Internationales Projekt: Studie zu Religion und Integration am Berufskolleg Ehrenfeld

Das BKE wurde aufgrund seiner ethnischen und kulturellen Vielfalt ausgewählt.

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion“ – so fragt ein junges Mädchen den um vieles älteren Wissenschaftler Faust in Goethes gleichnamigem Drama. Die sogenannte „Gretchenfrage“ – also die nach dem Bekenntnis – wird zurzeit Schülerinnen und Schülern am Berufskolleg Ehrenfeld (BKE) gestellt. Gefragt wird aber noch mehr. Zum Beispiel zum gesellschaftlichen und politischen Engagement, nach den Aktivitäten innerhalb der jeweiligen Glaubensgemeinschaft und nach den Verknüpfungen mit der heimatlichen Kultur, etwa Sprache, Essen oder Tänzen.

Die Studie beleuchtet das Verhältnis zwischen Religion und Integration. ​„Wir möchten die persönlichen Erfahrungen unserer Schülerinnen und Schüler mit Migration, Integration, Religion, Bildung und Ausbildung sowie ihren Alltag einschließlich der sozialen Netzwerke verstehen. Letztlich geht es um Identität“, erklärt Britta Mölders, Englisch- und Pädagogiklehrerin am Berufskolleg Ehrenfeld. Sie leitet das Projekt zusammen mit April Manalang, Professorin im Department of History and Interdisciplinary Studies an der Norfolk State University in Virginia/USA, Forschungsstipendiatin der Virginia Foundation for the Humanities und Georg-Bollenbeck-Forschungsstipendiatin der Universität Siegen, sowie Professor Daniel Stein von der Universität Siegen und Professorin Page Laws von der Norfolk State University. Die Idee entwickelten Britta Mölders (31) und April Manalang (35), die sich während der gemeinsamen Studienzeit in den USA kennenlernten.

Große ethnische und kulturelle Vielfalt

Die wissenschaftliche Befragung sei eine der ersten ihrer Art, betont April Manalang. Das BKE sei ausgewählt worden, weil es an der Schule eine große ethnische und kulturelle Vielfalt gibt und die Schule das größte Berufskolleg in Köln ist.

Nach Abschluss der Untersuchung in Köln soll die gleiche Studie in Virginia durchgeführt werden. Anschließend werden die Ergebnisse verglichen. „Unter anderem bin ich gespannt darauf, welche Unterschiede es im Stellenwert geben wird, den Religion in Bezug auf das gesellschaftliche Engagement und im politischen Handeln einnimmt.“ Die USA seien ein sehr religiöses Land.

Schon jetzt ist April Manalang begeistert von der Resonanz der Kölner Schüler. Die Amerikanerin hat philippinische Wurzeln und kam im Alter von zwei Jahren mit ihren Eltern in die USA. Im Alter von zehn Jahren wurde sie aufgrund ihres Vaters Artemio Manalang, einem Veteran der US-Navy, amerikanische Staatsbürgerin. „Die Erfahrungen der jungen Leute zu hören, die als Flüchtlinge oder Einwanderer nach Köln gekommen sind, ist wie einen Spiegel vorgehalten zu bekommen“, sagt sie. Umgekehrt werde sie auch selbst viel gefragt. „Wir lernen schon beim Ausfüllen der Fragebögen, dass die Antworten der Schülerinnen und Schüler, und somit ihre Erfahrungen, komplexer sind als die standardisierten Kategorien, besonders hinsichtlich ihrer Migrationsgeschichte“, sind sich die beiden jungen Frauen einig.

Bedürfnisse von Schülern herausfinden

Neben den einheitlichen Fragebögen gibt es einerseits Einzelinterviews zur religiösen Beteiligung und sozialen Netzwerken, andererseits sogenannte Fokusgruppen, in denen sich die teilnehmenden Jugendlichen aus unterschiedlichen Bildungsgängen untereinander über Bildung/Ausbildung, Religion und soziale Netzwerke austauschen sollen. Auf Wunsch der Schülerinnen und Schüler wird eine weitere Fokusgruppe zum Thema Religion und Homosexualität ermöglicht.

Im Rahmen der Fokusgruppen wollen Britta Mölders und April Manalang auf Empfehlung des Schulleiters, Johannes Segerath, herausfinden, welche Bedürfnisse die Schülerinnen und Schüler am BKE haben. Auch diese Beiträge aus den Fokusgruppen sollen bei der Studie berücksichtigt und ausgewertet werden.

Teilnehmen können alle Schülerinnen und Schüler. Besonders angesprochen werden diejenigen mit Migrationshintergrund sowie Geflüchtete, die am BKE in internationalen Förderklassen unterrichtet werden. „Wir erhoffen uns Erkenntnisse für die schulische Arbeit“, sagt Britta Mölders.

Darüber hinaus hoffen beide, dass die Ergebnisse eine Hilfe für künftige politische Entscheidungen sein können. Die Projektleiterinnen möchten die Studie weiter entwickeln und die Ergebnisse präsentieren....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta