Auftakt zu fünftägiger internationaler Aids-Konferenz in Amsterdam

Begleitet von Warnungen vor einer gefährlichen Nachlässigkeit im Umgang mit Aids beginnt am Montagabend in Amsterdam eine große Fachkonferenz zum Kampf gegen die Krankheit. 15.000 Experten und Aktivisten treffen zusammen, darunter auch Prominente

Begleitet von Warnungen vor gefährlicher Nachlässigkeit im Umgang mit Aids hat am Montagabend in Amsterdam eine internationale Aids-Konferenz begonnen. 15.000 Experten und Aktivisten beraten bei dem fünftägigen Treffen in der niederländischen Stadt über Strategien im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit.

Nachdem die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen zehn Jahren rückläufig war, stieg sie in einigen Weltgegenden nach Angaben von Aktivisten zuletzt wieder stark an. Zugleich nahmen die öffentliche Aufmerksamkeit und die finanzielle Unterstützung für den Kampf gegen die Krankheit ab, die weltweit bereits rund 35 Millionen Menschen tötete.

Nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe (DAH) ist an der Eröffnung der Konferenz Conchita Wurst alias Tom Neuwirth beteiligt. Der österreichische Drag-Künstler und Sieger des Eurovision Song Contest 2014 hatte Mitte April seine HIV-Infektion öffentlich gemacht, um nach eigenen Angaben einer möglichen Erpressung durch einen Ex-Freund zuvorzukommen. Zu der Konferenz werden auch andere Prominente wie Prinz Harry, der Sänger Elton John und Hollywood-Star Charlize Theron erwartet.

Das UN-Aids-Programm Unaids schlug zum Auftakt Alarm. Das Erreichen der Etappenziele bis zum Jahr 2020 - dann sollen weltweit 30 Millionen HIV-Infizierte in Behandlung sein - ist demnach gefährdet. In 50 Ländern seien die Infektionszahlen gestiegen, der allgemeine Trend gehe aber in die richtige Richtung: 2017 seien weltweit 940.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit gestorben - eine Million weniger als noch 2005.

Die Zahl der neu Infizierten sank demnach seit 1996 um fast die Hälfte: Im vergangenen Jahr steckten sich noch 1,8 Millionen Menschen mit HIV an. Zudem können mit fast 37 Millionen nach UN-Angaben so viele Menschen wie nie dank medizinischer Behandlung mit dem HI-Virus leben.

Insgesamt befänden sich drei von fünf HIV-Infizierten in Behandlung. Auch in dieser Hinsicht gibt es Unaids zufolge regionale Unterschiede: Im Nahen Osten und in Nordafrika habe weniger als ein Drittel der Infizierten Zugang zu der benötigten medizinischen Behandlung. Weltweit gebe es noch mehr als 15 Millionen Menschen, die nicht behandelt würden.

Nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe sind in Russland die HIV-Infektionszahlen dramatisch gestiegen. Mehr als 100.000 Menschen erhielten dort jährlich die HIV-Diagnose. Das mache etwa zwei Drittel der neuen HIV-Infektionen Europas aus. Russland und andere Länder weigern sich demnach "aus ideologischen Gründen", die Wege zu gehen, die Erfolge versprechen: Spritzenvergabe, Substitutionsbehandlung im Drogenbereich und Prävention, die das sexuelle Verhalten der Menschen akzeptiere.

Deutschland könne zum Umdenken beitragen, indem es sein Engagement in Russland und in Osteuropa ausbaue. Es müsse außerdem seine finanziellen Beiträge an den Globalen Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria endlich erhöhen.

In Deutschland infizieren sich den Angaben zufolge rund 3100 Menschen pro Jahr mit HIV ? im internationalen Vergleich eine sehr niedrige Zahl. Dennoch ließen sich weitere Infektionen vermeiden. Dringend geboten seien eine anonyme Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltspapiere, Drogenkonsumräume in allen Bundesländern und Spritzenvergabe in Haftanstalten.

HIV müsse heute nicht mehr zu Aids führen. Durch Medikamente werde die Vermehrung von HIV im Körper verhindert, sodass die Lebensqualität nicht beeinträchtigt werde. Die Therapie sorge außerdem dafür, dass HIV nicht mehr übertragbar sei.