Das konnte ich natürlich nicht wissen. Ich habe da einmal komplett das Heck verloren. Das war eigentlich der kritischste Moment in dem Rennen. Leider haben die TV-Kameras das nicht eingefangen."

"Wenn du als Führender ankommst, ist es immer am schwierigsten. Maro Engel hinter mir konnte sehen, in was für Schwierigkeiten ich geraten war. Er konnte ein bisschen auf mich reagieren."

Frage: "Die SC-Phase hat Sie Ihren sicheren Vorsprung gekostet. Das hätten Sie nicht unbedingt gebraucht?"

Engelhart: "Tatsächlich war die Safety-Car-Phase richtig, denn es war extrem rutschig durch das viele Öl auf der Strecke. Ich habe sogar selber darum gebeten. Für uns war das ein Nachteil, denn mein Vorsprung war ja weg. Nach ein paar Runden haben sie wieder freigegeben und es war okay."

Frage: "Und das war nicht die einzige Unterbrechung im ersten Rennen ..."

Engelhart: "Vielleicht versteht mancher nicht, warum im einen Fall das Rennen mit der Roten Flagge abgebrochen wird und im anderen nur das Safety-Car auf die Strecke kommt. In meinen Augen war das eine sehr gute Entscheidung von der Rennleitung."

"Die Rote Flagge [40 Minuten vor Schluss] hat verhindert, dass man mit dem Safety-Car in das Boxenstoppfenster fährt. Dann wäre es nämlich ein Glücksspiel, wer das Rennen gewinnt. Es ist eines der Ziele der Rennleitung, genau das zu vermeiden."

Engelhart und Ammermüller gewannen das Samstagsrennen und übernahmen damit die Tabellenführung. Für das Sonntagsrennen heimsten sie aber auch 30 Kilogramm Zusatzgewicht ein: "Der Sieg hat die Situation für uns umgedreht. Jetzt waren wir der Gejagte - und das mit viel Erfolgsballast."

Und der Sonntag sollte noch viel nervenaufreibender werden. Das lesen Sie in den Teilen 2 und 3 unseres Exklusivinterviews mit GT-Masters-Champion Christian Engelhart!

Mit Bildmaterial von ADAC Motorsport.