Integration: Zwischen allen Fronten

Als Kinder wurden sie ausgegrenzt, alle Freunde sind längst weg, er aber will bleiben: Mazierullah Qaderi (24) ist Integrationsexperte in der Uckermark

"Betreten verboten" steht auf einem Schild am Tor. Der Zaun daneben fehlt. Scherben knirschen unter den Schuhen, Müll türmt sich auf dem zugewucherten Gelände. Irgendwo klopft ein Specht. Mazierullah Qaderi schaut auf den Plattenbau, in dem er seine ersten Jahre in Deutschland verbracht hat. Seine Familie floh im Jahr 2000 aus Afghanistan, fünf Jahre lebten sie hier, in dem damaligen Asylbewerberheim im Wald nahe dem uckermärkischen Dörfchen Crussow. Seine Eltern, er und die drei jüngeren Geschwister in zwei Räumen.

Qaderi deutet auf ein Fenster im dritten Stock. Drinnen hört man eine Tür knallen, als wäre die Wut immer noch nicht verraucht, mit der das Gebäude schon vor langer Zeit verwüstet wurde. Durch die Fenster der Ruine wachsen Büsche, die Türen des Gebäudes sind vernagelt. Aber da ist niemand, nur der Wind. "Die wollten damals ganz sicher sein, dass wir nie wiederkommen."

"Die" – das waren mutmaßlich Rechtsextreme aus der nahen Kleinstadt Angermünde, zu der das Dorf Crussow gehört. Vielleicht waren auch Nachbarn dabei. Sie riefen den Flüchtlingen "Ausländer raus" nach, sobald diese das Gelände verließen. Oder "Sieg Heil". Zeigten ihnen einen Hitlergruß und griffen sie an, wie Polizeimeldungen aus der Zeit dokumentieren. Qaderi kommt trotzdem noch ab und zu her. Um zu entscheiden, wo man hinwill, sollte man nicht vergessen, wo man herkommt.

Der Flüchtlingsjungen aus dem Wald

Mazierullah Qaderi, für seine Freunde kurz Mazi, ist heute 24 Jahre alt. So wie er im grauen Anzug ...

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